/ Wort zum Tag

Jeremia 15,18

Bibelvers

Warum währt doch mein Leiden so lange und sind meine Wunden so schlimm, dass sie niemand heilen kann? Du bist mir geworden wie ein trügerischer Born, der nicht mehr quellen will.

Jeremia 15,18

Jeremia ist der Urtyp eines leidenden Gottesmannes. Er war von Gott beauftragt, gegen die Missstände im gottesdienstlichen und sozialen Leben anzupredigen. Die Gottesdienste waren voller Heuchelei, zusammen mit den Ungerechtigkeiten im Umgang miteinander schrien sie zum Himmel.

Die einzige sichtbare Wirkung der Reden Jeremias war, dass ihn seine Zeitgenossen aufs Übelste verfolgten. Seine damaligen Zuhörer waren immun gegen seine Ermahnungen und Gerichtsandrohungen. Dass die angedrohten Gerichte eintrafen, brachte sie nicht zur Einsicht. Jeremias Leben endete ohne jeden sichtbaren Erfolg.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht; ich jedenfalls kenne dieses Gefühl des „Warum dauert mein Leiden so lange?“ Auch ich geriet schon unter einen massiven äußeren Druck, der meinen gesamten bisherigen Lebensentwurf infrage stellte. In dieser Situation konnte ich kaum noch beten. Trotz allem war ich entschlossen, am Gebet festzuhalten. Während Wochen betete ich immer dasselbe, nämlich den Psalm 13. Darin heißt es unter anderem:

„HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich?“

Diese Worte tönen ähnlich wie die Klagen von Jeremia. „Wie lange?“ Dem Psalmbeter, David, und Jeremia ist etwas Entscheidendes gemeinsam, etwas, das ich als Lebensregel für mich selber einhalten und das ich Ihnen heute weitergeben möchte: Gott hat sehr viel Geduld mit uns, wenn wir beim Beten klagen. Nur etwas will Gott definitiv nicht, nämlich dass wir uns von ihm abwenden. Mit Gott streiten, ihm sagen, dass wir ihn nicht verstehen und nicht einverstanden sind mit dem, was uns im Leben widerfährt, das alles geht für ihn in Ordnung. Die Grenze ist erst überschritten, wenn wir uns von ihm trennen: das ist Sünde. Das Wort „Sünde“ kommt ja von „Absondern“. Es ist nicht verboten, unsere Vorwürfe vor Gott zu tragen; im Gegenteil: Gott will, dass wir ihn bewusst Anteil nehmen lassen an unserem Leben, ganz nach dem biblischen Motto: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Was unseren Gott wirklich traurig macht, ist, wenn wir ihm den Rücken kehren, wenn wir ihn entweder für inkompetent oder für tot erklären.

Darum wollen wir auch in der schwersten und unverständlichsten Lebenslage an der Beziehung zu Gott festhalten, selbst wenn diese Beziehung nur noch aus Warum-Fragen besteht. Und wir dürfen an der Hoffnung festhalten, dass unsere Anliegen bei Gott gut aufgehoben sind und er uns aus unseren Nöten herausführen kann.

Im bereits zitierten Psalm 13 heißt es gegen Schluss: „Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.“

Ich persönlich durfte das in der bereits erwähnten Notzeit erfahren. Und ich wünsche es Ihnen: Wo Sie auch stehen im Leben, halten Sie an Gott und der Beziehung zu ihm fest! Er gibt Ihnen die Kraft dazu. Er gibt Ihnen Geduld, wie er das bei Jeremia getan hat, Geduld, um wenn nötig auch Durststrecken auszuhalten.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren