/ Wort zum Tag

Johannes 16,24

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Christus spricht: Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.

Johannes 16,24

Beziehungen sind alles. Wenn ich etwas will, wenn mir etwas am Herzen liegt, wenn ich etwas erreichen möchte, was nicht allein in meiner Verfügungsgewalt steht, dann muss ich überlegen: Wer kann mir weiter helfen? Wer hat die Befugnis, mir dies oder das zu erlauben, wer kann mir den Zugang zu bestimmten Räumen oder Hilfsmitteln verschaffen? Und da ist es gut, wenn ich einen oder eine kenne, der oder die eine oder einen kennt. Auf den oder die möchte ich mich dann auch berufen können, wenn’s ernst wird. Ganz ohne Hintergedanken – ich möchte mir ja keine unbilligen Vorteile erschleichen, möchte keine fragwürdigen Abkürzungen nehmen. Ich gehe gern den korrekten Dienstweg, aber ich möchte es mir andererseits auch nicht unnötig schwer machen. Da können Beziehungen schon nützlich sein – und sei es nur, dass meine eigene Unsicherheit im Umgang zum Beispiel mit Behörden oder Entscheidungsträgern kompensiert wird.

Nun ist Gott keine Behörde und kein Beamter. Aber er ist definitionsgemäß allmächtig, ewig, allwissend – und kraft dieser Eigenschaften nicht nur endscheidungsbefugt, sondern Gott entscheidet auch tatsächlich gern und weise und souverän. Das kann mich als Menschen schon gehörig einschüchtern. Im Vergleich mit Gott bin ich kurzlebig wie eine Eintagsfliege, mein Horizont ist dramatisch eingeschränkt, meine Möglichkeiten sind bescheiden und vielfältig limitiert. Wie kann ich es wagen, den Allmächtigen mit meinen Anliegen zu behelligen? Aus seinem Blickwinkel sind sie vermutlich erbsenklein, zu vernachlässigen. Was kümmert es ihn, wie es mir geht, was mich beschäftigt, was mir Sorgen macht, wo ich Handlungsbedarf sehe?

Ich weiß zwar aus der Bibel, dass Gott prinzipiell schon ansprechbar ist, dass auch seine Schalterzeiten nicht begrenzt sind wie etwa beim Einwohnermeldeamt. Aber die psychologische Sperre in meinem Kopf ist trotzdem da. Ein allmächtiger Gott ist doch bestimmt unnahbar. Wenn Bitten an ihn richten, dann demütig verklausuliert und ehrfurchtsvoll verpackt. So würde ich das von mir aus angehen.

Aber nun ist da ja auch noch Jesus. Und der hat seinen Jüngern etwas ganz anderes beigebracht: Sie sollen sich Gott so vertrauensvoll und unbefangen nähern wie Kinder ihrem Vater. Eben nicht mit gesenktem Blick, gebeugtem Rücken und eingezogenem Genick. Sondern aufrecht, frank und frei.

Beziehungen sind alles. Auch Jesus wusste das, und deshalb hat er seinen Jüngern an einem bestimmten Punkt ihrer Ausbildung gesagt: Wenn ihr es mit Gott zu tun habt, wenn ihr euch an ihn wendet, dann beruft euch auf mich. Ihr könnt Gott natürlich einfach so um etwas bitten. Aber ab sofort könnt ihr es in meinem Namen tun. Steht so sinngemäß im Johannesevangelium Kapitel 16 Vers 23. Unmittelbar danach, in Vers 24, sagt Jesus wörtlich: Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.  

Das bezieht sich auf das „Bitten in seinem Namen“. Wenn schon im alltäglichen Leben gilt, dass es auf Beziehungen ankommt, dann erst recht im Hinblick auf Gott. Jesus verbürgt sich für mich bei Gott, dem liebenden Vater. Jesus hat die innigste Beziehung zu Gott, die man sich vorstellen kann. Und deshalb kann er seine Anhänger und Freunde bei Gott einführen. Legt sein Wort für sie ein. Und wofür Jesus sich einsetzt, da sagt Gott nicht nein. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.  

Beziehungen sind alles, und Jesus unterhält beste Beziehungen zur denkbar höchsten Stelle, nämlich zu Gott. Soweit, so gut. Aber nun kommt der eine große Unterschied zu den üblichen Beziehungsträgern und Fürsprechern: Die strapaziert man im alltäglichen Leben lieber nicht zu oft. Wer weiß, ob man den heißen Draht nicht noch mal für etwas Wichtigeres oder Dringenderes braucht. Jesus dagegen und seine Beziehungen zum Vater – die kann man gar nicht oft genug in Anspruch nehmen.

Die Lektion aus Johannes 16,24 lautet: Einfach öfter Bitte sagen. Gott im Namen Jesu um etwas bitten. Jesus ermutigt ausdrücklich dazu. Und dann überraschen lassen, was es mit der vollkommenen Freude auf sich hat.


Kommentare

Von marijke am .

einfach ermutigend! vor allem die stellen, wo es darum geht, dass wir uns Gott nicht "mit eingezogenem Genick" nähern müssen. und dass wir es oft tun können. musste ich mal wieder hören :-)


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