/ Wort zum Tag

Psalm 145,9

Bibelvers

Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.

Psalm 145,9

Meine Frau und ich sind in diesem Jahr 36 Jahre verheiratet. Junge Leute schauen uns manchmal ungläubig an, wenn sie die Zahl hören. Das ist in der heutigen Zeit schon etwas Besonderes. Wir empfinden, dass unsere Beziehung immer noch tiefer wird und unsere Liebe fester. Das erwähne ich an dieser Stelle, weil der Psalm 145, aus dem unser Bibelwort stammt, unser Hochzeitspsalm ist. Wir haben ihn damals ausgesucht, ja, den ganzen Psalm! So unbescheiden waren wir. Er stand in Auszügen auf unserer Anzeige und der Pfarrer hat über ihn im Traugottesdienst gepredigt.

Ich weiß nicht mehr in allen Einzelheiten, was uns damals dazu bewogen hat, nicht wie üblich einen Trauspruch, sondern einen ganzen Psalm zu nehmen. Aber es hatte auf jeden Fall mit der Begeisterung über Gottes Liebe und Großzügigkeit zu tun. Die entdeckten wir auch in seinem Geschenk, dass wir einander gefunden hatten. Unsere Beziehung, so sage ich es heute, war Ausdruck der Liebe, die von Gott her strömt und weitergegeben wird.

Natürlich, wir waren jung und verliebt, und der Pfarrer sprach poetisch vom Himmel, der heute voller Geigen hinge, und dass das nicht immer so bleiben würde. Aber verliebt sind wir heute immer noch. Und unsere Einsicht in die Liebe Gottes und die Erfahrung mit ihrer Umsetzung hat an Reife gewonnen.

Warum ich solche persönlichen Dinge sage? Nun, nicht nur, weil das unser Hochzeitspsalm ist, sondern auch deshalb: wenn Gott uns liebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben (1.Johannes 4,11). Liebe kann nicht für sich bleiben. Das war schon von Anfang an bei Gott so. Die innergöttliche Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist drängte hin zu den menschlichen Geschöpfen. Er wollte sie in seine Liebe einbeziehen, sie zu Teilhabern machen, ja zu mündigen, selber liebesfähigen Partnern. Die Liebe zwingt nie, sie vereinnahmt niemanden unfreiwillig. Sie ist auf das Gegenüber ausgerichtet. Sie sucht die Antwort des Herzens, die freiwillig geschenkte Zuneigung und Gegenliebe.

Für uns als menschliche - darf ich sagen - „Liebespartner“ Gottes heißt das: Die gewährte Liebe für sich alleine zu behalten, ist nicht nur egoistisch und unbarmherzig den anderen gegenüber, sondern schadet uns selber. Die Liebe, die von Gott kommt, ist eine expansive Kraft, sie will weiter zu den anderen. Ja, sie kann abgelehnt werden, aber nie bleibt sie ohne Wirkung. Auch verschmähte Liebe entfaltet ihre Kraft, und sei es eine negative, die sich letztlich gegen den richtet, der sie nicht annehmen kann oder will. Ein solcher Mensch wird zutiefst einsam bleiben, unabhängig davon, ob er in Partnerschaft lebt oder nicht. Er kann sogar von der Gegenmacht der Liebe, dem Hass, dem Bösen und der Lebensfeindlichkeit, bedroht werden. Sehen Sie, und deswegen ist es so wichtig, Gottes Liebe weiter zu geben, so wie der Einzelne es vermag: mit spürbarer Zuwendung, mit konkreten Taten der Nächstenliebe und, wo es passt, auch mit Worten; an den geliebten Menschen ganz in der Nähe, indirekt auch an die fernen Nächsten in den Elendsgebieten; an den auf der Straße, der sonst keinen hat - oder an die, die ständig Menschen um sich hat und sich nur für sie abrackert. Liebe ist erfinderisch, sie findet auch ungewöhnliche Wege, um Menschen zu überraschen.

Deswegen sind wir auch gerne verheiratet, nun bald 36 Jahre. Die Kraft unserer Liebe kommt aus Gottes Liebe zu uns. Deswegen sind wir nicht nur gerne als Ehepaar zusammen, sondern mindestens genauso so gerne mit unserem himmlischen Vater, der uns so sehr liebt.
 

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