/ Wort zum Tag

Psalm 143,5

Bibelvers

Ich denke an die früheren Zeiten; ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.

Psalm 143,5

Sicher waren Sie schon einmal beim Arzt. Sind Sie zum ersten Mal in einer bestimmten Praxis, wird Ihnen in aller Regel schon gleich bei der Rezeption ein Zettel in die Hand gedrückt, den Sie ausfüllen müssen – der sog. Anamnesebogen. Darin werden Sie nach chronischen oder früheren Krankheiten gefragt. Man beschränkt sich dabei nicht nur auf Sie selbst und ihre Krankheiten, sondern befragt Sie auch nach Ihrer Familie. Von möglichen Problemen zu wissen, kann für die Behandlung wichtig sein. Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen können um so besser vermieden werden, je mehr man über die Krankheitsgeschichte weiß.

Geschichte zu kennen, kann überlebenswichtig sein. Es ist also leicht nachvollziehbar, wenn der Dichter des Psalms 143 schreibt: „Ich denke an die früheren Zeiten; ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“

Er tut dies als er sich in großer Not befindet. Das lässt sich erkennen, wenn man den gesamten Psalm liest. Er erweist sich damit als kluger und lebenserfahrener Mensch. Die Geschichte zu kennen, kann lebenswichtig und überlebenswichtig sein.

Um so erstaunlicher erscheint es mir, wenn ich öfter einmal höre: „An Geschichte bin ich nicht interessiert!“ Welch ein Verlust erleidet jemand, der eine solche Haltung hat! Wer sich nicht für Geschichte interessiert, hat keine Chance, den Trost und die innere Stärkung zu erfahren, die der Psalmdichter erfährt, wenn er an die Taten und Werke Gottes denkt. Denn diese sind ja kein Hirngespinst, sondern geschehen – also Geschichte!

Wer sich nicht für Geschichte interessiert, schiebt es beiseite, dass der biblische Gott sich in die Geschichte hinein offenbart hat und deshalb der Geschichte einen besonderen Status gibt. So wichtig ist für Gott die Geschichte, dass er Mensch, also eine geschichtliche Wirklichkeit wurde; Gott hat nicht einfach ein Buch mit Regeln vom Himmel fallen lassen, nach dem wir Menschen leben müssen, um in den Himmel zu kommen. Die wahre Besonderheit des Gottes, von dem die Bibel erzählt, besteht darin, dass er selbst in diese Welt und ihre Geschichte gekommen ist. Deshalb kann es eigentlich nicht sein, dass Christen sagen: Geschichte interessiert mich nicht.

Was haben die Apostel in ihren ersten Predigten den Menschen erzählt? In der Apostelgeschichte wird davon berichtet, dass Petrus und die anderen Aposteln von den großen Taten Gottes erzählten. Das war Geschichte!

Ich höre schon den Einwand von etlichen: „Ja, aber da geht es doch um biblische Geschichte, nicht um Karl den Großen oder Martin Luther!“ Nun, auch die „biblische Geschichte“ ist mitten in der Weltgeschichte geschehen. Im Alten und im Neuen Testament begegnen uns Menschen und Ereignisse, die sich auch in den Geschichtsbüchern wiederfinden. Denken Sie nur an Pontius Pilatus, der es sogar bis ins Glaubensbekenntnis hinein geschafft hat! Die Geschichte, in der die biblischen Begebenheiten geschehen sind, ist keine andere Geschichte als diejenige, die bis zu unserer Gegenwart reicht.

Der Psalmdichter hat es gemerkt: Das Sich-Erinnern und Durchforsten dessen, was uns aus der Vergangenheit überliefert worden ist, ist eine starke Hilfe dabei, in der Gegenwart und Zukunft zu bestehen. „Mein Geist ist in Ängsten, mein Herz ist erstarrt in meinem Leibe.“ So beschreibt er seine Gegenwart. Die Antwort: „Ich denke an die früheren Zeiten“! Dies hilft ihm schon jetzt.

„Ich interessiere mich nicht für Geschichte!“ Wer dies sagt, gleicht einem Menschen, der den Anamnesebogen leer zurückgibt – nicht weil er nichts wüsste, sondern deshalb, weil es ihm unwichtig ist, dem behandelnden Arzt zu helfen.

Gott hat uns eine wirksame, eine heilsame Arznei verschrieben, in dem er in die Geschichte kommt und all seine Taten uns bis heute hat verkündigen lassen. Es wäre ein Jammer, wenn wir sie verschmähen würden.

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