/ Wort zum Tag

Römer 14,8

Bibelvers

Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Römer 14,8

Wir können unser Leben ohne unseren Herrn, Jesus Christus, nicht mehr denken, sagt der Apostel Paulus mit diesem markanten Satz. Was kann es außerhalb dieser beiden Begriffe „Leben“ und „Sterben“ noch geben? Alles, was mit uns und durch uns und um uns geschieht, geschieht in der Verbundenheit mit dem Herrn. Die gute Nachricht des Neuen Testamentes lautet: Jesus ist für uns gestorben. Das heißt, wer das für sich in Anspruch nimmt, dessen altes Leben ist mit Jesus gestorben und er hat durch ihn ein neues, ewiges Leben empfangen. Und dieses neue Leben ist von der Gemeinschaft mit Christus nicht zu trennen.

Ich empfinde es als einen großen Vorteil, zu wissen, auch in Situationen, in denen mir kein Mensch mehr helfen kann, stehe ich nicht allein. Ich kann mit der Liebe und Kraft meines Herrn rechnen. Wo ich eigene Grenzen spüre, kann ich auf seine Möglichkeiten schauen. Ich kann mich mit Christus zusammen sehen. Auch wenn ich einst mein Leben vor Gott verantworten muss, steht Christus mir bei und tritt für mich ein. Auf diesen Halt im Leben möchte ich nicht mehr verzichten.
 
Aber Paulus schrieb diesen Satz, „ob wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn“, in einem konkreten Zusammenhang. Es gab in der römischen Gemeinde Meinungsverschiedenheiten, einen Konflikt, bei dem sich eine Gruppe über die andere stellte. Sie wollte durchsetzen, dass nur die eigene Sicht richtig ist und gelten kann. Paulus vertritt demgegenüber, dass Christen in bestimmten Fragen verschiedene Auffassungen haben können,
ohne dabei ihren Glauben zu verleugnen. Aber dadurch, dass man nur die eigene Meinung gelten lassen will, entstehen bis heute gerade auch in christlichen Gemeinden immer wieder Konflikte und Auseinandersetzungen.

Damals in Rom ging es um die strittige Frage, ob man das Fleisch kaufen und verzehren dürfte, das vorher schon zum Opfer der Götter geweiht wurde. Einige hatten Angst, sich damit zu verunreinigen. Andere hatten die Freiheit dieses Fleisch zu essen, da ja die Götzen ohnehin nichts sind und wirkungslos waren. Es gibt nur den einen, wahren Gott, der die Welt geschaffen hat und erhält.

Diese spezielle Frage ist vielleicht heute kein Thema mehr. Dafür gibt es aber andere Themen in den Gemeinden, die zum Streitpunkt werden können: etwa, welche Art von Musik christlich und für den Gottesdienst angemessen ist; oder in welchen Rahmen Frauen in der Gemeinde mitarbeiten dürfen. Es gibt eine Reihe von Fragen, bei denen man von dem Wort Gottes her in der Tat unterschiedlicher Auffassung sein kann. Leicht kommt es dabei zu gegenseitigem Misstrauen und zu Verurteilungen bis dahin, dass einer dem anderen die Bibeltreue und den Glauben abspricht. Jeder ist von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugt. Das ist für Paulus auch in Ordnung, wenn der Glaubende seine Überzeugung in der Verantwortung vor seinem Herrn lebt.  Problematisch wird es erst, wenn einer denkt, alle müssten ebenfalls seiner Meinung sein, und wenn er die Andersdenkenden verurteilt oder verachtet. Denn die eigene Auffassung ist nicht unbedingt maßgeblich und die einzig Richtige. Keiner ist Herr über den Glauben eines anderen, sagt Paulus. Er steht und fällt mit seinem Herrn allein. Ihm gegenüber ist jeder verantwortlich mit seinem Denken und Handeln. Und diese Beziehung des einzelnen zu seinem Herrn gilt es auch im Umgang miteinander zu berücksichtigen. Wenn man einander
mit unterschiedlichen Auffassungen stehen lassen kann, werden Gemeindekonflikte entschärft. Sie verlieren dann ihre zerstörerische Wirkung. Und es wird möglich, auch mit verschiedenen Auffassungen in einer Gemeinde fröhlich miteinander zu leben. Doch das ist noch nicht alles: Wir sind zwar nicht voreinander verantwortlich.

Aber wir sind füreinander verantwortlich. Weil der andere dem Herrn gehört, darf ich seinen Glauben nicht
gefährden. Ich soll rücksichtsvoll mit ihm umgehen, und ihn nicht durch mein Verhalten irritieren oder gar zu Fall bringen. Stattdessen soll ich alles tun, was ihn im Glauben stärkt und fördert. Jesus zu gehören ist ein Vorteil und nimmt mich in die Verantwortung. Beides möchte ich im Blick behalten zur eigenen Festigkeit und für den Zusammenhalt der Gemeinschaft, in der ich lebe.

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