/ Wort zum Tag

Hesekiel 18,4

Das hört sich bestimmt für manchen beängstigend an, dass ich jemandem gehören soll. Bin ich denn ein Diener; ein Sklave womöglich? Wir leben doch in einer freiheitlichen Gesellschaft.

Klingt ein bisschen wie Kinderstreit: „Das ist meins.“ „Das gehört mir.“ Und dann muss
Mutter oder Vater schlichtend einschreiten. Es geht um Macht, Geld, Besitz – global, regional und bis in die zwischenmenschlichen Beziehungen hinein. Der Marxismus-Kommunismus meinte mit der Abschaffung des privaten Eigentums eine humanere Gesellschaft schaffen zu können. Es hat sich gezeigt: Das war ein Irrtum. Die Machttendenz steckt im Menschen drin. Auch das Ringen um Autonomie. Menschen möchten Menschen nicht gerne gehören. Einer möchte dem anderen nicht rechenschaftspflichtig sein. Das wird als erniedrigend, als unangenehm empfunden.

Martin Luther schreibt in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ – Ein „Christenmensch“! Ein Mensch, der Christus gehört. Ein Christenmensch gehört Gott sogar zweimal. Einmal, weil Gott der Schöpfer dieser Welt ist – und damit der Erfinder, der Initiator, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt mit allen ihren Menschen. Menschen gehören Gott wie ein Geschöpf dem Schöpfer. Eine Erfindung gehört ihrem Erfinder. Dafür gibt es sogar ein Patentamt. Das ist aber nur eine abgeleitete Ebene – denn der Erfinder ist auch Kreatur und hat einen Kreator.

In dieser Weise gehören alle Menschen Gott. Ein Christenmensch weiß aber noch um eine andere Zugehörigkeit zu Gott. Jesus sagt einmal von sich selber, dass er nicht gekommen ist um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als ein Lösegeld für viele. (Mk. 10,45) Dahinter steht folgendes: Gott wollte zu seinen Geschöpfen ein liebevolles, vertrauensvolles Verhältnis haben und nicht ein Machtverhältnis. Dieses Vertrauensverhältnis hat der Mensch gekündigt. Er wollte und will selber. Und das Ergebnis: Wem kann ich denn heute noch vertrauen?! Läuft es nicht an vielen Stellen entsprechend dem alten Sprichwort: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. - d.h.: Wer mich bezahlt, dessen Meinung, dessen Interessen vertrete ich auch. Niemand gesteht sich selber gerne eine gewisse Rückgratlosigkeit ein. Wie lange halte ich es noch auf dieser Arbeitsstelle aus? Wie lange halte ich meinen Mund? Wie viel Freiraum kann ich mir mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld erkaufen? Bindungen, Unfreiheiten auch durch meine Biographie, meine Prägungen. Mark Twain schreibt: „Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterboxen. Stufe um Stufe.“

Eine ca. 50-jährige Frau bekennt: „Ich weiß jetzt wie gut es ist, dass Gott mein Leben führt.“ Durch eine schwere Geschichte hindurch ist sie zu dieser Erkenntnis gekommen. Glaubenskurs, Gespräche, miteinander arbeiten haben ihr dabei geholfen. Es hat ein Herrschaftswechsel stattgefunden. Auch für sie und dafür hat Gott seinen Sohn als Lösegeld gegeben. „Alle Menschen gehören mir.“ – da steckt das Werben Gottes drin: Bei mir erlebst du neuen Freiraum, befreites Leben. Dieser Frau ist die Freude darüber abzuspüren. Sie bekennt das in einem kleinen Freundes- und Mitarbeiterkreis und spricht ihr erstes freies Gebet in ihrem Leben.

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