/ Wort zum Tag

Micha 6,3

Bibelvers

Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir?

Micha 6,3

Dieses Wort steht inmitten einer großen Anklage Gottes gegen sein Volk. Darin wird anhand vieler Beispiele aufgezählt, was Gott auszusetzen hat: Soziale Ungerechtigkeit durch betrügerische Machenschaften der Reichen und Herrschenden sowie Abkehr von Gott und seinen Geboten. Es gipfelt in der Klage in Kapitel 7: „Die frommen Leute sind weg in diesem Lande, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Ihre Hände sind geschäftig, Böses zu tun.“

Immer wieder kommt diese Klage Gottes im Alten Testament vor: Die Menschen in seinem Volk wenden sich von Gott ab und treten seine Gebote mit Füßen. „Sünde“ nennt die Bibel das. Man kann den hebräischen Ausdruck auch mit „Treuebruch“, mit „Kündigung“ übersetzen. Da wird ein Verhältnis aufgekündigt: der Freundschaftsbund zwischen Gott und seinem Volk. Oft wird dieser Freundschaftsbund in der Bibel sogar mit dem Ehebund verglichen: Gott steht da wie ein verlassener Ehepartner.

Und Gott fragt: „Wo habe ich euch Anlass gegeben, an meiner Liebe zu zweifeln? Nennt mir den Grund dafür, dass ihr mir nicht mehr vertraut und jetzt eigene Wege gehen wollt! Habt ihr vergessen, was ich euch an Gutem habe erleben lassen? Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sag mir!“

Ich staune oft darüber und bin betroffen, wie Menschen, die einmal zu Gott ein Vertrauensverhältnis hatten, sich von ihm abwenden oder zumindest auf Distanz gehen. Ich könnte ihnen aufzählen, was sie mit Gott einmal erlebt hatten, um sie zurück zu gewinnen, aber das ließe sie wohl kalt. Und ich frage: Was muss da passiert sein, dass man Gott den Rücken kehrt, obwohl man keine schlimmen Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen?

Hat man sich doch anstecken lassen durch das, was gerade so an Strömungen in der Gesellschaft vorherrscht?  Hat man Angst, sich lächerlich zu machen in einer Umwelt, in der nicht mehr nach Gott gefragt wird, sondern nach Leistung und sozialem Prestige, nach Geld und Besitz? Will man in dieser Spaßgesellschaft nicht mehr „außen vor“ sein? Fühlte man sich eingeschränkt in seiner Freiheit, als man die Gebote Gottes noch ernst nahm und deswegen nicht alles mitmachte, was gerade „in“ war? Hat man Angst gehabt, zu kurz zu kommen?

Ich denke, dass solch eine Entwicklung nicht von heute auf morgen einsetzt. Das ist oft ein langer Prozess. Vielleicht fängt er damit an, dass wir die Faszination von Jesus verlieren, von dem, was er für uns getan hat. Dass uns das in unserem Herzen nicht mehr berührt, nicht mehr bewegt. Und dass wir das Gute, das wir erleben, für selbstverständlich erachten und vergessen, wem wir das alles zu  verdanken haben und es irgendwann einmal uns selbst zuschreiben, unserem Einsatz, unserer Kreativität, unserer Intelligenz, unserer Energie. Keiner ist vor solch einer Entwicklung sicher.

Ich wünsche mir und Ihnen Menschen an die Seite, die uns darauf aufmerksam machen, wenn sich solche Gedanken, wenn sich solches Verhalten bei uns einschleichen sollten.
 

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren