/ Wort zum Tag

Sprüche 30,8

Bibelvers

Armut und Reichtum gib mir nicht; lass mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast.

Sprüche 30,8

Eine absonderliche und ungewöhnliche Bitte, finde ich. Von Armut verschont zu bleiben ist auch in unserem Land für immer mehr Menschen eine realistische und verständliche Bitte. Aber wer bittet schon darum nicht reich zu werden? Was würden sie sich wünschen, wenn sie drei Wünsche frei hätten? Neben Gesundheit wäre doch bestimmt ein Lottogewinn dabei oder eine großzügige Erbschaft. Wer wünscht sich das eigentlich nicht? Geld mag ja nicht glücklich machen, aber es beruhigt. Und wenn es geht, möchte niemand auf diese Beruhigung verzichten. Der, der diese Weisheit in den Sprüchen formuliert hat, macht da offenbar eine Ausnahme. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen: Worin besteht seine Weisheit, die er anderen weitergeben möchte? Was verspricht er sich von seiner Bitte? Was soll so eine Bitte heute in unserer Zeit?

Da er nicht um Armut bittet, geht es offenbar nicht um einen Asketen, einen Aussteiger, einen, der meint, durch Armut Gott besonders zu gefallen. Arm möchte er nicht sein. Er bittet um das, was er zum Leben braucht. Er bittet den darum, dem er das Leben verdankt und dem er es getrost anvertraut. Gott traut er zu, seinen Bedarf zu kennen und ihm das zu geben, was er für sein Leben benötigt. Offenbar hat er mit seinem Vertrauen zu Gott gute Erfahrungen gemacht.

Aber warum ausdrücklich keinen Reichtum? Die Bibel verbietet Reichtum nicht. Wer reich ist, der kann damit ja auch viel Gutes tun.

Die Aufklärung für seine Bitte folgt im nächsten Vers. Der lautet: „Ich könnte sonst, wenn ich zu satt würde, verleugnen und sagen: Wer ist der Herr? Oder wenn ich arm würde, könnte ich stehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen“. Mit dieser Begründung scheint mir seine Bitte gar nicht mehr absonderlich, wenn auch vielleicht ungewöhnlich. Das Wichtigste für ihn ist, dass er Gott gehört. Alles, was seinen Glauben an Gott, sein Vertrauen und seine Treue zu ihm gefährden könnte, möchte er ausschließen. Armut ist da sicherlich so eine Gefahr. Er kennt sich ja und hält es zumindest für möglich, dass er die Erhaltung seines Lebens dann ausschließlich selbst in die Hand nehmen könnte um mit allen Mitteln, auch durch Diebstahl sein Leben selbst zu sichern. Also gegen den Willen Gottes und sein Gebot zu handeln. Und das möchte er auf keinem Fall.

Reichtum ist aber vielleicht die noch größere Gefahr. In einem Zitat wird diese Gefahr anschaulich. Es lautet: „Seit die Fischer die Dieselmotoren haben beten sie weniger“. So ist es doch oft bei uns Menschen, wenn wir uns sicher fühlen, wenn wir meinen, unser Leben selbst in der Hand zu haben und gut für uns sorgen zu können, dann scheint uns Gott unwichtiger zu werden. Dann meinen wir, leicht auf ihn verzichten zu können. Oft ist das gar kein so bewusster Akt, sondern geschieht eher unmerklich und schleichend. Wir vergessen Gott nicht nur, sondern wir vergessen auch dass wir Gott vergessen haben. Wir brauchen ihn nicht, weil wir alles haben, der Kontostand stimmt und auch die Zukunft scheint damit abgesichert. Und vom Vergessen zum Verleugnen ist es dann oft nur ein kleiner Schritt.
Ich bewundere den Schreiber dieses weisen Spruches. Er kennt sich und hat den Durchblick. Er macht sich nichts vor, auch nicht im Blick auf seinen Glauben. Er hält ihn nicht für unantastbar und für ewig fest und unerschütterlich. Er kennt die Gefahren und seine Anfälligkeit dafür. Führe uns nicht in Versuchung heißt es im Vaterunser. Und deshalb bittet er Gott weder um Reichtum, noch um Armut, sondern um das, was er zum Leben braucht. Und damit bittet er darum, dass er Gott als seinen Schöpfer und Erhalter im Blick behält und sein Vertrauen auf ihn setzt.

Das ist wirkliche Weisheit und höchst aktuell dazu.

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