/ Wort zum Tag

Matthäus 5,6

Bibelvers

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Matthäus 5,6

Vor gut zwei Monaten ist der Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland zurückgetreten. Die Meinungen darüber waren innerhalb der Bevölkerung gespalten. Die einen sagten: Das war längst überfällig und darum nur folgerichtig. Aufgrund seines Fehlverhaltens in der Vergangenheit kann er sein Amt als Minister nicht mehr ausüben. Die anderen sagten dagegen: So gravierend waren seine Fehler nicht. Schließlich machen doch fast alle Menschen Fehler, deshalb kann er trotzdem seine Aufgaben in der Regierung weiterführen. Die Meinungen gingen also weit auseinander. Rücktritt oder nicht? Was ist richtig? Was ist in dem Fall gerecht? Gibt es noch ein allgemein verbreitetes Gerechtigkeitsempfinden? Mir fällt es schwer, diese Frage zu beantworten.

Das war früher meines Erachtens noch anders. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr gut an meine Schulzeit. Damals hatten wir Schüler unsere sämtlichen Lehrer in gerechte und parteiische eingeteilt. Und auch vor einiger Zeit noch, im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise, da war ein Gerechtigkeitsempfinden noch allgemeiner verbreitet. Die sogenannten Bonuszahlungen, die Manager erhielten, auch wenn sie gescheitert waren und abgelöst wurden, empfand die Mehrheit der Bevölkerung als ungerecht. Aber wenn ich nun heute die Diskussionen über das Verhalten des ehemaligen Verteidigungsministers bedenke, dann komme ich zu keinem eindeutigen Ergebnis, wie es um ein natürliches Gerechtigkeitsempfinden bestellt ist. In diese Überlegungen hinein trifft mich nun das, was Jesus zum Thema Gerechtigkeit sagt. Er beglückwünscht den Menschen, der nach der Gerechtigkeit hungert und dürstet. Er verspricht, dass der Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit gestillt wird. Ich merke, was Jesus sagt, hat eine andere Qualität als das, was durch das beschriebene Beispiel angesprochen ist. Jesus geht es nicht um ein allgemein verbreitetes Gerechtigkeitsempfinden. Er spricht nicht von einer Gerechtigkeit, sondern von der Gerechtigkeit und meint damit die Gerechtigkeit Gottes. Martin Luther wählte dafür in  Römer 1,17 die berühmt gewordene Formulierung: „Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ Es ist die Gerechtigkeit, die dem Menschen durch Gottes Gnade geschenkt wird. Frei von Schuld und gerecht vor Gott werden – das vollzieht sich da, wo der Mensch sich an Jesus Christus hält und auf ihn beruft. Das ist die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben folgt und nicht durch Leistung erworben wird. Am eindrücklichsten tritt diese Wahrheit in der reformatorischen Kernstelle Römer 3,28 zutage, wo wir lesen, „dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“

Wer um diese Gerechtigkeit weiß und nach ihr verlangt, wie man nach täglicher Nahrung hungert und dürstet, der wird nicht enttäuscht. Jesus gibt die feste Zusage, dass die Sehnsucht nach Gerechtigkeit erfüllt wird. Darum ist ein jeder, der sich nach der Gerechtigkeit Gottes ausstreckt, glücklich zu nennen.


 

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