/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 19,3-10

Bibelvers

Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.

Apostelgeschichte 19,3-10

Es gibt Träume, durch die Gott Weltgeschichte macht. Die Bibel berichtet zum Beispiel von den Träumen Josephs. Gar nicht gut sind sie ihm bekommen, weil seine Brüder ihm die Vorherrschaft neiden, die ihm darin verheißen wird. Zwölf Garben neigen sich vor ihm. Sonne, Mond und Sterne huldigen ihm. Darüber wird selbst sein Vater ungehalten. „Was für ein größenwahnsinniger Joseph!“ mögen seine Brüder gedacht haben. Doch durch ungeahnte Tiefen hindurch erfüllen sich seine Träume.

Ein anderer Joseph träumt mehr als tausend Jahre später gleich zweimal kurz hintereinander. Einmal, dass er seine schwangere Verlobte Maria nicht verlassen solle und dann, dass er mit Mutter und Kind nach Ägypten fliehen solle. Beiden Träumen gehorcht er und rettet Jesus das Leben. Gottes Heilsgeschichte hätte sonst nicht stattfinden können. Undenkbar!

In der heutigen Losung berichtet Lukas in der Apostelgeschichte wieder von einem Traum, der Weltgeschichte macht. Ein Mann aus Mazedonien – erkenntlich wohl an seiner Kleidung – erscheint Paulus bei Nacht: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Das verleiht Paulus den Mut, das Evangelium nach Europa zu tragen. Ohne diesen Traum gäbe es weder das christliche Abendland noch Sie heute!

Gott redet in Träumen – auch zu mir. In Träumen macht Gott Geschichte. Große und kleine! Aber sind alle Träume gotterfüllt? Wie sind Sie heute Morgen erwacht? Hängt Ihnen noch ein Traum der vergangenen Nacht nach? Ob es ein für Ihr Leben bedeutsamer war? Oder gar einer, in dem Ihnen Gott selbst begegnet ist? Zumeist sind es Traumfetzen, die mir nach dem Erwachen bewusst bleiben und oft noch nicht einmal diese.
Was passiert, wenn ich träume? – Mehrmals jede Nacht träume der Mensch, sagt die Wissenschaft. Sigmund Freud sprach dabei von der Traumarbeit im Unterbewussten. Aber wer arbeitet da in mir? Mein Ich-Bewusstsein ist doch im Schlaf ausgeschaltet. Ich persönlich bin fest davon überzeugt: Es ist der Geist Gottes, der nachts in mir arbeitet und in meinem Inneren Ordnung schafft. Das meiste von seiner Arbeit bleibt mir unbewusst. Manchmal jedoch erinnere ich noch an Bilder und Szenen eines Traums.

Doch dann und wann gibt es Träume, die nachhaltig bis ins Wachbewusstsein hineinragen. Und eines solchen Traums bedient sich Gott, um seine Mission voranzutreiben. Denn sie soll bis an die Enden der Erde gehen, hatte der Herr verheißen. Doch wie kommt sie an diese Enden? Durch einen Traum des Paulus! In dem Apostel muss es, ja muss ER schon lange gearbeitet haben. Denn wenn das Evangelium allen Menschen gilt, kann Paulus sich nicht durch Grenzen der Kontinente aufhalten lassen. Doch mit welchem Recht kann er die Grenze seines Kontinents überschreiten? Mit welchem Auftrag kann die Gottesbotschaft sich in Europa ausbreiten? Was will Gott von ihm? Im Traumgesicht dieser Nacht wird ihm klar: „Gott selbst will mich in Europa haben, damit ich dort seine Mission fortführe.“ Ja über Rom hinaus will er später bis nach Spanien reisen, um auch dorthin das Evangelium zu bringen.

Drei Jahrhunderte später etwa wird ein Kaiser Konstantin träumen, dass er im Kreuzeszeichen siegen wird. Deswegen macht er – dem Traum gehorsam – das Christentum zur Staatsreligion. 1963 predigte ein schwarzer Baptistenprediger über seinen Wachtraum, seine Vision: Dass die Rassenschranken aufgehoben werden und alle Menschen gleiche Würde tragen. Martin Luther King beginnt mit den berühmten Worten: „Ich habe einen Traum...“

Wir Christen sind es gewohnt, Gottes Wahrheit von außen zu empfangen. Ob wir über das erste Buch seiner Schöpfung staunen oder über das zweite Buch seiner Offenbarungen, über die Bibel. Doch eben diese Bibel berichtet, wie Gott auch durch Träume und innere Erscheinungen sein Reich baut und seine Menschen lenkt. Deswegen will dieser Lehrtext uns dafür wach machen, auf unser Inneres aufzumerken. Dann können auch meine Träume und Visionen zum Sprachrohr seines Geistes werden, der mich führen wird.

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