/ Wort zum Tag

Psalm 38,5

Bibelvers

Meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.

Psalm 38,5

Wörtlich übersetzt kann die erste Vershälfte der Losung auch heißen: Meine Sünden bringen mein Haupt zum Überlaufen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der laufende Wasserhahn, der die Badewanne zum Überlaufen bringt. Der unachtsam Einschenkende, der die Kaffeetasse zum Überlaufen bringt. Wie kommt es dazu, dass etwas über mein Haupt geht; mein Haupt – und das heißt doch mein Verstehen – übersteigt?

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Aus dem achten Psalm ist diese Würdigung des Menschen genommen (Ps 8,4-6): „Was ist der Mensch, das du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, das du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“
Durch seinen aufrechten Gang trägt der Mensch den Kopf oben. Durch seinen Verstand steht der Mensch über allen Geschöpfen. Das Denken krönt ihn. Sein Geist rückt ihn in die Nähe Gottes. Deswegen – weil der Verstand im Kopf sitzt, der den Menschen krönt, krönt man auch die Häupter derer, die in besonderer Weise Haupt eines Volkes werden.

Meine Beziehung zu Gott macht mich zur Krönung der Schöpfung. Gründlich haben wir mit unserem Denken unsere Welt verändert. Doch führt genau diese Einsicht zur größten Gefährdung des Menschen. Denn von der Einsicht, dass mein Denken die Haupt-Sache im Leben ist, ist nur ein kleiner Schritt zu der verwegenen Selbstverfehlung: „Ich bin der Größte! Ich bin das Maß aller Dinge! Nichts gibt es über mir!“

In diesem Augenblick übersteigt der Mensch sein eigenes Haupt, seinen Geist, sein Denken so sehr, dass seine Sünden seine Fassungskraft zum Überlaufen bringen. Z.B. gibt es Menschen, die können nicht genug Ruhm ernten und kommen darüber zu Fall. Andere – wie in Nordafrika zu sehen – übersteigen sich in ihrem Machtanspruch und fallen tief. Aber auch in meinem persönlichen Leben kommt es oft genug zur Selbstüberschätzung und Selbstüberhebung. Wenn dann die Verfehlung in die Irre führt und im Scheitern offenbar wird, dann kann ich es nicht mehr fassen. Wie konnte ich das nur tun?

Da greift der Psalmbeter zu einem zweiten Bild: Wie eine überschwere Last sind mir meine Sünden zu schwer geworden: Sie sind unerträglich geworden. Nicht jeder ist so schön, so stark, so attraktiv, wie er gern wäre. Nicht jeder so gesund, so intakt. Mancher, manche muss eine Schwäche, eine Behinderung ertragen.

Was aber ganz und gar unerträglich ist, ist die eigene Schuld, die sich in Sätzen wie diesen zeigt: Ich bin doch gut. Ich meine es doch gut mit mir. Ich will mir Gutes gönnen. Und dann überschreite ich im Griff nach dem Guten meine Grenzen und scheitere. Ich selbst muss nun die Suppe auslöffeln, die ich mir eingebrockt habe. Das ist das Unerträgliche. Ich bin nicht ein unschuldiges Opfer. Dieses Unglück, dieses Scheitern, diesen Irrweg habe ich selbst so gewollt. Ich habe meine Freiheit ergriffen und bin in das Gegenteil dessen geraten, was ich erstrebt habe.

Wenn meine Sündenschuld unerträglich wird, was dann? Der Psalmbeter weiß nur noch einen Weg – den Weg zu Gott. Und der findet seine Krönung in Gottes Weg zu uns, in Jesus: In seiner Liebe am Kreuz können wir das Unerträgliche ertragen.
 

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