/ Wort zum Tag

Jakobus 1,26

Bibelvers

Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig.

Jakobus 1,26

„Seid aber Täter des Worts und nicht nur Hörer“, hatte Jakobus seinen Leuten zugerufen. – „Aber wo denn?“ so höre ich sie zurückfragen. „Wo kann ich denn etwas Gutes für Jesus tun?“ – „Ganz dicht bei dir fängt dein praktischer Gottesdienst an“, antwortet Jakobus, „und zwar bei dem, was du sagst und wie du es sagst“:
„Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig!“

Da haben wir’s also: Das ganze fromme Reden kann ganz schnell wirkungslos werden, wenn das normale Reden im Alltag eine völlig andere Sprache spricht. Ich fühle mich sofort getroffen, denn als „Mundwerker“, wie ein Fachmann die redende Zunft einmal genannt hat, muss ich jeden Tag sprechen. Das wird von mir erwartet, das tut ein Pastor eben. Im Gottesdienst, in Hauskreisen, bei Familienfeiern. Aber was rede ich da? Spiele ich nur eine Rolle, die man von mir erwartet – und wie weit darf ich beim öffentlichen Reden meine Empfindungen und Situationen ehrlich artikulieren? Und wann muss ich schweigen?

Und dann steht da noch das strenge Wort Jesu aus Matthäus 12, 36 im Hintergrund, das mich schon seit meiner Kindheit begleitet: „Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.“ Damit haben meine Eltern manchmal den Rededrang ihres Söhnchens einzudämmen versucht.

Ich will einmal versuchen, in dieses Wirrwar von Gedanken, Eindrücken und Ängsten eine Schneise des Verständnisses zu schlagen:

Jakobus scheint es darum zu gehen, dass unser privates Reden und unser gottesdienstliches Reden nicht aus zwei verschiedenen Welten kommen darf, die nichts miteinander zu tun haben. Diesen Gedanken greift er übrigens im Kapitel 3 (Vers 10 und 11) noch einmal ausführlich auf: „Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder. Lässt auch die Quelle aus einem Loch süßes und bitteres Wasser fließen?“

Dabei fällt mir auch ein, dass das hebräische Denken gar nicht so stark wie wir zwischen Sagen und Tun oder Begriff und Sache oder Denken und Handeln unterscheidet. Das gesprochene Wort ist immer eine Ausdrucksform des gesamten Wesens eines Menschen. Ganz stark begegnet uns das bei Gott selbst: Er spricht – und es geschieht, und so entsteht die ganze Schöpfung. Die Trennung zwischen Begriff und Sache ist dem Alten Testament eigentlich fremd.

So gesehen ist das, was ich sage und wie ich es sage, immer auch ein Abbild dessen, was ich bin und was ich glaube und wie ich glaube und denke. Und da beginnen viele Probleme unter Christen: Wir haben gelernt, in der Gemeinde ein bestimmtes Vokabular zu benutzen, das dort üblich ist. Und wir haben auch gelernt, dass man am wenigsten Ärger bekommt, wenn man gruppenkonform handelt, denkt und redet.

Aber ist das biblisch geprägte Denken wirklich bis in unser Herz, unsere Phantasie und unsere Träume durchgesackt und dort verankert? Oder müssen wir immer noch aufpassen, wo wir was sagen dürfen und wo lieber nicht? Manche verstehen es, lebenslang darüber eine strenge Kontrolle zu bewahren, doch dann macht schon ein kleiner Schlaganfall im Alter diese Kontrolle plötzlich unmöglich – und die Angehörigen sind erschrocken, was der alte Bruder da von sich gibt.

Ich wünsche mir, dass ich von Gott und seinem Wort so geprägt werde, dass ich vor einem solchen Situation im Alter keine Angst haben brauche, dass es Gott gelungen ist, bis in die Wurzeln meines Denkens mit seinem guten Einfluss eingedrungen zu sein.

Und ich bin froh, immer wieder solchen Menschen begegnet zu sein, die in der Hilflosigkeit des Alters eine wohltuende und segnende Atmosphäre ausstrahlten – auch durch das wenige, das sie dann noch sagen konnten. Das war dann so ein Gottesdienst, wie Jakobus ihn meint.
 

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