/ Wort zum Tag

Psalm 62,9

Bibelvers

Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

Psalm 62,9

Wir sollen unser Herz vor Gott ausschütten. Das, was unser Herz belastet, sollen wir wegschütten. Gott hat anscheinend einen großen Tank, der all das Geschütt von uns Menschen aufnehmen kann.

Wenn ich nach der Winterpause unsere Balkonmöbel reinige, dann nehme ich einen Putzkübel samt Lappen mit auf den Balkon. Beim Putzen färbt sich der Lappen schwarz, das Wasser nimmt eine eigenartig bräunliche Farbe an. Nach der Arbeit kommt der Lappen in den Wäschekorb, und das Schmutzwasser verschwindet durch das Abflussrohr in der Kanalisation. Es ist weg, aus den Augen, aus dem Sinn.

Ganz so einfach ist es mit dem Ausschütten der Sorgen vor Gott natürlich nicht. Nach dem Beten, nach dem Ausbreiten unserer Nöte vor Gott, verschwinden sie nicht so einfach wie das Schmutzwasser.

Dennoch dünkt mich das Bild mit dem Wegschütten hilfreich. Auch wenn wir im Gebet Erleichterung erfahren haben, holen uns die Sorgen in der Regel bald wieder ein. Dann ist es wichtig, dass wir daran festhalten: Ich habe sie vor Gott gebracht. Mein Schmutzwasser ist jetzt im Tank Gottes, es ist letztlich nicht mehr bei mir.

Ein wunderbares Beispiel für jemanden, der sein Herz vor Gott ausgeschüttet hat, ist Hanna aus dem ersten Buch Samuel. Sie litt unter ihrer Kinderlosigkeit. „Sie war von Herzen betrübt und betete zum HERRN und weinte sehr. Sie redete in ihrem Herzen, nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme aber hörte man nicht.“ Als Eli, der diensthabende Priester, meinte, sie sei betrunken und sie zurechtwies, berichtigte ihn Hanna: „Nein, mein Herr! Ich bin eine betrübte Frau; Wein und starkes Getränk hab ich nicht getrunken, sondern ich habe mein Herz vor dem HERRN ausgeschüttet. … Ich habe aus meinem großen Kummer und Herzeleid so lange geredet.“ Gott erhört Hannas Bitte; sie bringt ein Kind zur Welt – Samuel, was „von Gott erbeten“ bedeutet.

Wer betet, darf – Gott sei Dank! – solche Erhörungen erleben. Aber es läuft nicht immer so glatt wie bei Hanna. Was tun wir, wenn wir unser Herz vor Gott ausgeschüttet haben – und zwar immer wieder – und doch nichts passiert? Darauf gibt es keine allgemeinen Antworten.

Wie hat Hiob in all seinem Leiden vor Gott sein Herz ausgeschüttet? Ich staune immer wieder, wenn ich lese, welche Vorwürfe Hiob an Gott gerichtet hat! „Du wandelst dich mir zum grausamen Feind!“, schleudert er Gott entgegen. Und was tut Gott? Bricht er das Gespräch mit dem Unverschämten ab? Mitnichten! Er spricht mächtig zu ihm. Hiob erlebt einen regelrechten Durchbruch. Er begegnet Gott persönlich. „Nun aber hat mein Auge dich gesehen“, sagt Hiob nach diesen Erfahrungen zu Gott. Hiob hat sich zu einer Lösung all seiner Fragen durchgerungen, Gott hat ihm eine Lösung geschenkt.

Eine allgemeine Antwort gibt es wie gesagt nicht. Im Ausschütten unseres Herzens, in unserm Ringen stehen wir ganz persönlich vor Gott. Es ist nicht schlimm, wenn wir mit Gott ringen, und ihm dabei sogar Vorwürfe machen, schlimm wäre es, wenn wir uns von ihm abwenden würden.

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