/ Wort zum Tag

Psalm 37,4

Bibelvers

Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Psalm 37,4

Dieser Vers ist so ein Klassiker. Ich kenne den aus meiner Jugend, da gehörte er in so eine Art Katalog von Bibelversen, die man auswendig kennen sollte und die in ganz bestimmten Situationen anzuwenden sind. Das hier war jedenfalls der Vers für die Situation: „Partnersuche“.

Ich erinnere mich lebhaft, wie da wild versucht wurde, seine Lust am Herrn zu haben. Es wurde gebetet, Bibel gelesen, gesungen und nochmal gebetet – und dann, irgendwann, müsste der Herr doch ein Einsehen haben und den oder die Ersehnte präsentieren. Zumal er ja wohl wusste, was unsere Herzen sich so wünschten. Und so oft geschah einfach nichts. Was war los? Was war da verkehrt? Stand der Herr etwa nicht zu dem, was er verheißen hat? Habe ich vielleicht nicht genug gebetet? Habe ich vielleicht das Falsche gebetet? Ist da oben überhaupt jemand? Viel Verbitterung ist da entstanden, viele Zweifel daran, wer Gott ist und wie er mit uns umgeht.

Was ist hier schiefgelaufen? Ich denke, das Problem ist, dass dieser Vers ganz oft als ein Wenn-dann-Satz gelesen wird: „Wenn du deine Lust am Herrn hast, dann wird er dir geben, was dein Herz wünscht.“ Bloß: Das steht da nicht. Da stehen nur zwei Sätze nebeneinander: die Aufforderung „Habe deine Lust am Herrn“, und die Aussage: „Der wird dir geben, was dein Herz wünscht“. Da steht nichts davon, dass das eine aus dem anderen folgt. Schon gar nichts davon, dass Gott die Bedingung stellt, dass ich mich erst an ihm erfreuen soll, bevor er mir etwas schenkt. Wie soll ich mich auch auf Kommando und völlig ohne Grund an Gott erfreuen? Ist das nicht an sich schon ein absurder Gedanke?

Wenn man diese beiden Sätze denn schon mit einem Wörtchen verbinden will, dann doch vielleicht besser so: „Habe deine Lust am Herrn, weil er dir geben wird, was dein Herz wünscht.“ Gott kennt mich ja durch und durch. Er kennt mein Herz besser als ich selbst, und er weiß auch genau, was ich wirklich brauche. DAS ist ein echter Grund, um mich an Gott zu freuen. Und wenn ich so von mir weg auf Gott blicke, dann fällt es mir auch leichter zu erkennen, dass meine eigenen vordergründigen Wünsche – vielleicht die nach einem Ehepartner, nach einem bestimmten tollen Job, nach dem Baby, das sich nicht einstellen will – dass diese Wünsche vielleicht gar nicht die sind, die Gott erfüllen wird.

Klar, es tut erst mal weh, wenn solche Wünsche nicht aufgehen. Auch bei mir selbst hat sich zum Beispiel der Wunsch nach einem eigenen Kind nicht erfüllt. Doch seit einem halben Jahr springt auch bei uns ein Kind durchs Haus, ein Pflegekind. Wir haben viel Freude mit ihm, und das Verrückte ist: dieses Kind ist auf den Monat genauso alt, wie es unser leibliches Kind wäre, wenn es bei uns auf Anhieb geklappt hätte. Das heißt: die ganze Zeit über, als mein Mann und ich von einer Enttäuschung zur anderen und von einem Arzt zum anderen zogen, war der Kleine schon da. Wir kannten ihn bloß noch nicht. Aber als wir schließlich dann dazu bereit waren, ein fremdes Kind aufzunehmen, war auch der Kleine gerade in der Situation, dass er dringend eine Familie brauchte.

Diese Geschichte hätten mein Mann und ich uns so nie ausgedacht. Wir beide hatten eigentlich erst mal einen anderen Wunsch, und es war auch alles andere als einfach, als der sich nicht erfüllte. Rückblickend passt aber doch plötzlich alles zusammen. Rückblickend ergibt ja vieles oft einen Sinn, und das kann Mut machen, wenn es um die Zukunft geht: Gott weiß schon, wie das alles zusammenpassen wird. Gott hält gute Dinge für mich bereit – bloß vielleicht andere, als ich sie mir ausdenke. Dietrich Bonhoeffer hat es mal so ausgedrückt: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“ Und das ist Grund genug, mich über Gott zu freuen.

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