/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 10,34-35

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Petrus sprach: Gott sieht die Person nicht an; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.

Apostelgeschichte 10,34-35

Hier in Berlin gibt es einige Gemeinden von afrikanischen Christen. Die meisten davon können sich keine eigenen Gemeinderäume leisten. Sie feiern deswegen am Sonntagnachmittag ihren Gottesdienst in den „ganz normalen“ Kirchen. Einmal beschloss ich, doch mal nachmittags zu den Afrikanern zu gehen.

Der Gottesdienst war für 14 Uhr angekündigt. Ich war pünktlich um 14 Uhr da, aber die Kirche war leer, nur ein paar Ordner liefen durch die Gegend. Ich wollte schon fast wieder gehen, weil ich dachte, ich hätte mich in der Zeit geirrt. Doch da kam einer der Ordner zu mir und sagte: „Ah, eine Deutsche! Ja, ich weiß, wir schreiben, dass der Gottesdienst um 14 Uhr anfängt. Das machen wir, damit um 15 Uhr alle da sind, wenns dann richtig losgeht.“ Aha. Ich bin ja aus Studentenzeiten noch das akademische Viertel gewohnt, also die Viertelstunde, die Leute üblicherweise zu spät kommen. Aber eine ganze Stunde? Das fand ich doch reichlich unverschämt. Ich setzte mich also einfach mal in eine Kirchenbank und wartete ab, was da weiter passierte.

Nach und nach kamen dann doch die Leute, Frauen in tollen bunten Gewändern, die sich zur Begrüßung um den Hals fielen, die Männer alle im Sonntagsanzug, und viele Kinder in allen Größen, die lärmend durch die Gänge rannten. Dann ging endlich der Gottesdienst los, und es wurde noch ein gutes Stück lauter. Wenn Afrikaner singen, dann tun sie es laut. Und wenn sie predigen, dann tun sie es auch laut. Mir dröhnten nach einer Weile die Ohren, aber eines war einfach nicht zu übersehen: Die Menschen waren begeistert, die waren voll Freude und Dankbarkeit darüber, dass sie hier Gott anbeten dürfen. Sie tun das ganz anders, als ich es gewohnt bin. Aber sie feiern denselben Gott, dieselbe Erlösung, als Christen gehören sie zu mir, so wie ich auch zu ihnen gehöre.

Ob Petrus wohl eine Ahnung davon hatte, was er mit seinem Ausruf auslösen würde? Dass bei Gott alle Menschen aus allen Ländern der Erde willkommen sind? Kann schon sein. Denn was er da sagt: dass vor Gott nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk zählt – nicht die Abstammung, nicht die Gene, auch nicht eine bestimmte Kultur, sondern allein das Bekenntnis zum Glauben – das war so unerhört, dass Petrus selbst zunächst große Mühe hatte, das zu glauben. Es sind nicht mehr nur das jüdische Volk und dessen Kultur und Gebräuche, die vor Gott Gefallen finden. Auch allen anderen Menschen mit ihren jeweiligen kulturellen Eigenarten steht der Zugang zu Gott offen.

Für die ersten Gemeinden wurde das dann ja zu einer echten Zerreißprobe zwischen Judenchristen und Heidenchristen. Sie waren einfach zu verschieden – sie lebten anders, sie dachten anders, sie hatten andere Gebräuche. Und sie mussten immer wieder daran erinnert werden: was alle Christen eint, sind nicht irgendwelche Sitten und Gebräuche, sondern allein der Glaube an Jesus Christus.

Auch mir tat die Erinnerung daran ganz gut, dass Gott sich nicht nur über unsere braven gesitteten Gottesdienste freut, sondern auch über den heiligen Lärm der Afrikaner, wie ich dies empfinde. Bin ich als Deutsche denn nicht auch selbst nur so eine Heidenchristin, die so Gottesdienst feiert, wie es bei ihr üblich ist? Das ist auch nicht besser und nicht schlechter als alle anderen Arten, Gottesdienst zu feiern.

In diesem afrikanischen Gottesdienst fiel mir übrigens noch etwas auf: da saßen doch vereinzelt so einige hellhäutige Menschen zwischen den Afrikanern. Einen davon sprach ich hinterher an, und der sagte: „Ich konnte mit Kirche lange überhaupt nichts mehr anfangen. Aber hier zwischen diesen fröhlichen Menschen reißt es auch mich wieder mit. Hier komme ich Gott wieder näher.“ Wie gut, dass Gott so vielerlei Menschen bei sich willkommen heißt.


Kommentare

Von marijke am .

danke für diese mal ungewöhnliche auslegung und betrachtung. auch ich bin total froh, dass es in deutschland nicht nur deutsche gemeinden gibt, mit denen auch ich mich oft schwertue. auch ich habe in einer philippinisch-afrikanischen gemeinde eine neue heimat gefunden. jedesmal freue mich über die herzlichkeit, freundlichkeit und annahme, die dort herrscht. dass die organisation nicht perfekt ist und oft lustig durcheinander geht (einmal hatten wir Godi im Foyer der kirche, weil wir vergessen mehr

Von Jonas am .

Das gefällt mir sehr. Gerade heute wo mit Integration Anpassung gemeint ist. Warum können viele nicht ertragen, dass die Menschen, die zu uns kommen Ihre Kultur leben, soweit sie nicht zerstörerisch ist. Aber von den Zerstörern gibt es auch genug im eigenen Land.
Danke Jutta Christine für den Beitrag


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