/ Wort zum Tag

Johannes 3,17

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Johannes 3,17

Der Pharisäer Nikodemus möchte es jetzt gerne wissen. Er hat Jesus mitten in der Nacht besucht und ihm Fragen gestellt, um eines herauszufinden: Wer ist dieser Mensch? Woher hat er diese Kraft, die nur Gott haben kann? Ist er etwa der verheißene Messias, auf den die Juden schon so lange warten?

Jesus erklärt Nikodemus hier, dass er tatsächlich derjenige ist, auf den die Juden warten – und Nikodemus als frommer Pharisäer erst recht. Das war ja die Vorstellung der frommen Juden: dass eines Tages derjenige kommt, der ihnen Recht verschafft und alle ihre Widersacher vernichtet. Es ist ja nur verständlich, dass sie sich das wünschen. Das Volk Israel wird so sehr unterdrückt, dass doch eigentlich mal einer kommen muss, der es den Bösen heimzahlt …  

Aber so ist der Messias nicht. Er ist ganz anders, als sie ihn sich vorstellen. Jesus ist gerade nicht als derjenige gekommen, der von oben herab die Menschen richtet und allen gibt, was sie verdient haben. Jesus ist gekommen, um zu retten.

Und wie handelt jemand, der retten will? Nun, er kann nicht auf Distanz bleiben. Ein Rettungssanitäter zum Beispiel kann einem Unfallopfer nicht von fern helfen. Er muss hin zu dem Menschen, muss ihn untersuchen und verbinden. Er wird sich vermutlich schmutzig machen an dem Dreck im Straßenrand und an dem Blut des Verletzten. Alles egal. Das ist unwichtig. Und dann wird er mit Blaulicht und Sirene alle roten Ampeln überfahren und wenn nötig auch mal die Gegenspur benutzen, wenn rechts kein Durchkommen ist. Wenn es um ein Menschenleben geht, sind Verkehrsregeln zweitrangig.

Das ist genau die Art und Weise, wie Jesus als Retter auftritt. Er kommt den Menschen nahe – so erschreckend nahe, dass es für die frommen Gläubigen abstoßend war. Und deshalb hatten die Pharisäer und Schriftgelehrten auch solche Mühe, in Jesus den Messias zu sehen. Gott sieht aus wie ein ganz normaler Mensch, Gott macht sich schmutzig am Dreck dieser Welt. Er gibt sich mit Prostituierten, Leprakranken und Kriminellen ab. Und er stirbt schließlich wie ein Verbrecher übelster Art. Unerhört! Er tut alles, um diesen Menschen nahe zu sein, um sie zu erreichen und um sie dadurch zu retten.

Das sind wirklich gute Nachrichten für alle, die wissen, dass sie diese Rettung brauchen, weil sie sonst bei Gott keine Chance haben. Das ist DIE gute Nachricht, das Evangelium: Gott hat seinen Sohn auf die Erde gesandt – nicht als Richter, sondern als Retter. Ich brauche vor dem Gericht keine Angst zu haben, denn es wird mich nicht treffen. Jesus rettet mich davor. Extra deswegen ist er gekommen.

Auf seiner Rettungsaktion fährt Jesus aber immer wieder den frommen Pharisäern in den Gegenverkehr. Dass der Messias gerade NICHT gekommen ist, um endlich anständig den Verkehr zu regeln und Knöllchen zu verteilen, sondern dass er im Rettungswagen sitzt und dafür immer wieder die frommen Verkehrsregeln ignoriert, das kommt bei den Pharisäern gar nicht gut an. Wenn ich mir von Jesus am liebsten das Gericht über alle Bösen dieser Welt wünsche, dann werde ich von ihm krass enttäuscht. Gerade dann habe ich es nötig, von Jesus gerettet zu werden.

Wie hat wohl der Pharisäer Nikodemus darauf reagiert? Ich kann mir vorstellen, dass Nikodemus schwer geschluckt hat, als dieser Mann alles auf den Kopf stellt, woran er als Pharisäer glaubt. Aber der Evangelist Johannes berichtet an dieser Stelle nichts davon, was Nikodemus ihm geantwortet hat. Johannes hebt sich die Pointe für später auf: als Jesus begraben wird, taucht Nikodemus wieder auf. Er spendet großzügig für das Begräbnis und gibt sich damit als Nachfolger Jesu zu erkennen. Die jüdische Überlieferung sagt, dass Nikodemus später zu den Christen gezählt und aus der Synagoge ausgestoßen wurde.

Nikodemus hat den Unterschied zwischen dem Richter und dem Retter offenbar verstanden ...


Kommentare

Von Albert am .

Dieser Artikel hat mir besonders gefallen.Das Beispiel von "dem Retter im Rettungswagen auf der von Menschen verbotenen Spur im Gegenverkehr" ist genial formuliert. Jesus ist eben anders als es sich die meisten Menschen
in dieser sündigen Welt wünschen.
Es ist sicherlich höchste Zeit umzudenken, denn nicht wir Meschen haben Jesus erwählt, sondern er, der Allmächtige, (Joh. 10, 27 bis 31) hat uns erwählt und
will uns retten. Deshalb müssen wir uns seinen Verhaltensmustern zuwenden, um die mehr

Von zulumixer am .

Hey. Tolle info über Nikodemus am Schluss. Wusste ich gar nicht. Cool. Danke dass du dieses Wissen mit uns teilst ;)


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