/ Wort zum Tag

Psalm 66,16

Bibelvers

Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat.

Psalm 66,16

Ich sehe ihn im Tempel. Strahlend und singend. Sein Gesang ist lauter als das Blöken der Schafe, die er mitgebracht hat. Er will ein Opfer bringen. Ein Brandopfer. Das hat er Gott versprochen, als es ihm so richtig schlecht ging. „Kommt her!“ ruft er „Hört mir zu. Ich habe euch eine großartige Geschichte zu erzählen.“

Nun stelle ich mir den Tempelplatz zur Zeit des Alten Testaments so ähnlich vor wie den Platz vor der Westmauer, vor der Klagemauer heute. An manchen Tagen ist da richtig was los. Da wird wild durcheinander geredet, gebetet, gesungen. Und manch einer hat eine besondere Botschaft auf dem Herzen, die er hier unbedingt loswerden muss.

Alles ganz anders als bei uns. In unseren Kirchen werden Touristen zum Schweigen gemahnt. Still und andächtig hat es hier zuzugehen. Was ich ausgesprochen angenehm finde, wenn ich in einer der Bänke in einer Zwiesprache mit meinem Gott versunken bin.

Plätze für eine solche stille Zwiesprache mit Gott findet man im heutigen Israel nur selten. Man hat sie auch damals kaum gefunden. Glaube war und ist dort nie Privatsache.

Ich sehe ihn also dort stehen auf dem Tempelplatz. Und ich höre ihn singen und rufen: „Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat.“ Und dann erzählt er es. Allerdings verschweigt er die Einzelheiten. Zumindest haben sie keinen Niederschlag in dem Psalm gefunden, der sein Gebet enthält. Psalm 66 ist das. Und der Vers, den ich eben zitiert habe, ist der Vers 16. Die Losung für den heutigen Tag: „Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat.“

Gott angefleht hat er in einer komplizierten Notlage. Möglicherweise ist er schwer verleumdet worden. Aber während des Flehens hat er Gott schon gepriesen. Er wusste ja, dass ihm Unrecht geschah. Und er konnte darauf hoffen, dass Gott eingreifen würde. Der Psalm endet mit einem anderen eindrucksvollen Vers: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir nimmt.“

Wenn nun Sie heute einfach einmal die Erfahrungen der letzten Wochen und Monate Revue passieren lassen – wann und wo haben Sie Gottes Hilfe besonders handgreiflich erfahren? Wann und wo haben Sie in der Ausweglosigkeit plötzlich einen neuen Weg gesehen? Wann und wo haben Sie Gottes Freundlichkeit, seine Großzügigkeit besonders konkret erlebt? Haben Sie davon gesprochen? Haben Sie es anderen erzählt? Klar, es gibt Erfahrungen, die behält man besser für sich. Aber andere müssen unter die Leute, müssen zumindest in die Gemeinde. Damit andere neuen Mut gewinnen. Damit andere neue Hoffnung bekommen. Denn der Gott, dessen Hilfe Sie so hautnah erfahren haben, kann und will ja auch anderen helfen. Wenn wir einander erzählen, was wir mit Gott erlebt haben, dann bringt uns das miteinander ein ganzes Stück weiter auf dem Weg mit ihm und zu ihm. Natürlich sollten wir solche Erfahrungen demütig erzählen. Vielleicht auch ein bisschen keusch. Wir sollten aufpassen, wo sich frommes Gehabe und Angeberei in unsere Erzählungen mischen. Es geht ja nicht um uns. Es geht um den großen Gott. Um den großen und nahen Gott. Um den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Und wenn Sie es nicht erzählen mögen, dann schreiben Sie es auf. Schreiben Sie es auf eine Karte. Schreiben Sie es in einen Brief. Und schicken Sie diesen Brief an einen Menschen, der gerade verzagt ist. „Komm her, hör zu, ich will erzählen, was Gott an mir getan hat und ich will dafür beten, dass Gott an dir etwas Ähnliches tut.“
 

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