/ Wort zum Tag

2. Mose 15,11

Bibelvers

Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig ist?

2. Mose 15,11

„Alle Religionen sind doch letztendlich gleich,“ sagt meine Jogging-Freundin. „Ob man nun an Jesus, Buddha, Mohammed glaubt. Ich halte es mit Lessings Ringparabel, die kennst du doch? Also, die geht so: Ein Mann besitzt einen wertvollen Ring, den er traditionsgemäß nach seinem Tod seinem Lieblingssohn vererben soll. Er hat jedoch 3 Söhne und möchte keinen bevorzugen. Deshalb lässt er Duplikate herstellen und gibt jedem Sohn einen Ring. Nach dem Tod des Vaters lässt sich nicht mehr feststellen, welcher Ring der echte ist. Ein Richter soll das klären. Der erinnert die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen beliebt zu machen. Er gibt den Söhnen den Rat, jeder von ihnen solle einfach glauben, dass sein Ring der echte sei. Wenn er es wirklich sei, dann werde sich das an der Wirkung zeigen; jeder Ringträger solle sich bemühen, diese Wirkung herbeizuführen. – Also,“ fasst meine Freundin zusammen, „das sehe ich genau so: Auf die Wirkung kommt es an, Gutes tun, Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit und so, und das ist doch in allen großen Religionen gleich, Buddhismus, Islam, Christentum Wenn du sagst, das Christentum ist die beste Religion, ist das einfach intolerant.“

Gott, du bist einzigartig, singen dagegen die Israeliten im 2. Buch Mose. Gerade hat Gott sie aus Ägypten befreit, vom Terrorregime des Pharao. Gerade ist das Riesenheer der ägyptischen Soldaten, die sie verfolgten, im Roten Meer ertrunken. Gerade haben sie das erlebt, mit eigenen Augen: Gott ist mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig. Er hat sich für sie eingesetzt. Er hat alles in Bewegung gesetzt, um sie zu befreien: Er hat Mose berufen, er hat zehn Plagen geschickt, er hat das Rote Meer geteilt. Nur um ihnen zu helfen. Er schickt eine Wolkensäule, die sie tagsüber durch die Wüste leitet, und eine Feuersäule, die ihnen nachts den Weg zeigt. Er lässt Manna vom Himmel regnen und Wasser aus dem Stein schlagen. So einen Gott gibt’s nicht noch mal, sagen sie, der so viel für die Menschen tut, die an ihn glauben. Unser Gott ist einzigartig.
Merken Sie den Unterschied? Lessings Ringparabel zielt darauf, was der Mensch tun soll: Auf die Wirkung kommt es an, sagt er, Nächstenliebe üben, ein moralisch einwandfreies Leben führen. Aber in der Bibel geht es immer zuerst darum, was Gott tut. Er liebt die Menschen so, dass ohne sein Wissen nicht ein Haar von ihrem Haupte fällt. Er lässt 99 Schafe stehen und geht einem einzigen Schaf nach, das sich verlaufen hat. Er schickt seinen Sohn auf die Erde, erniedrigt sich, kommt ganz nach unten, um uns nahe zu sein, uns zu retten. Das gibt’s nicht noch mal, in keiner Religion. Einen Gott, der so tief herabsteigt, so viel tut für seine Menschen. Es mag ja sein, dass es in vielen Religionen ähnliche Ideen darüber gibt, wie der Mensch ein anständiges Leben führen soll. Aber unsern Gott, der Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um mich und dich zu erlösen: so einen Gott, den gibt’s nur einmal.

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