/ Wort zum Tag

Hesekiel 36,36

Bibelvers

Die Heiden, die um euch her übrig geblieben sind, sollen erfahren, dass ich der HERR bin, der da baut, was niedergerissen ist, und pflanzt, was verheert war.

Hesekiel 36,36

Die Sommerferien sind zu Ende. Es ist der zweite Schultag und ich bin auf dem Weg zur Klasse. Heute werden sie zum ersten Mal bei mir Unterricht haben – im Fach Religion. Bevor ich das Klassenzimmer erreicht habe, kommt mir ein Pulk von Schülern entgegen. Vier Jungen aus der sechsten Klasse haben einen Mitschüler an den Armen gepackt und schleifen bzw. schieben ihn in meine Richtung. „Herr Barth, das ist ein Heide!“ – „Was ist das?“, frage ich etwas irritiert zurück. Die Erklärung wird prompt geliefert: „Das ist ein Heide. Der nimmt nämlich nicht am Religionsunterricht teil.“ Der Junge, den sie da zu mir schleppten, hat nicht am Religionsunterricht teilgenommen, weil er keiner Kirche angehörte. Ich habe diese kleine Begebenheit zum Anlass genommen, um mit der Klasse darüber zu reden, was denn ein „Heide“ ist.
 
Für manchen ist das Wort „Heide“ ein Schimpfwort. Damit wurden in der Vergangenheit Menschen auch schon mal abqualifiziert. Mit diesem Wort wurden Menschen in eine ganz bestimmte Schublade gesteckt. Sie wurden als minderwertig und schlecht angesehen. Mit solchen Menschen wollte man nichts zu tun haben. Von denen hat man sich bewusst abgegrenzt. Oder aber sie wurden als „Missions-Objekte“ angesehen, die man zum richtigen Glauben bekehren musste. Als „Heiden“ wurden Menschen bezeichnet, die ungläubig sind. Und unter „Heiden“ verstehen auch wir heute normalerweise oft Menschen, die keine Christen sind – also „Nichtchristen“. Dabei meint das Wort „Heide“ in der Bibel zunächst einmal Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören. Israel ist das Volk Gottes, mit dem er einen Bund geschlossen hat. Und im Gegensatz dazu werden alle anderen Völker als „Heiden“ bezeichnet und jeder, der zu einem anderen Volk gehört, ist demnach ein „Heide“. Aber die Übersetzung „Heide“ kann missverständlich sein. So auch im heutigen Bibelwort aus Hesekiel 36. Eigentlich heißt es dort: „Die Völker, die um euch her übrig geblieben sind, sollen erfahren, dass ich der HERR bin, der da baut, was niedergerissen ist, und pflanzt, was verheert war.“

Das Land wurde von den Babyloniern erobert. Jerusalem, die uneinnehmbare Stadt war gefallen. Der Tempel in Jerusalem war geschändet und schließlich zerstört worden. Der jüdische König und die Oberschicht des Landes waren im Exil. Sie waren nach Babylon verschleppt worden. Alles war zerschlagen, was für Israel über Jahrhunderte eine Garantie der Sicherheit war. Man hatte alle Warnungen der Propheten in den Wind geschlagen und den eigenen politischen Bündnissen mehr vertraut, als dem lebendigen Gott.

Aber es war ja nicht nur eine vernichtende Niederlage für das jüdische Volk. Auch der Glaube an den Gott Israels stand auf dem Prüfstand. Gott selbst schien ohnmächtig zu sein. Hatte Israels Gott versagt? Konnte er das Unheil nicht abwehren? Waren die Götter der Babylonier doch mächtiger? – So hat man es damals jedenfalls verstanden. Doch Gott gibt seinem Volk ein Versprechen. Nicht nur sie, sondern auch die Völker rings
umher sollen es erfahren: Gott baut, was niedergerissen ist. Gott pflanzt, was verheert, was niedergetrampelt und verödet ist. Gott schafft etwas Neues.

Gottes Versprechen und Zusagen stehen oft gegen allen äußeren Schein. Und: Gottes Versprechen und Zusagen fordern unser Vertrauen heraus. 
 

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