/ Wort zum Tag

Hiob 42,2

Bibelvers

Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.

Hiob 42,2

„Er ist ein Alleskönner“. „Ihr gelingt einfach alles.“  Wo Menschen so beschrieben werden, bin ich skeptisch. Den Menschen, der alles kann, gibt es nicht. Ebenso wenig wie jenen, der gar nichts kann! Gott sei Dank!

Niemand und nichts auf dieser Welt bringt alles zustande. Und doch behaupten manche Menschen, dass es eine Macht gibt, die omnipotent ist – also alles könnend.

Der biblische Hiob jedenfalls ist davon überzeugt: „Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.“

So lautet die heutige Tageslosung. Sie steht in Hiob 42,2. Die meisten Glaubenden stimmen wohl zu: Gott vermag alles, nichts ist ihm zu schwer.

Doch damit ist es nicht getan. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Hiob steht am Ende einer langen, hartnäckigen Auseinandersetzung mit seinen Freunden und mit Gott. Er will sein Leid nicht als Folge seines Tuns und als Strafe Gottes akzeptieren. Er klagt leidenschaftlich und fordert Gerechtigkeit - auch bei Gott.

Am Schluss seiner Auseinandersetzung erkennt Hiob, dass Gott alles vermag und ihm nichts zu schwer ist.

Das ist gerade aufgrund seines Lebens eine bewegende Glaubensaussage. Hiob könnte auch sagen: Gott vermag alles … aber er tut kaum etwas für mich!

Das würde seinen schmerzhaften Erfahrungen eher entsprechen. Deshalb ist der Einschub „alles, das du dir vorgenommen hast“ zentral. Wenn Gott nicht alles tut, was wir Menschen uns erbeten und auch nötig hätten, so ändert das nichts daran, dass Gott alles vermag.

„Gott vermag alles, und nichts, was er sich vorgenommen, ist ihm zu schwer!“ - wie schnell ist das gesagt. Sinngemäss haben auch Hiobs Freunde diese Aussage gemacht. Er hatte grosse Mühe damit. Verständlich. Diese Aussage kann gefährlich sein, vor allem dann, wenn sie einem Leidenden wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht geschlagen wird.    

„Gott vermag alles …!“ Nein, falsch ist das nicht. Aber die Losung ist aus gutem Grund anders formuliert: „Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.“

Diese Aussage ist verknüpft mit einer Beziehung. Erst, als Gott ihm begegnet, findet Hiob aus der Spirale des Leidens und der Anklage hinaus. Erst die direkte Gottes-Begegnung gibt ihm Halt. Er erlebt Gott als Gegenüber, als DU: „Ich erkenne, dass du …“!

Und drei Verse später sagt er: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“

Gott nur vom Hörensagen kennen. Das reicht nicht! Gott will uns begegnen, in Beziehung zu uns treten – so wie bei Hiob. Gott begegnet ihm nicht als Gott, der alle Probleme löst, sondern als Gott, der ihm nahe ist – gerade auch dann, wenn das Leben schwer und schwierig ist.

Diese Erfahrung wünsche ich uns allen! 

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