/ Wort zum Tag

Psalm 139,23-24

Bibelvers

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“

Psalm 139,23-24

„Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“, sagten wir früher zuweilen, wenn einer schuldbewusst zu Boden blickte. Inzwischen aber weiß ich längst, dass unsere menschliche Fähigkeit zur Selbsterkenntnis begrenzt ist. Ausgesprochen begrenzt. Ich weiß das doch von mir selber: Es dauert oft eine ganze Weile, bis mir klar wird, dass ich mich daneben benommen habe. Und es dauert eine noch längere Weile, bis ich auch bereit bin, es zuzugeben. Mir selbst gegenüber und anderen gegenüber. Und manch einem wird ein ganzes Leben lang nicht bewusst, dass er sich daneben benommen hat, dass er schuldig geworden ist. Wir Menschen haben offenbar einen schier unerschöpflichen Vorrat an Ausreden parat, um uns eine Situation im Nachhinein so zurechtzudenken, dass wir damit leben können. Der Philosoph Friedrich Nietzsche hatte mal einen abgrundtief ehrlichen Satz aufgeschrieben: „Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz. Und endlich gibt mein Gedächtnis nach.“ Will sagen: Der Stolz ist offensichtlich immer stärker als unser Gedächtnis. Heißt: Selbst wenn wir meinen, uns genau zu erinnern, täuschen wir uns zuweilen gewaltig. „Erinnerungen“, hat mal jemand gesagt. „Erinnerungen sind Konstrukte aus selektiven Wahrnehmungen, Deutungen und Erfundenem.“ Also will ich auch meinem Gedächtnis nicht trauen, auch meinen Erinnerungen nicht.

Der Beter vom Psalm 139 muss das wohl schon geahnt haben. In dem Vers, der als Losung über dem heutigen Tag steht, betet er: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“ Will sagen: Es gibt nur eine unbestechliche Instanz in meinem Leben und in dieser Welt. Diese unbestechliche Instanz ist der lebendige Gott selber. Er muss mich erkennen. Er muss mich durchleuchten. Er muss mich erforschen, wenn ich die Wahrheit über mich herausfinden will. Über mich und über mein Leben. Dabei ist dieser lebendige Gott nicht nur eine unbestechliche Instanz. Er ist auch mein liebender Vater. Deswegen kann ich ihm einen Blick in mein Herz gestatten. Er ist ja keiner, der kalt und unbarmherzig analysiert. Er ist einer, der mich liebhat, der mich zurechtbringen will, der mich auf richtige Wege lenken will und der mich auf diesen richtigen Wegen begleiten möchte. Er ist einer, der sein Leben gibt, damit ich mein Leben nicht verliere. Deswegen ist das eine Bitte, die ich zwar mit Herzklopfen, aber dann doch auch mit großem Vertrauen aussprechen darf: „„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“

Da haben zwei Streit miteinander. Da leben sie in einem Konflikt, der schon viele Jahre alt ist. Beide beharren darauf, dass sie recht haben, und das folgerichtig der andere unrecht hat. Was würde wohl passieren, wenn beide dieses Gebet sprechen würden? Wenn sie Gott darum bitten würden, ihr Herz zu erkennen und zu durchleuchten. Vielleicht sollten wir uns angewöhnen, diesen Vers zu beten, bevor wir uns daran machen, Streitigkeiten zu schlichten und Konflikte zu lösen. Ich glaube, wir würden viel öfter das Wunder wirklicher Versöhnung erleben und miteinander im Frieden leben und – mit uns selbst.

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