/ Wort zum Tag

Psalm 104,27-28

Bibelvers

Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

Psalm 104,27-28

Nicht nur beim Erntedankfest, sondern auch mitten im Jahr ist es sinnvoll, über meine Dankbarkeit gegenüber Gott nachzudenken. Nur kurz nach Ostern erinnern uns die Worte aus der Losung der Herrnhuter Bibellese daran: „Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt“ (Ps 104,27-28). Diese Worte stammen aus dem 104. Psalm. In ihm geht es um das Lob des Schöpfers. Dazu hat der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson (25.05.1803-27.04.1862) bemerkt: „Alles, was ich gesehen habe, heißt für mich dem Schöpfer auch zu trauen betreffs alles dessen, was ich noch nicht gesehen habe.“ Etwas von diesem Vertrauen schwingt mit im Lobgesang auf Gott als den einzigen Erschaffer der Erde und allen Lebens auf ihr. Dabei gipfeln die Worte des Psalmbeters in seinem Dank an Gott. Dankbar für Arbeit und Brot. Wenn ich daran denke, habe ich aber zugleich auch die Bilder der Hungernden und der Arbeitslosen vor Augen. Somit ist mein Dank an Gott nur die eine Seite der Medaille und meine Verantwortung für bedürftige Mitmenschen die andere.

Wie selbstverständlich nehme ich tagein, tagaus in Anspruch, satt zu werden, eine Wohnung zu haben. Doch wem verdanke ich das? Mir selbst? Meiner Leistung und Tüchtigkeit? Der Dichter des 104. Psalms hat darüber nachgedacht und dann in tiefer Ehrfurcht ausgesprochen: „Lobe den Herrn, meine Seele“ (Vers 1).

Obwohl er die Probleme dieser Welt sicher kennt und möglicherweise auch am eigenen Leib erfahren hat, ist er nicht verbittert. Er lobt Gott. Von ihm weiß er sich geschaffen, getragen und geführt. Sein Gott ist sein Schöpfer, Erhalter, Erlöser und Vollender. Und das Schönste dabei ist: Er lebt bewusst in einer persönlichen Beziehung zu diesem Gott.

Neben dieser Dankbarkeit sehe ich aber auch, dass es nicht nur gute Tage gibt, sondern auch schlechte. Tag und Nacht, Licht und Dunkel, Leben und Tod gehören zusammen. Insofern ist jeder neue Tag für mich ein neues Geschenk. Mein Leben ist eine Leihgabe Gottes, kein fester Besitz. Alles, was ich habe, ist mir vorübergehend anvertraut.

Der eine oder andere Ältere unter unseren Hörern wird sich noch daran erinnern, als er während des Zweiten Weltkriegs hungern musste. In solchen schwierigen Lagen bekommen diese Worte „wenn du ihnen gibst, so sammeln sie“ plötzlich einen ganz großen Stellenwert im Leben.

Aber nicht nur dann ist es gut zu wissen, dass wir Menschen letzten Endes abhängig sind von dem lebendigen Gott, der uns zugetan ist. Davon redet der Beter des 104. Psalms. Das ist seine Freude, sich zu diesem Gott zu halten, zu ihm zu gehören, auf ihn angewiesen zu sein. Der große Forscher und Entdecker Alexander von Humboldt hat diesen Psalm eine der schönsten Hymnen der Menschheit genannt.

So hat der Beter in dem 104. Psalm alle Geschöpfe zusammengefasst. Alle sind sie vom Schenken des Schöpfers abhängig, der sie mit seinen Gaben erhält. In solcher Abhängigkeit warten sie auf die Speise. Diese hängt von der gebenden Hand Gottes ab. Gott dankt er dafür, dass er nehmen und sammeln kann.
Und das ist nun auch die Frage an mich, wenn ich mitten im Jahr so ein wenig Zwischenbilanz ziehe, nachdenke über mich und diese Erde. Kann ich auch Gott loben?
 

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