/ Wort zum Tag

Hesekiel 36,27

Bibelvers

Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Hesekiel 36,27

Hier in Berlin gibt es eine Band, die ich sehr mag: Herr Nilsson heißt die. Und in einem ihrer Lieder – in einem Liebeslied – kommt der schöne Satz vor: „Ich mach dir sicher nicht alles recht, aber alles, alles zuliebe.“

Ich finde diesen Satz so schön, weil er gleichzeitig so romantisch und auch realistisch ist – ich mache meinem Mann sicher nicht alles recht, und allen anderen Menschen auch nicht. Auch wenn ich das gerne würde. Was ich aber wirklich will, ist: meinem Mann und meinen Mitmenschen zuliebe handeln. Weil ich diese Menschen liebe. Das ist etwas ganz anderes, als wenn ich denke, ich müsse ihnen gegenüber alles richtig machen. Das werde ich nie schaffen. Und das muss ich ja auch nicht, denn mein Mann und meine Mitmenschen verzeihen mir Dinge gerne, wenn sie merken, dass ich es nicht so gemeint habe. Das wichtigste ist, dass ich sie liebe.

Ich denke, der Prophet Hesekiel beschreibt etwas ganz Ähnliches, wenn er hier Gottes Worte an sein Volk niederschreibt. Einen Vers früher sagt Gott, dass er unser steinernes Herz durch eines aus Fleisch ersetzen will. Ein hartes Herz durch ein weiches. Eines, das sich ständig Sorgen macht, ob es wohl alles richtig macht, durch eines, das gerne das tut, was Gott gefällt, weil es Gott liebt.

Denn der Geist, den Gott uns geben will, ist einer der Liebe. Einer, der lebendig macht. Viele Jahre später wird Paulus einmal schreiben: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“, und damit meint er genau das, wovon Hesekiel hier spricht. Wenn ich Gottes Geist in mir habe, dann wird mein Verhältnis zu Gott nicht eines sein, das von einem kalten Regelwerk bestimmt wird. Wenn es so wäre, dann müsste ich ja permanent Angst haben, ob ich auch wirklich alle Gesetze halte. Das wird dazu führen, dass ich mich völlig verkrampfe und mir selbst Dinge nicht mehr gönne, die eigentlich gut sind – aus Angst, dass daran etwas verkehrt sein könnte.

Was würde denn auch mein Mann sagen, wenn ich ständig denken würde: Oh, ob er das wohl gut findet, was ich da gerade mache? Ob er damit einverstanden ist, dass ich heute abend tanzen gehe? Und was sagt er wohl, wenn mir mal das Essen anbrennt? Ob ihm das wohl überhaupt schmeckt, was ich heute koche …? - Also, was mein Mann dazu sagen würde, weiß ich. Der würde sagen: mach dir keine so blödsinnigen Gedanken! Natürlich ist das OK! Für wen hältst du mich denn? Bin ich dein Sklaventreiber oder was? - Mein Mann wäre auf jeden Fall richtig sauer, wenn ich mir so komische Gedanken machen würde, da bin ich mir sicher. Und er wäre im Innern sicher auch sehr betrübt – weil ich ihn behandle wie einen Sklaventreiber und nicht wie einen Menschen, der mich liebt und achtet.

Ich glaube, Gott fühlt sich oft genauso betrübt, wenn ich ihn so behandle. Gott ist nicht einer, der will, dass ich ihm alles recht mache. Sondern er ist einer, der will, dass ich ihn liebe. Das ist das Allerwichtigste. Das unterscheidet ein Herz aus Stein von einem aus Fleisch: ein Herz aus Stein hat keine Liebe, sondern kennt nur Regeln – und die Angst und das schlechte Gewissen, diese nicht zu halten. Weil diese Regeln gar nicht bis ins Herz dringen können und deshalb auch gar nicht richtig verstanden werden können.

Ein Herz aus Fleisch ist aber eines, dem die ganzen Regeln und Gebote gar nicht so sehr bewusst sind – weil es von sich aus das tut, was Gott gefällt, weil es Gott liebt und weiß, was ihm Freude macht – und das auch weiß, dass Gott kein Sklaventreiber ist, der einen falschen Schritt sofort bestraft. Gott vergibt gern, sogar noch lieber als mein Mann und alle anderen Freunde von mir. Für Gott ist das allerwichtigste, dass ich ihn liebe, mit einem weichen Herzen aus Fleisch.

Ich mache Gott sicher nicht alles recht. Aber ich will ihm alles zuliebe tun.

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