/ Wort zum Tag

Psalm 27,8

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Mein Herz hält dir vor dein Wort: 'Ihr sollt mein Antlitz suchen.' Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Psalm 27,8

Am Abend vor dem Nikolaustag sage ich zu meinen damals noch etwas kleineren Kindern: „Also wenn ich Ihr wärt, ich würde meinen Stiefel an die Haustüre stellen.Wer weiß, vielleicht hat der Nikolaus noch etwas für Euch übrig.“ Das gibt ein großes Hallo; in Nullkommanix sind die Stiefel an der Türe. Am nächsten Morgen ist doch tatsächlich etwas Süßes drin. Also, nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen. Als Kinder eines Pastors glauben meine Sprösslinge nicht an den Nikolaus. Aber sie haben verstanden, dass wir als Eltern ihnen etwas schenken wollen. Und das lassen sie sich nicht zweimal sagen. Als Eltern müssen wir unsere Kinder manchmal daran erinnern, dass wir sie gerne beschenken. Kinder müssen zu Beginn nicht nur an ihre Pflichten erinnert werden, sondern auch an ihre Rechte bzw. müssen lernen, dass ihre Eltern ihnen großzügig zugewandt sind.

So ist es auch mit Gott. Und so verstehe ich auch das Psalmwort aus Ps. 27,8: „Mein Herz hält dir vor dein Wort: 'Ihr sollt mein Antlitz suchen.' Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.“ In der Mitte dieses Verses steht die Aufforderung von Gott: „Ihr sollt mein Angesicht suchen!“ Das ist die Erinnerung an Gottes Großzügigkeit. Gott ist nicht nur barmherzig und gnädig – sondern er erinnert uns auch laufend daran, indem er uns immer wieder auffordert: „Probier's doch aus. Stell deinen Stiefel an die Tür. Wenn ich du wäre – ich würde jetzt mein Antlitz suchen.“ Das ist der Sinn des Betens. Gott ermöglicht uns, zu ihm zu kommen. Gott macht uns Mut zum Beten. Gott hilft uns liebevoll auf die Sprünge. „Vergiss es nicht. Du kannst jederzeit kommen. Es ist gut für dich, wenn du kommst. Ich warte auf dich!“

Und dieser Beter, David, – der lässt sich das nicht zweimal sagen! So wie meine Kinder nicht lange gefackelt haben mit dem Stiefel. Der sagt: „Ok, wenn das so ist, dann mach ich das jetzt einfach. Ich nehme dich beim Wort, Gott. Ich komme zu dir. Ich suche dein Angesicht!“ Das ist es! Das ist kindliches Vertrauen! Das ist ein Blitzmerker, der Gott beim Wort nimmt. „Dass lasse ich mir nicht zweimal sagen!“

Schön wär's, wenn ich das auch schon so kapiert hätte. Stattdessen laufe ich oft in einer anderen Spur. Ich mobilisiere meine eigenen Möglichkeiten. Ich schöpfe die Ressourcen der anderen ab. Ich zapfe das Internet an oder die schlauen Bücher oder die vielen Ratgeber, die sich mir anbieten. Selber groß! Selber stark! - Und deshalb auch so oft selber arm! Weil ich nicht mit Gottes Großzügigkeit rechne. Weil ich ihn nicht beim Wort nehme. Und dann fange ich oft noch das Jammern an. „Warum hilfst du mir nicht, Gott? Wo bleibt denn dein Einsehen? Warum schaust du denn solange zu?“ Und wissen Sie was? So unreif dieses Jammern ist – so ist es trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Denn jetzt bleibe ich nicht mehr alleine mit mir selbst. Jetzt strecke ich mich aus nach Gottes Hilfe und Gegenwart. Immerhin. Aber das hätte ich auch schon früher haben können. Ich will es heute besser machen.

Damit aber nicht genug. David fordert mich noch einmal heraus. Ihm geht es vor allen Dingen um Gottes Angesicht, um seine Gegenwart. Nicht um die Erfüllung seiner eigenen Wünsche. Sein größtes Glück ist es, jeden Tag in der Nähe und in der ungetrübten Verbindung mit Gott leben zu dürfen. Lieber verzichtet er auf alles andere – nur nicht auf Gott selbst. Den braucht er mehr als alles andere. David stellt seinen Stiefel an die Tür – aber er schreibt Gott nicht vor, was er hinein tun soll. Er nimmt das dankbar an, was Gott ihm gibt oder auch verweigert – Hauptsache Gott selber geht ihm nicht verloren. Auch hier will ich lernen von David. Diesen Tag beginne ich mit dem Gebet: „Herr, rücke du mir heute die Perspektive zurecht. Lass mich nicht in meinen egoistischen Wünschen stecken, sondern lass mich erkennen, wer du bist und was du mir heute in den Stiefel legst. Ich nehme an, was du mir gibst. Und am allermeisten brauche ich dich selbst. „Mein Herz hält dir vor dein Wort: 'Ihr sollt mein Antlitz suchen.' Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.“ Amen.


Kommentare

Von B. Lukas am .

"Gott ist nicht nur barmherzig und gnädig – sondern er erinnert uns auch laufend daran, indem er uns immer wieder auffordert: „Probier's doch aus. Stell deinen Stiefel an die Tür. Wenn ich du wäre – ich würde jetzt mein Antlitz suchen.“ Das ist der Sinn des Betens."..und der bbewahrheitet sich gerade in Chile:Gott sei Dank für die rettung der Bergleute, die auch in den Medien der Presse bezeugt haben, das sich dort unten der Teufel und Gott um sie gestritten haben: und der Herr hat gesiegt! Lob und Dank sollen an so einem Tag nicht zu kurz kommen. Jedes Gebet wird gehört!

Von Lothar Niebuhr am .

Danke für die mutmachenden Worte. Ich will es wagen mit Gott!!

Von Renate am .

Ja, wir sollen werden wie die Kinder! Auch ich gehöre zu der Spezies Mensch, die oft erst eigene Kräfte mobilisiert, um die Dinge anzupacken, statt gleich die richtige Quelle anzuzapfen. ;-) Danke für die ermutigende Auslegung! Lernen wir gemeinsam, mehr und mehr in dieser vertrauensvollen, kindlichen Beziehung zu Gott zu leben!

Von Sabine am .

Danke, Herr Schrodt, für diese einfühlsame und für mich sehr verständliche Auslegung (ich tue mich oft schwer damit....) Jetzt muss ich nur noch lernen, es umzusetzen.


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