/ Wort zum Tag

Lukas 18, 7

Bibelvers

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen?

Lukas 18, 7

Unser dritter Hamster war gerade gestorben. Mein Tochter trauerte zutiefst und pflegte jeden Tag den Tierfriedhof im Garten. Traurig war ich auch, na ja, ein bisschen traurig, und auch ein bisschen froh, dass das Kapitel „Haustiere“ bei uns nun abgeschlossen war. Immer dieses Mahnen: kümmerst du dich auch um das Tier? Machst du bitte den Käfig sauber? Hast du dir überlegt, wer auf den Hamster aufpasst, wenn wir in Urlaub fahren? - Nun war das alles vorbei.

Aber für meine Tochter noch lange nicht. Nach einer Trauerwoche kam sie zu mir: „Mama, darf ich ein Meerschweinchen haben?“ „Waaas? Wie kommst du denn auf Meerschweinchen? Weißt du, wie lange die leben?“ Ich wusste das: bis zu 10 Jahre werden sie alt. Jetzt war meine Tochter 12. Wer weiß, für wen in drei Jahren ihr Herz schlagen würde, vermutlich nicht für Meerschweinchen.  – Und wer würde sich dann um das Tier kümmern? Mir schwante die Antwort ...

Also haben wir uns in Ruhe hingesetzt. Sie hat mir ihre Gründe genannt: eine Freundin hat gerade auch ein Meerschweinchen bekommen, das total süß ist, und sie ist so traurig, dass sie jetzt kein Tier mehr hat, und wie wichtig Tiere für Kinder sind, und dass sie sich selbstverständlich immer und ganz allein um das Tier kümmert ....

Und ich habe meine Gründe gesagt: dass Papa und ich in Ruhe darüber nachgedacht haben. Aber es steht so viel bei ihr an, dass sie einfach nicht die Zeit hat, sich um das Tier zu kümmern. Und ein Meerschweinchen braucht viel Zuwendung.

Kurz und gut: unsere Entscheidung lautete nein.

Am nächsten Morgen fand ich auf der Kaffeemaschine einen Zettel: bitte ein Meerschweinchen. Und unter dem Telefonhörer klebte der nächste: bitte ein Meerschweinchen. Am nächsten Tag fanden wir Zettel am Fernseher, im Kühlschrank, auf unserem Kopfkissen. an unseren Zahnbürsten.

Und am dritten Tag hing ein riesiges Plakat an der Küchenwand: bitte ein Meerschweinchen!!

Was mache ich, wenn ich mir etwas wünsche? Ich versuche, es mir selbst zu erfüllen, soweit mein Portemonnaie es zulässt. Oder ich habe Glück, und mein Wunsch wird mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag von anderen erfüllt. Aber es gibt auch viele Wünsche, die bringe ich in meinen Gebeten zu Gott.

„Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm rufen Tag und Nacht?“ Ich merke, wie schnell ich einbreche bei meinen Gebeten. Ich denke dann: wahrscheinlich erfüllt Gott meine Bitte nicht, weil sie unangemessen ist. Oder er hat anderes mit mir vor.  Es soll wohl nicht sein.

„Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm rufen Tag und Nacht?“ - Nein, Gott möchte kein zaghaftes Beten. Wenn ich an ihn glaube, wenn ich ihm vertraue, dann bin ich etwas besonderes für ihn. Dann liebt er mich, wie ein Vater seine Kinder liebt. Und welcher Vater lässt sich nicht anrühren, wenn Kinder ihn immer und immer wieder bitten, Tag und Nacht ....

Meine Tochter bekam ihr Meerschweinchen. Und das Tier ist mir sehr ans Herz gewachsen. Von daher bin ich meiner Tochter dankbar, dass sie sich durchgesetzt hat. Aber noch dankbarer bin ich ihr, dass sie mir beigebracht hat, wie gut es ist, wenn man beharrlich in seinem Bitten bleibt. Voll Vertrauen auf die Liebe ihrer Eltern nervte sie uns. Und letztendlich konnten wir gar nicht anders als nachzugeben. Dieses Grundvertrauen darf ich auch zu meinem Gott haben. In Sachen „bitten“ kann ich wirklich noch etwas lernen von meiner Tochter.

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