/ Wort zum Tag

Jakobus 5,7

Bibelvers

Seid geduldig bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.

Jakobus 5,7

Jakobus formuliert seine Mahnungen und Kommentare zum Leben erfrischend direkt. Im fünften Kapitel seines Briefes nimmt er z. B. die selbstsicheren reichen Leute der Gemeinde aufs Korn und hält ihnen vor, was Gott von sozialer Gerechtigkeit hält – fast wie der alttestamentliche Prophet Amos. Und übrigens, so meint er, in den Tagen dieser letzten Zeit lohnt es sich wohl gar mehr, Schätze zu horten.

Aber gerade beim Stichwort „letzte Zeit“ wechselt Jakobus plötzlich das Thema und wendet sich denen in der Gemeinde zu, die allzu jenseitsverträumt und geradezu ungeduldig die Wiederkunft Jesu erwarten, dabei aber ihre täglichen Verpflichtungen und Bewährungsproben vernachlässigen: Sie klagen z. B. übereinander und vergessen in dem Augenblick, dass Gott auch über ihr eigenes Leben sein letztes Urteil spricht. Jakobus hält ihnen den Spiegel vor: Sie betonen die baldigen Wiederkunft Jesu, sitzen sozusagen auf den Koffern – aber beschäftigen sich mit sehr belanglosen Streitereien. So wartet man sicher nicht auf Jesus!

Und mitten in dieser Diskussion steht unser heutiges „Wort zum Tag“: „Seid geduldig bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.“

Sicher ist Ungeduld im Blick auf Jesu Wiederkunft für die meisten von uns nicht das zentrale Problem. Wir haben es uns hier doch recht gut eingerichtet, und 2000 Jahre lang ist nichts in der Hinsicht passiert. Wir sehen das vielleicht gelassener als die Zeitgenossen des Jakobus. Und doch: Ungeduld kennen wir nur zu gut. Alles muss möglichst schnell passieren, sofort und ohne Aufschub. Das gehört einfach in unsere Zeit: Geduld – aber bitte sofort!

Ganz besonders stark habe ich das bei unseren Kindern erlebt. Es fiel ihnen manchmal sehr schwer, die Zeit zwischen dem Geschenkwunsch für Weihnachten und dem Fest dann auch auszuhalten. Immer wieder fragten sie, ob wir die Geschenke denn schon eingekauft hätten, ob das gewünschte Teil überhaupt rechtzeitig lieferbar sei usw. Und dann versuchten sie, uns mit geschickten Fangfragen doch eine Information zu entlocken. Es war ein richtiges Spielchen.

Aber so sind wir eben. Jakobus mahnt im Blick auf die endzeitlichen Geschehnisse zu mehr Geduld. Denn da spulen sich ja nicht irgendwelche festgesetzten Zeiten ab – so wie kurz vor Weihnachten, wo man genau weiß, dass es am Heiligen Abend die Bescherung gibt. Bei der Wiederkunft Jesu hat Gott das entscheidende Wort mitzureden, und er hat seinen Zeitplan. Wir sind berufen, solche Leute wie der Bauer im Beispiel unseres Bibelwortes zu sein. Er weiß genau, dass er nicht gleichzeitig säen und ernten kann. Geduld und das Abwarten auf den richtigen Zeitpunkt gehören zu seinem Beruf. Und in der Zwischenzeit ist Gott am Werk und lässt es wachsen.

Jakobus will uns sagen: So ist das in allen Dingen des Glaubens. Man kann nicht gleichzeitig säen und ernten. Da ist vielleicht jemand zum lebendigen Glauben gekommen – und dann können wir nicht am nächsten Tag von ihm alles das erwarten, was erfahrene Christen oft auch nicht auf die Reihe bringen. Glaube hat es immer mit Wachstum zu tun. Und Gott hat erstaunliche Geduld mit uns. Er sieht uns vom Ende her – wie der Bauer, der sich auf die Ernte freut und weiß, dass es zwischendurch noch manchen Regen geben muss.

Jakobus will uns sagen: So ist das auch mit der Wiederkunft Jesu. Sie ist uns verheißen, aber nicht sofort und erst recht nicht, wenn wir es berechnet haben oder für sinnvoll halten. Und da hat er wohl auch diejenigen Christen im Visier, die ihre Endzeit-Theorien und Israel-Spekulationen aufgestellt haben – und schon immer behaupten, auf Gottes Weltenuhr sei es 5 vor 12. Jakobus sagt ihnen: Habt Geduld: keiner der alttestamentlichen Propheten hat alles das noch selbst miterlebt, was er im Namen Gottes angekündigt hatte – und denkt doch auch an Hiob, der Schweres durchlitten hat.

Ich spüre in diesen wenigen Zeilen des Jakobus einen starken Aufruf zur heiligen Gelassenheit. Keine Schlafmützigkeit, aber auch keine ungeistliche Hektik,  sondern ein ganz tiefes Vertrauen zu Gott, der Zeit und Stunde kennt, auch meine Zeit und Stunde, wenn er mich einmal rufen wird. Das ist seine Sache – und so soll es bleiben.
 

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