/ Wort zum Tag

Jeremia 20,11

Bibelvers

Der Herr ist bei mir wie ein starker Held.

Jeremia 20,11

Als Jugendliche spielte ich leidenschaftlich gern Theater und ging auch ebenso gerne dorthin. Ich erinnere besonders eine Aufführung von Bertold Brechts „Kreidekreis“ mit der Hauptdarstellerin Ellen Schwiers. Ich war hin und weg von deren Schauspiel. Unglaublich! - „Ob mich auch mal jemand entdeckt?“ - dachte ich mit jugendlicher Anmaßung. „Wäre doch toll, wenn mich zufällig ein Regisseur spielen sähe und mir eine Rolle anböte, mich sozusagen erwählte.“ – Erwählt zu werden ist etwas Wunderbares, oder nicht?
Zur Zeit Israels wählte Gott immer wieder Menschen aus und machte sie zu seinem Sprachrohr. Wie den jugendlichen Jeremia aus Anatot. Der predigte auftragsgemäß gegen die Vielgötterei seiner Zeitgenossen an. Doch statt ihn dafür zu belohnen, überließ ihn Gott menschlicher Willkür. Für seine Botschaft wurde Jeremia regelmäßig hart abgestraft. Sobald er Volk und König zur Umkehr rief, quälte man ihn mit Gefängnis und Schlägen, Hunger und Durst. Jahrzehnte lang ging das so. – Erwählt zu werden ist etwas Wunderbares, oder nicht?

Jeremia war gehorsam. Er tat, was Gott von ihm verlangte. – Aber er sah keinen Erfolg. Denn die Israeliten hörten nicht auf ihn. Und am Ende gab es kein Land mehr. Jerusalem verwüstet und das Schlimmste: Der Tempel zerstört. Jeremia wurde kein Star, dem man zu Füßen saß und ehrfürchtig lauschte. Er wurde ein einsamer Rufer in der Wüste, dem man sein Leben missgönnte und dessen Gottesbotschaft keinen interessierte. Verzweifelt betete er an einem besonders schlechten Tag: „Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen! Du bist stärker als ich und hast den Kampf gewonnen. Und nun werde ich lächerlich gemacht – tagaus, tagein; alle verhöhnen mich! Denn sooft ich das Wort ergreife, schreie ich: ‚Gewalt und Zerstörung erwarten euch!‘ Deine Botschaft bringt mir nichts als Hohn und Spott. Wenn ich mir aber vornehme: ‚Ich will nicht mehr an den Herrn denken und nicht länger in seinem Namen reden,‘ dann brennt dein Wort in meinem Herzen wie Feuer, ja, es glüht tief in mir. Ich habe versucht, es zurückzuhalten, aber ich kann es nicht! Ich höre viele hinter meinem Rücken tuscheln: ‚Von ihm hört man nichts als Schreckensmeldungen! Zeigt ihn an. Wir wollen ihn verklagen!‘ Alle, denen ich vertraut habe, lauern darauf, wann ich zu Fall gebracht werde. ‚Vielleicht lässt er sich hereinlegen, dann ist er in unserer Gewalt, und wir können uns an ihm rächen!‘ sagen sie.“ – Traurig, oder nicht? Ein frustrierter Diener Gottes. Kein strahlender Held. Keinen Respekt, keine Anerkennung, nur Hohn und Spott für den Auserwählten. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich muss unwillkürlich an Jesus denken, dem es ähnlich erging wie Jeremia. Jedenfalls am Ende, als man ihn verspottete und kreuzigte.
Einmal ist Jeremia sehr niedergeschlagen. Er verflucht den Tag seiner Geburt: „Warum nur bin ich geboren? Um ein Leben zu führen, das mir nichts als Leid und Elend bringt?“ fragt er sich. – Bewundernswert an Jeremia ist, wie er trotz äußerster Verzweiflung Gott weiter vertraut: „Aber du, Herr, stehst mir bei! Der Herr ist bei mir wie ein starker Held!“ betet er.

Von Gott erwählt zu werden ist etwas Wunderbares, weil Glaube, Liebe und Hoffnung für immer ins Herz gepflanzt werden. Unerschöpfliche Mutreserven für ein ganzes Leben, was es auch bringen mag. Menschen wie Jeremia haben das erfahren. Auch Menschen aus meinem Umfeld. Wie ein junger Bekannter, der unheilbar erkrankte und am Ende versicherte: „Ich habe einen gnädigen Gott!“ Wie geht das? – Das geht, weil Gott es ist, der den Glauben schenkt und erhält. Kein Mensch kann der Hüter seiner eigenen Seele sein. „Aber du, Herr, stehst mir bei! Der Herr ist bei mir wie ein starker Held!“ betete Jeremia. So machet er sich Mut zum Weiterleben und Weiterglauben. Zur Nachahmung empfohlen für alle, die auf eine harte Probe gestellt werden.

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