/ Wort zum Tag

1. Mose 12,1

Bibelvers

Der Herr sprach zu Abram: Geht aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.

1. Mose 12,1

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ – so singt Udo Jürgens.

Die Bibel erzählt uns von einem Mann, für den ging es mit 75 so richtig los.

Das Wort für heute aus 1. Mose 12,1 erzählt, wie es bei ihm begann: „Der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“

Gottes Auftrag trifft Abraham völlig überraschend, unvorbereitet. Nichts deutet darauf hin. Plötzlich und unerwartet hört Abraham diesen Ruf „Geh!“

Gott ruft den Abraham aus Sicherheiten und Bequemlichkeiten. „Geh aus deinem Vaterland…“ Er hätte auch gut zu Hause bleiben können. Es lebte sich nicht schlecht in Abrahams Heimat – weder in Ur noch in Haran; beide Städte werden als Wohnorte und als Aufbruchsorte Abrahams genannt. Beide Städte waren Handelszentren. Man lebte dort in behaglicher Wohnkultur, hatte schöne Häuser, eingerichtet mit allen Bequemlichkeiten mit gepolsterten Stühlen, schönen Teppichen, gut versorgt mit Wasser. Es war also schon eine Zumutung – diese Aufforderung: „Geh aus deinem Vaterland von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause…“. Aber Abraham macht sich auf und geht. Er wird „Ausländer auf Befehl“, so wie es ein Bibelausleger (Johannes Busch) einmal formuliert hat.

Wohin die Reise geht, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gott hat ihm noch kein genaues Ziel genannt. 

„In ein Land, das ich dir zeigen will“ – das ist nicht unbedingt ein geeigneter Werbespruch. Aber Abraham zieht los ohne eine Wegbeschreibung. Gott hat ihn gerufen und nun soll Abraham ihm ganz vertrauen. 

Wenn Gott heute Menschen ruft und ihnen einen Auftrag gibt, ist das dann nicht genauso? Wer weiß schon vorher, was ihn erwartet?

Entscheidend ist die Bereitschaft zum Aufbruch.

Diese Bereitschaft müssen besonders  Missionare aufbringen, die tatsächlich in ein fremdes Land gehen. Aber die Bereitschaft zum Aufbruch wird auch von jedem von uns in verschiedenen Lebenssituationen erwartet. Und immer wieder werden wir feststellen, es gibt keinen Aufbruch ohne Abbruch.

Viele haben das erfahren, als sie nach dem 2. Weltkrieg ihre Heimat verlassen und als Flüchtlinge aufbrechen mussten. Die Aussiedler, die in unser Land gekommen sind, haben das auch erfahren. Und wir alle müssen uns in der Kunst des Zurücklassens bewähren, wenn wir von einer Lebensphase in die andere übertreten.

Vielleicht ist es am einschneidendsten, wenn wir aus dem jahrzehntelang ausgeübten Beruf ausscheiden und in den Ruhestand treten oder wenn die Kinder nacheinander aus dem Haus gehen, denen durch Jahrzehnte die Sorge der Mutter gegolten hat.

Solche Schritte sind nicht ohne Schnitte zu vollziehen, und Schnitte tun weh.    

Jeder Aufbruch ist mit Abbruch verbunden, und solche Abbrüche wollen verkraftet sein. Abraham hat den Abbruch seiner bisherigen Beziehungen und den Aufbruch aus der gewohnten Umgebung nur deshalb verkraften können, weil er sich von Gott gerufen wusste und ihm voll vertraute. 

Egal wie jung oder wie alt Sie sind, sind Sie bereit, aufzubrechen? Ich wünsche Ihnen und mir diese Bereitschaft, so wie der Liedermacher Clemens Bittlinger sie in einem Lied formuliert hat:

„Auf der Grenze will ich warten und will nicht zufrieden sein,

denn ich warte, um zu starten in fremdes Terrain hinein,

warte, um beherzt zu springen über meinen Schattenrand

und um kraftvoll vorzudringen in ein unbekanntes Land.“

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