/ Wort zum Tag

Jeremia 31,25

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Ich will die Müden erquicken und die Verschmachteten sättigen.

Jeremia 31,25

Woher hat Jeremia diese Wahrheit? In der Tageslosung folgt ein Schlüssel dazu. Nach der Zürcher Übersetzung heißt es: „Darüber erwachte ich und sah auf und mein Schlaf war mir süß gewesen.“ Was ist dem Propheten im Schlaf widerfahren? Müde und erschöpft von der Last des Tages war Jeremia am Abend auf sein Lager gesunken. Ausgeschlafen und erholt erwacht er am Morgen. War das schon alles? Nein, ein wunderbarer Traum hat seinen Schlaf versüßt. Damals lag Jerusalem in Trümmern, der Tempel war geschleift worden, große Teile der Bevölkerung verschleppt. Das Land war verwüstet und verwahrlost, die Ölbäume abgehackt und die Weinstöcke herausgerissen. Müde und resigniert verbrachten die Menschen ihre Tage.

Doch dann dieser Traum! Die gleiche Landschaft, das gleiche Jerusalem, der gleiche Zion, aber alles in ein zauberhaftes Licht getaucht. Jeremia sah mehr als das Licht der Sonne. Hier brachte Gott selbst alles zum Glänzen. Er sah: Der Tempel war kein Trümmerhaufen mehr, sondern prächtig und goldglänzend herrschte er über der heiligen Stadt. Die Stadtmauern waren wieder geschlossen, die Tore eingesetzt, die Häuser und Paläste aufgebaut. Und im Land ringsum sah er Ackerleute, die ihre Furchen ruhig und geruhsam zogen. Er sah Hirten mit wohlgenährten Herden hinausziehen. Ganz Juda war ein sichtbarer Segen des Herrn!

Schlagartig begriff Jeremia: Nicht endlos wird unser Elend dauern. Nicht für immer wird uns Gott fallen lassen. Nicht auf Dauer werden wir zwischen Trümmern leben müssen. Nein, er selbst wird es wenden. Das hebräische Wort für Wende ist wohl eines der wichtigsten und häufigsten im ganzen Alten Testament. Doppelt ist die Wende zu verstehen: Dass sich der Mensch wieder seinem Gott zuwenden möge. Aber dann doch das andere: Dass sich Gott seinen Menschen wieder zuwendet. Wo das geschieht, da ist Fülle, Glanz und Segen. Damit sind wir inmitten unserer Losung. Denn wie erleben Menschen diese Wende? Sie erleben sie, wenn der Durst der Seele gestillt und wenn der Hunger des Lebens gesättigt wird. Durst und Hunger gehören zu den stärksten Trieben des Menschen. Allerdings erleben wir Menschen in den Wohlstandsgesellschaften die Kraft dieser beiden Triebe kaum, weil wir immer genug zu trinken und zu essen haben. Die noch den Krieg erlebten, wissen eher, was Hunger heißt. Und die sich in der Wüste verirrten, werden die Kräfte des Durstes erlitten haben.

Im Neuen Testament wendet sich Gott uns Menschen zu. Seine Wende trägt einen Namen: Jesus Christus. Im Johannesevangelium wird erzählt: Jesus begegnete der Samariterin am Brunnen. In der Hitze des Tages will sie Wasser holen und trifft auf Jesus. Der öffnet ihr die Augen für den tieferen Durst ihrer Seele, den Durst nach Liebe, den sie mit Männern nicht hat stillen können. Er selbst jedoch will ihren Durst stillen: „Ich bin’s, der mit dir redet!“ sagt er zu ihr am Ende des Gesprächs. Als das Volk später Jesus in Scharen nachläuft, sieht er sich genötigt, nicht nur ihren Hunger auf Worte und Wunder, sondern auch ihren Hunger auf Brot zu stillen. Fünftausend werden unter seinen Händen satt. Doch wichtiger ist, dass er sich ihnen als derjenige offenbart, der den Hunger der Seele stillen kann: „Ich bin das Brot des Lebens.“
Davon wusste Jeremia noch nichts. Doch Jahrhunderte vorher wird er sich durch seinen nächtlichen Traum gewiss. Gott wird das Schicksal von Menschen wenden. Also auch mein Durst, mein Hunger nach Leben sollen nicht ins Leere laufen. Er will mein Leben mit sich und seinen Gaben füllen. Darauf will ich heute vertrauen.
 


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