/ Wort zum Tag

Jesaja 1,3

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber mein Volk versteht’s nicht.

Jesaja 1,3

Noch steht die Advents- und Weihnachtszeit bevor, auch wenn wir seit Wochen in den Geschäften schon die entsprechenden Artikel angeboten bekommen. Aber auch der Text heute erinnert an die Krippenszene von Weihnachten. Zu ihr gehören zwangsläufig neben den Schafen auch Ochs und Esel. Die Schafherde wird in der Geschichte von der Geburt Jesu im Lukasevangelium erwähnt. Woher aber haben die Maler die beiden anderen Tiere? Auch sie sind nicht zufällig dorthin geraten. Das Lied am Anfang des Jesajabuches, aus dem unser Text genommen ist, erwähnt den Ochsen und den Esel: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber mein Volk versteht’s nicht!“

Es ist eine weise Auslegung der alten Maler, diese beiden Tiere in die Krippenszene „hineinzuzaubern“. Verkannt, nicht nur von der Welt, sondern vom eigenen Volk, liegt der Retter der Welt in einer Notunterkunft der einfachsten Art. Die Hilfe ist da, aber kaum einer nimmt sie wahr. Kein Wunder, dass alles ausweglos erscheint. Im Alten Testament ging es noch nicht um Jesus Christus, den Retter, der sich uns im Neuen vorstellt. Aber dennoch war die helfende Hand Gottes da – schon lange! „Kinder habe ich großgezogen“, so steht es direkt vorher in dem Jesajalied, „aber sie sind von mir abgefallen“ – und damit gefallen, tiefer als das liebe Vieh.

Selbst dieses hat mehr Verstand: Ochs und Esel kennen die Krippe ihres Herrn. Sie wissen, wo das Futter liegt, das ihnen das Leben erhält. Das sog. „unvernünftige Vieh“ weiß, wo es hinrennen muss, wenn es sein Leben erhalten will. Aber „mein Volk versteht’s nicht“! Welch ein Sturz! Sie fühlten sich erwachsen genug, um sich von dem wegzuwenden, sich zu emanzipieren von dem, der sie erzogen hat – und finden sich in auswegloser Lage – ohne wirkliche Kenntnis der Situation, in der sie sich eigentlich selbst die Lebensgrundlage entzogen haben.

Sicher: Jeder muss erwachsen werden – auf eigenen Füßen stehen und die schützende Geborgenheit mit der Selbstverantwortung austauschen. Das gehört zu einem gelingenden Leben. Dies ist eigentlich nicht das Problem. Es entsteht erst, wenn wir meinen, alles „im Griff“ zu haben. Selbst in unserem ganz normalen Leben gelingt das nicht. Wer Kinder hat, kann ein Lied davon singen. Man kann die besten Erziehungsratgeber gelesen oder sogar Pädagogik studiert haben. Irgendwann kommt man spätestens bei den heranwachsenden Jugendlichen da und dort in die Lage, ans Ende seiner Möglichkeiten gelangt zu sein. Vorschläge, die für die Erwachsenen „vernünftig“ zu sein scheinen, perlen ab wie Wasser auf einer Ölhaut. Am liebsten würde man den „Nürnberger Trichter“ aktivieren, um den jungen Leuten zu sagen, was dran ist!

Dies ist ein Beispiel aus dem menschlich-irdischen Leben, das uns die überbordenden Kräfte beschneiden kann. Es verwundert keineswegs, dass viele Menschen – auch und gerade fromme Menschen – sich dagegen verwahren, ihr ewiges Heil völlig einem anderen, nämlich Gott, zu überlassen! Als „Ochs“ und „Esel“ wollen sie wenigstens mithelfen, dass das Futter von der Wiese in den Stall kommt; sie wollen ihre Nahrung verdienen, um es mit gutem Gewissen zu genießen.

Das alttestamentliche Volk, dem Jesaja predigt, fiel von seinem Gott ab und holte sich – scheinbar vernünftigere – Ersatzgötter. Die Ersatzgötter heute sehen anders aus. Sie können ein weltliches und ein frommes Gewand tragen. Das weltliche: Ich habe mein Leben im Griff; das fromme: Ich habe mich dafür entschieden mit Gott zu leben, besuche regelmäßig den Gottesdienst und arbeite mit. Dem setzt Gott entgegen: „Eine Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber mein Volk kennt’s nicht!“ Deshalb können wir uns nur wünschen, dass unser Gott, der in Christus in die Welt und in die Krippe gekommen ist, uns allen die Erkenntnis des lieben Viehs schenkt. Mehr ist nicht nötig.


Kommentare

Von Holger Bischof am .

Die Erkenntnis des "lieben Viehs"
mache ich mir gern zu eigen. Denn
das Entscheidende an diesemTage
und den kommenden Tagen von
Gott zu erwarten, das ist wirklich
eine geistlich kluge Lebenseinstellung.-
Hatte die Andacht heute morgen über ASTRA gehört. Ich und meine Frau fanden sie so originell und treffend, dass wir auf diese Weise unser Echo übersenden. Danke !

Von elisa5 am .

Danke Danke Danke , muss mich wiedermal bedanken fuer die auch auf mich zutreffende Auslegung ! Sehr schoen haben Sie mir das erklaert wie Leben mit Gott so ist. Ich bin auch so ein Ochs oder eher ein Esel, der sich nur dann wohlfuehlt, wenn er sein Futter von der Wiese mit in den Stall bringen darf. Neulich durfte ich das mal nicht. Das war echt schlimm. Und ich glaube, alte Menschen fuehlen sich oft so. Die wollen wenigstens noch ihr Futter mitverdienen und statt dessen geben wir ihnen alles. mehr

Von Renate am .

Danke für diese klaren Worte! Wie schnell verfallen wir doch dem frommen Selbstbetrug!


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