/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 7,48

Wer redet hier? Stephanus, einer der berufenen und gewählten Armenpfleger oder Diakone der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem vor 2000 Jahren. Er glaubt an Jesus Christus und darum redet er auch selbstverständlich mit großem Sachverstand und in der Kraft des Heiligen Geistes von der Auferstehung und auch davon, dass der heilige Tempel in der heiligen Stadt keine bleibende Bedeutung haben wird. Genauso wenig wie die Ordnungen des Alten Bundes, die dem Volk der Juden durch Mose gegeben worden waren.
Sie hatten ihre Zeit, sie waren wichtig, aber jetzt ist mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes, etwas ganz Neues geworden. Jetzt gilt es, nicht mehr am Tempel, einem statischen Heiligtum, festzuhalten, an einer Tradition, sondern wie die Väter des Glaubens im Alten Testament unterwegs zu sein. Jetzt gilt es, mit Jesus Christus unterwegs zu sein und sich von ihm führen zu lassen.

Nein, sagt Stephanus, der von Menschenhänden gemachte Tempel ist nicht mehr entscheidend! Entscheidend war und ist, sich der Führung des Heiligen Geistes anzuvertrauen, der zu Gott gehört wie der Messias, der Sohn Gottes, nämlich Jesus Christus auch. Das aber, so der Vorwurf des Stephanus an den Hohen Rat, vor dem er sich verteidigen muss, genau das aber wollt ihr nicht wahrhaben. Dagegen sperrt ihr euch. Ihr reagiert verstockt und halsstarrig. Ja, ihr seid sogar zu Mördern an Jesus geworden!

Wer so redet wird mundtot gemacht. Vor der Stadt wird er gesteinigt, mit Steinen von Menschen aufgehoben und geworfen. Menschen bauen mit Steinen zur Ehre Gottes den Tempel und gleichzeitig sind Menschen fähig, mit Steinen zu töten. Dann, wenn ihre Überzeugungen angegriffen werden und nicht mehr gelten sollen. Der Tempel war doch der Garant für die Richtigkeit ihrer Überzeugungen, und wer den Tempel und seine Bedeutung angreift, der vergreift sich am Status Quo, am Bestehenden, an dem, was man kennt, was einem vertraut ist und worin es keine Veränderung geben darf. Auch nicht der Sohn des Allerhöchsten darf das und auch nicht seine Nachfolger.

Gott aber will keine Steine, sondern die Herzen, eine aufbruchbereite Liebe zu ihm und den Menschen, die er liebt. Das aber ist mehr als Tempelverehrung. Was ist leichter: regelmäßig den Tempel aufzusuchen, oder im Auftrag Gottes die Menschen aufzusuchen, die das Evangelium brauchen? Die das aufbauende Wort und die helfende Tat brauchen? Genauso wie es die neue Gemeinde in Jerusalem umsetzte. Neben Stephanus gab es viele andere, die auf die Menschen zugingen. Mit dem Evangelium und mit Geld, um zu helfen. Erfüllten sie damit nicht viel mehr genau das, was die alttestamentlichen Propheten immer gefordert hatten? Sich des Armen zu erbarmen. Den Witwen und Waisen zu helfen. Für Gerechtigkeit zu sorgen. Wohin ist eine Frömmigkeit abgedriftet, wenn Tempelsteine und steinerne Gesetze wichtiger geworden sind, als den Menschen vor dem Tempel zu dienen? Was ist mit einer Frömmigkeit passiert, die mehr Zeit im Tempel als vor dem Tempel verbringt?

Nun, Stephanus gehört auch zu denen in der Gemeinde Jerusalem, die sich mit der Lehre der Apostel beschäftigten, die beteten, die das Abendmahl miteinander teilten. Seine Tempelbesuche waren kein Selbstzweck, sondern führten raus aus dem Tempel zu den Menschen, die die Lehre der Apostel brauchten, das Evangelium und eben Jesus. Wo wohnt Gott? Wo ist er gegenwärtig? Bei wem ist er? Wie sagte Jesus noch seinen Leuten? Ich bin bei euch, an allen Tagen! Bei euch! Bei denen, die mir dienen. Sterbend betet der gesteinigte Diener Stephanus für seine Mörder. Warum? Wie ist so was möglich? Weil Jesus Christus ihn den offenen Himmel und seine Herrlichkeit zur Rechten Gottes sehen ließ. So war er bei ihm. Er ließ ihn nicht den Tempel sehen, sondern den offenen Himmel und den der darauf thront. Wer erfahren will, wo Gott wohnt, darf nicht an Steinen festhalten, sondern wird sich zum steinigen Weg der Nachfolge einladen lassen. So wie Stephanus.
 

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