/ Wort zum Tag

Psalm 19,12

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen.

Psalm 19,12

„So ein großes Geschenk hab ich gar nicht verdient.“ Peer war noch mal davon gekommen. Er seufzte tief und gab sich einen Ruck: Mund abwischen, den überschaubaren finanziellen Verlust abhaken, die gemachten Erfahrungen als moralischen Gewinn verbuchen und zukünftig etwas vorausschauender agieren. - Das war sein Resumee, die Zusammenfassung der letzten bewegten Stunden und Tage.

Tatsächlich, erst vor fünf Tagen hatte es angefangen: In der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit ist ihm eine Werbung aufgefallen: Acht Prozent Zins für zur Verfügung gestelltes Kapital hat  eine Aktiengesellschaft aus der Ökobranche versprochen. Ein gutes Gefühl würde einem die Unterstützung der grünen Technik bringen und satte Rendite gäbe es eben auch noch dafür. Das hat ihn interessiert. So schnell wie möglich wollte er nach Hintergrundinformationen über die sogenannten Genussrechte Ausschau halten! Peer hat sich also eine Notiz gemacht.

Den ganzen Arbeitstag über ist er nicht dazu gekommen, weiter an dieses Angebot zu denken. Aber als er am frühen Abend zu Hause an seinem Rechner nachgeforscht hat, wurde er gleich fündig. Er hat bei seiner Suche allerdings auch festgestellt, dass die in der Bahn beworbene Geldanlage versteckte Risiken in sich trägt. Verbraucherschützer haben zur Vorsicht gemahnt, sogar die Staatsanwaltschaft sollte schon ein Auge auf den Anbieter der Kapitalbeteiligung geworfen haben. Peer fand darüber hinaus bei seinen Streifzügen durchs Netz weitere, noch verlockendere Offerten. Diese haben fast unanständig hohe Gewinne für aufgeschlossene Anleger versprochen.

Aufgeladen durch eine Menge von widerstreitenden Eindrücken saß Peer später am Abend mit sechs weiteren Personen im Hauskreis. Sie haben über den Stellenwert der biblischen Gebote im eigenen Leben gesprochen. Peer schwankte mit seiner eigenen Festlegung, als sich zwei gegensätzliche Haltungen unter den Teilnehmern des Abends herauskristallisiert haben: Die einen meinten, Gottes Wille sei es, dass seine Kinder den größtmöglichen Erfolg in ihrem Leben anstreben, auch im Beruf, auch beim Geldverdienen. Wer tüchtig arbeitet, gibt vor der Welt ein gutes Bild ab für seinen Gott. Wer viel erwirbt, kann davon auch viel für Gottes Sache einsetzen.

Andere haben dagegen strikte Zurückhaltung betont. Kinder Gottes können keinesfalls auf Kosten Dritter vorankommen. Dieser Maßstab gilt, sagten sie, auch wenn andere vielleicht nur indirekt in Mitleidenschaft gezogen werden.

Als Beispiel für indirekten Schaden hat jemand das allgemeine Bestreben angeführt, immer billiger einzukaufen. „Dadurch kommen die Hersteller unsrer Waren unter einen ganz verrückten Druck. Der veranlasst sie dann, ihren Mitarbeitern ständig mehr zuzumuten sowie den Lieferanten laufend größeres Entgegenkommen abzuverlangen. Schlechtere Arbeitsbedingungen und erhöhte Umweltbelastungen sind eine naheliegende Folge der Billig-Mentalität. Ich will als Christ“, betonte einer ausdrücklich, „meine Beziehung zum gnädigen Gott nicht aufs Spiel setzen, indem ich zum Beispiel andere auf Umwegen ausquetsche.“ Er hatte auch ein Bibelzitat von Psalm 19 parat: „Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen.“

Hätte ich diese Warnung Anfang der Woche nur auch richtig verstanden, dachte Peer, nachdem er sein gewagtes Engagement gerade noch einmal hatte zurück abwickeln können. - Mir wären einige Aufregungen erspart geblieben. - Stattdessen hatte er der Versuchung nachgegeben und in ein vermeintlich glänzendes Geschäft investiert. Das entpuppte sich nur wenige Stunden später als dubiose Spekulation von Dunkelmännern. Peer bedankte sich für das Geschenk, mit einem blauen Auge aber heiler Haut aus der Falle heraus gekommen zu sein.


Kommentare

Von Alfred Mignon am .

@Hans-Jörg Blomeyer: Immerhin kommen die Begriffe "Gott", "Christ", "Kind" und "Geschenk" in der Betrachtung vor. Das ist mehr Gehalt, als in den meisten "Heiligen Abend"-Feiern hierzulande zu finden ist.

Von Hans-Jörg Blomeyer am .

Schade, dass jeder klare Bezug zum 24. 12., dem Heiligen Abend, fehlt

Von Ulrich Zahn am .

Voll aus dem (auch christlichen) Leben gegriffen. Das Streben nach Reichtum
macht immer blind für Andere(s).
Und das geht - wie hier - ganz schnell.


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