/ Wort zum Tag

Kolosser 1,13-14

Bibelvers

Der Vater hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden.

Kolosser 1,13-14

Beim Lesen dieser Verse stolpere ich über das Wort „versetzt“. Gott hat uns „versetzt“. Als Beamter weiß ich, was eine Versetzung bedeutet. Die Regierung kann die Versetzung eines Beamten von einer Position in eine andere verfügen. Sie braucht dazu weder die Zustimmung noch die Mitwirkung des Betroffenen. Mit der Versetzung erlöschen alle Pflichten und Befugnisse des Beamten in seiner alten Stellung; er erhält neue Pflichten und Befugnisse in einer anderen Stellung. Bei der Versetzung kann der Beamte einen neuen Dienstherrn erhalten, dessen Weisungen er von jetzt an untersteht, während der alte Dienstherr keine Weisungen mehr erteilen kann.

Das Beispiel des Beamtenrechts zeigt uns, wie der Apostel Paulus die Botschaft des Evangeliums versteht: Gott der Herr versetzt Menschen von der Macht der Finsternis in das Reich Christi. Damit sagt Paulus zuerst einmal etwas Grundlegendes über die Welt und alle Menschen: Die Welt besteht aus der Macht – man könnte sagen: dem Regierungsbezirk – der Finsternis und dem Reich Christi, in dem Gottes Sohn herrscht. Es gibt keine absoluten Freiräume, in denen der Mensch sich selbst regiert. Wir leben entweder im Regierungsbezirk der Finsternis und von Stolz, Neid und Habsucht getrieben, oder im Reich Jesu und damit fähig, Gott und unsere Mitmenschen zu lieben.

Aber weder die eine noch die andere Macht ist größer als die Macht Gottes. Selbst die Macht der Finsternis untersteht Gottes Herrschaft. Sie kann niemals größer werden, als Gott der Herr es zulässt, und kein Mensch bleibt ihr länger unterworfen, als Gott es bestimmt. Auch wenn es manchmal so scheint, brauchen wir doch keine Angst zu haben, dass die Finsternis eines Tages die ganze Welt regieren würde.

Als Herr über beide kann Gott einen Menschen aus dem Regierungsbezirk des Bösen in das Reich seines Sohnes versetzen. Wenn das geschieht, verliert die Finsternis alle Macht und Befugnisse an diesem Menschen – er ist gewissermaßen für seine alte Regierung gestorben. Er erhält mit Christus einen neuen Dienstherrn, der sein Leben von nun an bestimmt. In seiner neuen Lebensstellung erhält er neue Rechte, die Paulus im vorangehenden Vers als Anteil an dem Erbe der Heiligen beschreibt, d. h. als Miteigentum am Reich Christi. Mit der Versetzung ist also eine Beförderung verbunden, denn was könnte es Schöneres geben, als ein Leben in der Herrlichkeit Gottes. In seiner neuen Stellung erhält der Mensch aber auch neue Pflichten. Von nun soll er als Kind Gottes leben. Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld sollen sein Leben sichtbar bestimmen. In Jesu Reich ist das möglich, weil sein Gesetz der Liebe das zulässt; der Mensch, den Gott dorthin versetzt hat, muss es aber auch praktisch tun.

Wenn Gott einen Menschen in das Reich Christi versetzt, ist das allein Gottes Entscheidung. Der Mensch selbst tut nichts dazu, er muss nicht einmal zustimmen. So auf den Punkt gebracht, gefällt uns das meistens nicht, denn es verletzt unsere Eitelkeit. Wir denken doch lieber, dass wir uns die neue Stellung in seinem Reich mit eigener Leistung und Klugheit verdient haben. Aber wenn wir nüchtern zurückblicken auf unser Leben in der Macht der Finsternis, dann müssen wir zugeben, dass wir uns die Versetzung nicht einmal gewünscht haben, weil wir uns dort gar nicht vorstellen konnten, anders zu leben als nach den Regeln von Stolz, Neid und Habsucht. So gesehen ist es doch gut, dass Gott handelt, ohne auf unser Verdienst zu schauen, aus reiner Gnade und Liebe. Darum gehören ihm auch die Ehre und unser dankbares Lob jedes Mal, wenn er einen Menschen in das Reich seines Sohnes versetzt.
 

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