/ Wort zum Tag

Markus 5,34

Bibelvers

Jesus sprach zu der geheilten Frau: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage!

Markus 5,34

Jesus ist unterwegs zu den Menschen. Auf dem Weg nimmt er unfreiwillig ein Bad in der Menge. Eine Frau drängelt sich besonders energisch zu ihm hindurch. Sie ist verzweifelt, denn seit zwölf Jahren ist sie krank. Sie schleppt sich von Arzt zu Arzt. Aber niemand kann ihr helfen. Im Laufe der Jahre ist ihre Krankheit immer schlimmer geworden. Sie wagt sich kaum noch unter Menschen, denn der Blutfluss macht sie unrein. Und wenn sie Menschen berührt, werden die ebenfalls unrein. So sagten es die Gesetzesvorschriften vor 2000 Jahren. Konsequenz: Quarantäne. Isolation. Einsamkeit.

Wodurch die Frau von Jesus gehört hat, sagt der Bibeltext leider nicht. Jedenfalls wagt sie es, zu Jesus zu gehen. Offenbar stört es sie nicht, dass auch er unrein wird, wenn sie ihn berührt. Sie hofft vielmehr auf seine heilende Kraft. Durch den Kontakt mit Jesus kann sie rein werden. Da ist sie ganz sicher. Dafür ist sie bereit, geltende Vorschriften und Normen zu verletzen. Noch einmal: Diese Frau ist seit zwölf Jahren krank. Wie hält man das durch: Zwölf Jahre ohne Kontakte zu anderen Menschen? Zwölf Jahre in der Isolation? Die Frau – leider kennen wir ihren Namen nicht – musste doppelt leiden. Einmal unter der machtlosen, aber teuren Medizin ihrer Zeit. Und dann unter der Schärfe und Härte des Gesetzes. Erstaunlich ihr Mut, mit dem sie sich hervorwagt.

Martin Luther hat den Wagemut und Glaubensmut dieser Frau sehr schön in einer Predigt vom 19. November 1531 beschrieben. „Es ist immer ärger geworden, bis sie sich endlich dazu durchgerungen hat, Christus zu begehren. Sie ist eine kühne Frau gewesen, sie war hier ganz ohne Scheu. Was hat sie so zu Christus hingezwungen? Es war die Verzweiflung, die sagte: Um dich ist es geschehen. Aber weil Christus allen zu Hilfe kommt, will ich auch zu ihm kommen. Daher sagte sie sich: Besser die Schande gewagt, als den Schaden erduldet. Denn gemäß dem Gesetz des Moses hätte man sie bestrafen müssen, weil sie hätte separat bleiben müssen. Da reißt sie aber ein Loch durch den Mose. Hätte ich nur den Mann Jesus gehört, dann geht mich Mose nichts an. Und ich glaube, wenn sie es vorher gewusst hätten, hätten sie sie vertrieben.“

In der Begegnung mit Jesus spürt die Frau: Ihr Blutfluss hört auf. Und Jesus merkt, dass eine Kraft von ihm ausgegangen ist. Er fragt die Menge, wer ihn berührt hat. Den Jüngern scheint diese Frage angesichts des Gewühls lächerlich. Aber Jesus blickt, während er sich umsieht, genau die Frau an. Die steht zitternd, ängstlich, aufgeregt und erleichtert vor ihm und fällt vor seine Füße. Sie erzählt ihm ihre Krankengeschichte und ihre enttäuschten Erwartungen. Schließlich die erstaunliche Heilung. Jesus bestätigt ihren Glauben: „Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht.“ Und er tut sogar noch mehr: Er spricht er ihr den Frieden Gottes zu und erklärt sie öffentlich für gesund. „Geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.“ Das durfte er nach dem damaligen Gesetz gar nicht. Auch Jesus übertritt die Vorschriften und Normen. Er macht die Frau gesund. Und sie kann heraus aus ihrer Isolation. Endlich kann sie wieder unter Menschen leben. Vor den Menschen erzählt sie ihre Lebensgeschichte und bekennt sich zu Jesus Christus, der sie heil gemacht hat, heil an Leib und Seele. Körperlich und seelisch aufgerichtet kann sie wieder vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein. Und sie weiß: Ich bin geliebt und angenommen von Gott.
 

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