/ Wort zum Tag

1. Johannes 5,15

Bibelvers

Wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.

1. Johannes 5,15

Einspruch. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. „Dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben“? Oft erhalte ich ganz und gar nicht, worum ich gebetet habe. „Beten hat doch gar keinen Sinn, Gott macht sowieso, was er will“, sagte mir neulich eine Mitarbeiterin aus unserer Kirchengemeinde. Wenn Gott sowieso nicht tut, worum ich bitte, dann kann ich das Beten ja auch gleich bleiben lassen, oder?

Warum erhört Gott manche Gebete nicht? Wenn im Konfirmandenunterricht das Thema Beten dran ist, sammeln die Konfis Antworten darauf:

  • Gott erhört ein Gebet nicht, wenn es einem anderen schadet.
  • Wenn man nur aus Eigennutz und um materielle Dinge betet, die man nicht braucht.
  • Wenn man um eine gute Note betet, aber nichts dafür getan hat.
  • Wenn es auf Dauer nicht wirklich gut für mich wäre.

Gute Ideen, auf die die Konfis kommen.Denn was würde es nützen, wenn mir Gott all meine irdischen Wünsche erfüllen würde, mir Reichtum, Glück, ein langes Leben schenken würde, aber am Ende würde ich die Ewigkeit verpassen? Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Johannes schreibt: Er hört, worum wir auch bitten. Gott ist ein guter Zuhörer. Wie ist das, wenn Sie einen guten Zuhörer haben? Der geht nicht nur auf die oberflächliche Sicht der Dinge ein und antwortet mit banalen Allgemeinplätzen. Der hat auch nicht gleich einen Ratschlag parat. Der guckt hinter die Dinge. Sieht eine Schicht tiefer. Fragt nach, was meine tieferen Bedürfnisse sind.

Vor einiger Zeit bekam ich eine Mail von einem guten Freund. Ich hatte ihm von einem Unfall berichtet, den ich gehabt hatte, und wie ich danach mit Gott haderte. Er antwortete: „Wenn es Dir wieder besser geht, möchte ich gern mit Dir über die Tiefenschichten in Deiner Mail sprechen. Was Du auf den ersten Eindruck ausstrahlst, ist ja eher, dass Dir im Leben und Glauben alles leicht und erfolgreich von der Hand geht. Dass sich dahinter noch anderes verbirgt, merkt man erst auf den zweiten Blick.“ – Das hat mich berührt. Und ich merkte: Ja, so ein Gespräch möchte ich gerne führen. Weil da jemand wirklich an mir interessiert ist, an meinem inneren Ergehen. Gott hört, worum wir bitten. Und er sieht die Tiefenschichten. Und deshalb reagiert er manchmal ganz anders auf Gebete, als wir erwarten.

Da bringen vier Männer ihren gelähmten Freund zu Jesus. Weil sie aufgrund der Menschenmassen nicht zu ihm vordringen können, hacken sie ein Loch in die Decke über der Stelle, wo Jesus steht. Mitten in der Predigt wird plötzlich der Kranke über Jesus runtergelassen. Seine vier Freunde gucken mit großen Augen von oben und hoffen, dass Jesus ihren Kumpel gesund macht. Doch Jesus sagt zu dem Kranken: Deine Sünden sind dir vergeben. Darum hatte ja nun keiner gebeten. Stellen Sie sich mal die Enttäuschung vor. Die wollten, dass ihr Freund wieder laufen konnte! Aber Jesus sieht den Schaden tiefer. Was nützt es, wenn er den Mann körperlich gesund macht und sein irdisches Leben um ein paar Jahre verlängert, aber er hat keine Vergebung der Sünden und keinen Frieden mit Gott? Darum erhört Jesus die Bitte tiefer und gründlicher, als die Freunde und der Kranke es erwartet hatten. Als der Mann später nach Hause geht, ist er nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich geheilt.

Gott ist ein guter Zuhörer. Er erfasst die Tiefenschichten unserer Gebete. In diesem Sinne gilt es auch für mich, was Johannes schreibt: Wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.

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