/ Wort zum Tag

Psalm 116,3-4

Bibelvers

Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!

Psalm 116,3-4

Ich erinnere mich noch gut. Ich war 11 Jahre alt. Bei uns gab es am Fluss ein Strandbad. Damals konnte ich noch nicht schwimmen. Trotzdem hatte mich Wasser und damit auch der Fluss schon immer fasziniert. Am Rand der Badeanstalt führte ein schmaler Holzsteg in die Mitte des Flusses. Er war eine Anlegestelle für Ruderboote. Der Fluss hatte an dieser Stelle eine Breite von ungefähr 20 Metern.

Auf diesen Steg ging ich hinaus. Ein Stück vom Ufer entfernt setzte ich mich hin. Ich ließ meine Füße im Wasser baumeln. Plötzlich kamen andere Badegäste auf den Steg. Sie wollten an mir vorbei. Ich versuchte Platz zu machen und flutsch – fiel ich ins Wasser. Die Stelle war tief. Ich tauchte unfreiwillig total unter. In meinem ersten Schrecken versuchte ich Luft zu holen. Dabei saugte ich nur Wasser durch Nase und Mund ein. Ich geriet in Panik. Ich wusste nicht mehr wo oben, wo unten war. Verzweifelt ruderte ich mit Händen und Füßen. Plötzlich lief mein bisheriges Leben wie ein Kurzfilm in mir ab. Ich dachte nur noch: „War es das jetzt! Muss ich sterben?“ Gleichzeitig schrie alles in mir: „Lieber Gott, lass mich nicht sterben!“ Auf einmal bekam ich wieder Luft und sah vor mir den Balken vom Holzsteg. Dort hielt ich mich fest und schrie um Hilfe. Freundliche Badegäste haben mir dann ans Ufer geholfen.

Den Moment, als ich dachte: „Ich muss jetzt sterben!“, werde ich nie vergessen! Todesnot! Ich weiß, es gibt bestimmt lebensgefährlichere Situationen. Trotzdem, sterben zu müssen ist nicht schön – egal in welcher Situation. Das erlebte auch der Autor von Psalm 116 hautnah. Wenn er schreibt, dass ihn „Stricke des Todes umfangen“ haben, meint er damit nichts anderes, als Angst vor dem Tod zu haben, der gerade zupacken will. Wo Leben bedroht wird, herrscht immer Angst und Not.

Sie sind hier wie Stricke, die sich um mich zusammenziehen; die mich fesseln; gegen die ich mich nicht mehr wehren kann. Wenn dann nicht ein Wunder geschieht, ganz schnell Hilfe von stärkerer Seite her kommt – dann geht es gnadenlos zu Ende. Die Endstation des Lebens ist der Augenblick vor dem Tod. Das ist kurz vor dem Aus und Vorbei.

Wie schnell kommt in diesen Sekunden noch Hilfe von außen? Mitten im Herzinfarkt? Kurz vor dem Ersticken? Menschlich eingeleitete Hilfe kann hier trotz Martinshorn und Blaulicht schneckenlangsam sein! Das heißt, diese Hilfe kommt zu spät. Im Psalm heißt es dazu weiter: „Aber ich rief den Namen des Herrn an: Ach, Herr, rette mich!“ Warum aber sollte jetzt der Herr – gemeint ist damit Gott – helfen? Ist Gott dazu verpflichtet einzugreifen, wenn ich in Notsituationen nach ihm rufe? Weil er der Schöpfer und ich sein Geschöpf bin? Doch wer kann Gott schon zu etwas verpflichten? Kein Mensch! Trotzdem ruft der Autor dieses Psalms nach Gott und seiner Hilfe.

Woher nimmt er sich das Recht dafür? Den Grund, so zu Gott beten zu können, nennt er am Anfang seines Psalms. Da bekennt er: „Ich liebe den Herrn!“ Was diesen Menschen mit Gott verbindet, ist seine Liebe zu ihm. Gott ist ihm wichtig. Er mag Gott. Er hat Gott dazu berechtigt, sein Leben zu bestimmen. Es herrscht ein herzliches, intensives Vertrauen zueinander. Der Alltag ist ein Tag mit Gott. Gott ist aus keinem Bereich seines Lebens ausgeschlossen.

Seine Liebe zu Gott signalisiert ihm, Gott alles mitzuteilen, was ihn beschäftigt – in guten und in bösen Zeiten. Tag und Nacht. – Und darum auch in Situationen, in denen er sich tödlich bedroht fühlt. Diese Liebe zu Gott wünsche ich Ihnen. Es gibt niemand der schneller und stärker helfen könnte als Gott! 

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren