/ Wort zum Tag

Jesaja 64,7

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.

Jesaja 64,7

Ich erinnere mich noch gut an die Gelegenheiten, einem Töpfer über die Schulter schauen zu können. Ganz gleich, ob im Urlaub beim Besuch einer Töpferwerkstatt oder hier zu Hause in meinem Ort, während eines Handwerkermarktes, für mich ist es immer wieder neu faszinierend, einen Töpfer bei der Arbeit zu sehen. Der Ton auf der Drehscheibe formt sich unter seinen Händen mehr und mehr zum erkennbaren Gegenstand. Manchmal wird dann aber auch solch ein Krug oder ein Becher, scheinbar kurz vor der Fertigstellung, doch wieder zu einem unkenntlichen Klumpen. Der Töpfer beginnt nochmals von vorne und fertigt die Form zu einer anderen Gestalt.

Die Bibel spricht vom Menschen als Ton in Gottes Händen. Mir gefällt dieses Bild, zumindest zurzeit, da ich es gut in Übereinstimmung bringen kann mit dem, was ich erlebe. Momentan gehört zu meinen vordergründigen Aufgaben, dass ich Menschen, die akut, ja lebensbedrohlich erkrankt sind, im Krankenhaus oder zu Hause besuche. An diese Menschen muss ich denken im Zusammenhang mit dem Bild vom Ton und daran, wie ihr Leben plötzlich völlig verändert ist. Da ist zum Beispiel eine Frau, sie wird mit Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert, die Untersuchungen ergeben, dass sich im Kopf ein Tumor gebildet hat. Nun steht ihr eine Strahlenbehandlung bevor, die schon bald beginnen soll. Kann die Bestrahlung eine Heilung bewirken oder wird sie die Krankheit in ihrem Verlauf nur verzögern? Wie wird diese Behandlung verkraftet, welche Nebenwirkungen stellen sich ein? Das sind nur einige der vielen Fragen und Sorgen, die sich mit der Diagnose und der geplanten Therapie verbinden. Das Leben nimmt von heute auf morgen einen neuen Verlauf. Das Denken und Handel des Menschen wird ruckartig anders.

Oder da ist ein Mann, der nach einer Routineuntersuchung ganz schnell operiert werden muss. Ein Krebsgeschwür am Darm wird entfernt, eine Nachbehandlung ist nicht nötig, weder Bestrahlung noch Chemotherapie. Ein glücklicher Verlauf wie er nur sehr selten ist. Er gilt als geheilt. Doch noch bevor er aus dem Krankenhaus entlassen wird, stellen sich bei seiner Frau Schmerzen ein und auch sie kommt ins Krankenhaus. Was wird sich bei den Untersuchungen herausstellen? Welch ein Wechselbad der Gefühle, denke ich? Ein immer wieder neues Eintauchen in einschneidende Lebensveränderungen. Was mich aber vor allem erstaunt, diese Menschen so ruhig und gelassen zu erleben. Sie nehmen ihre Situation an, ohne dagegen aufzubegehren. Ich erlebe sie als Menschen, die Ja sagen zu ihrer Lebenssituation und die Veränderungen im Vertrauen auf Gott annehmen. So sehe ich in ihnen Menschen, die wie Ton in den Händen Gottes sind; sie akzeptieren, dass Gott ihrem Leben eine andere Gestalt gibt und ihre Zukunft neu formt.


Kommentare

Von maite am .

was annette schreibt, finde ich ein gutes und sehr berechtigtes kontrastprogramm im sinne einer vervollständigung zu dem heutigen wort zum tag. ich erlebe auch den doppelten charakter von krankheiten und schwierigkeiten. a) prüfung im sinne von hiob b) eine chance, dass das übernatürliche sichtbar wird im sinne einer änderung zum guten.

Von Annette am .

Die Evangelien sind voll von Menschen, die sich nicht mit der Situation abgefunden haben, sondern zu Jesus geschrien haben, sich angeschlichen haben, Dächer abgedeckt haben, etc. Mit der Hoffnung im Herzen, dass Jesus sie gesund machen kann. Haben wir unsere Probleme nicht zu sehr "angenommen"? Haben wir uns mit Krankheit abgefunden und erleben wir deshalb wenig Wunder? Für mich bedeutet der Lehrtext mehr, dass Gott die Möglichkeite hat, mich und damit die Situation und meine Umwelt von heute auf morgen zum Guten hin zu verbessern. Sind wir bereit, uns so verändern zu lassen?


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