/ Wort zum Tag

Hesekiel 3,10

Bibelvers

Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren.

Hesekiel 3,10

Vor wenigen Wochen war das erst wieder. Ich war zu einer großen, festlichen Veranstaltung eingeladen. Nach dem Gottesdienst sollte es einen Empfang geben, danach ein Essen und dann Grußworte. Und das wurde dann so, wie ich es schon oft erlebt habe: Der Gottesdienst war schön und wichtig, beim Stehempfang mit Sekt wurde es ungeheuer laut, sodass ich mein eigenes Wort kaum noch verstehen konnte. Beim Essen wurde viel geredet, wenn auch insgesamt etwas dezenter. Und dann kam die Kette der Grußworte, die schier nicht aufhören wollte. Nach gut vier Stunden mit unendlich viel Reden und ebenso viel Sitzen konnten wir endlich auseinander gehen.

Ja, es wird viel geredet, auch in der Gemeinde Jesu Christi, bei Christinnen und Christen. Und manchmal ist es so laut und so geschwätzig, dass das, was vorher im Gottesdienst gesagt worden ist, kaum noch in Erinnerung ist.

Da hinein ergeht ein Wort Gottes an seinen Propheten Hesekiel. Er soll sich aus dem Kreis der Vielredner herausbegeben. Er soll in die Nähe Gottes kommen, damit er hören kann, was Gott ihm sagen will. Er soll es sich zu Herzen nehmen, was er da hört und soll es im Gedächtnis behalten.

Und was soll er tun? Er soll einem Volk, das Gottes Wort gar nicht mehr hören will, sagen, was Gott will. Ja, zum Volk Gottes soll er reden, also nicht zu Leuten, die draußen sind und die das Reden Gottes gar nicht kennen. Nein, denen soll er den Willen Gottes ansagen, die Gott schon lange kennen, die Sonntag für Sonntag zur Kirche gehen, die Bibelstunden besuchen, die Feste feiern, die zur Gemeinde gehören. Und Gott ist sich sogar durchaus nicht sicher, ob die Leute offene Ohren haben werden. Eher vermutet er das Gegenteil. Das viele eigene Reden hat sie abgestumpft. Sie haben keine Antenne mehr für Gott.

Das kennen wir ja auch aus unserem Leben, nicht wahr? Wenn wir lange schon Christen sind, dann besteht die Gefahr, dass wir gar nicht mehr richtig hören können, was Gott uns sagen möchte. Stattdessen wird viel geredet, auch wenn es immer dasselbe ist. Die biblische Botschaft ist vertraut, aber sie bringt nichts mehr. Es ist wie mit einer Partnerschaft, die schon über Jahrzehnte läuft: Da kann auch vieles abgestumpft, eingefahren, Tradition geworden sein.

Und wie kommen wir raus aus dieser Sackgasse? Denn das ist ja die Konsequenz: Wo nichts Neues mehr blüht, wo alles eingefahren ist, da endet der Weg auch irgendwann in einer Sackgasse. Da gibt es keine Perspektive mehr.

In vielen christlichen Gemeinden in Deutschland werden in diesem Jahr Pausen eingelegt. Das Jahr 2010 erleben viele Christinnen und Christen als ein „Jahr der Stille“. Da geht nicht alles so weiter wie zuvor. Da wird der sonstige Wirbel heilsam unterbrochen. Da kommt das persönliche Gebet zu dem lebendigen Gott wieder in Gang. Da bilden sich Gebetskreise, die sich regelmäßig treffen. Da werden in Gottesdiensten Zeiten der Stille eingebaut. Da werden Menschen angeleitet zu neuem Hören, nachdem sie so lange immer nur geredet haben. Da werden Aus-Zeiten angeboten. Menschen gönnen sich einen Wüstentag oder mehrere, in denen sie ganz bei Gott sind.

Wir brauchen die persönliche Sprechstunde bei Gott, so wie sie Hesekiel gefunden hat. Wir brauchen Zeiten der Stille. Da wird Gottes Wort wieder lebendig. Da wird das Herz warm, weil wir uns wieder auf Gott einlassen und nicht mehr nur auf die vielen Stimmen, die täglich auf uns eindrängen.

Ich wünsche uns auch heute Zeiten der Stille, in denen wir ein Gottes Wort hören und zu ihm beten. Und wenn das auch nur Minuten sind: Wir werden aufatmen. Denn wir sind wieder da, wo wir hingehören. In Gottes Nähe. Und da wächst neue Kraft, neuer Mut, neues Land.

 

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