/ Wort zum Tag

Matthäus 14,23

Jesus brauchte das offenbar: allein mit seinem Vater zu sein, mit ihm zu reden, zuzuhören. Sich wieder ausrichten auf Gott, nicht nur abhängig zu sein von den Menschen und ihren Problemen; der Umwelt, die einen ja auch bestimmt; und so könnte man ja auch leben: das tun, was so kommt, den Tag über, sich tragen lassen von den Pflichten und Freuden des Alltags. Aber Gott soll die Mitte sein, so wollte es Jesus.
 
Es verwundert mich, dass Jesus so sehr Mensch war, dass er das brauchte! Offenbar hatte er das nicht einfach „in den Genen“, was zu tun war; kein „Bauchgefühl“ sagte ihm: heile diesen Menschen, geh jetzt nach Jerusalem; er brauchte jeweils die Rückbindung an Gott. Wir lesen in den Evangelien, dass Jesus manchmal erst etwas zögerte, bis er es tat; dass er zum Himmel aufsah; dass er etwas machte, was andere ihm sagten – aber erst nach einem Zögern, wie wenn er leise fragen würde: „Vater, ist das jetzt dran?“ „Ja, jetzt!“

So möchte ich auch leben! Mein Traum wäre es, morgens um 5.00 Uhr aufzustehen, eine Stunde zu beten und die Bibel zu lesen, und dann stark und fröhlich und gesegnet an die Arbeit zu gehen. Leider bin ich überhaupt kein Typ, der still sitzen kann. Ich bin ein Arbeitstier! Wenn ich morgens dasitze, mit der Bibel auf dem Schoß, dann fällt mir alles Mögliche ein, was jetzt auch zu tun wäre: Blumen gießen, Fingernägel schneiden ... Ich bin froh, wenn ich es 10 Minuten so aushalte, dazusitzen, Bibel zu lesen und zu beten. Und ja: Gott ist so barmherzig, dass etwas hängen bleibt, dass ich etwas von seiner Liebe und Wärme empfange. Und am Tag fällt mir manchmal etwas ein von der morgendlichen Bibellese – und das tut mir gut.

Ja, ich genieße es, allein mit Gott zu sein: Ich bin auch allein so wichtig, dass er mich sozusagen anschaut und mir das sagt: Du bist mir wichtig! Nicht nur als Werkzeug, als Arbeitstier mit einem Auftrag an anderen, sondern Kind. Das tut mir gut! Mir kam vor Wochen einmal der Gedanke – wenn ich mal im Ruhestand bin, dann werde ich Beter! Ja, ich finde es schön, vor Gott meine Gedanken auszusprechen, Menschen zu segnen, für konkrete Dinge zu beten. Die Welt mit Gottes Augen zu sehen und etwas zu verändern – indem ich bete. Das hat Gott uns ja auch verheißen, dass Gebet etwas bewirkt!

Morgens um 5.00 Uhr aufzustehen habe ich selten geschafft, nur um eine Ansprache vorzubereiten, wenn die Zeit knapp war. Aber dann war es auch schön: so in aller Stille dazusein, mit Gott alleine sozusagen. Und dabei auch für mich etwas zu bekommen – ohne sofort an andere zu denken. „Jesus stieg allein auf einen Berg, um zu beten.“ Und ich habe – als Arbeitstier! - eine Möglichkeit gefunden, mit Gott alleine zu sein: ich gehe manchmal wandern, und dann erzähle ich Gott von mir, ich überlege, wie es mir geht – und ich weiß, ich darf so egoistisch sein… Beim Wandern kann ich nicht ausweichen, Blumen gießen und Fingernägel schneiden geht nicht! Meistens laufe ich los – gefüllt im Kopf mit allem Möglichen; und wenn ich vom Berg herunterkomme, ist meine Seele wieder still und geglättet, wieder im Reinen. Es ist, wie wenn ich wieder die richtige Perspektive bekommen hätte, nach dem Blick von oben herunter ins Tal: manches wird weniger wichtig, und manches wird umso wichtiger: Gott etwa. Die Freude an ihm. Ich weiß wieder, dass er über meiner Arbeit steht – und ich einfach sein Kind sein darf.  

 

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