/ Wort zum Tag

Jeremia 30,12.17

Bibelvers

So spricht der HERR: Dein Schaden ist verzweifelt böse, und deine Wunden sind unheilbar. Aber ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen.

Jeremia 30,12.17

Kennen Sie die Trümmelbacher Wasserfälle in der Schweiz? Als Kind besuchte ich mit meinen Eltern zusammen im Urlaub dieses Naturphänomen. Die Gletscherwände des Eiger-, Mönch- und Jungfraumassivs liefern ca. 20.000 Liter Schmelzwasser pro Sekunde für den Trümmelbach. Der Trümmelbach stürzt sich unterirdisch über zehn Wasserfälle ins Tal. Unvergesslich ist mir, wie wir vor einem ca. 3-5 m großen Loch standen, aus dem das Wasser in weißer Gischt herausschoss. Eindrücklich sieht man die einzelnen Fontänen herabstürzen. Unaufhörlich. Mit großem Getöse. „Flut ruft Flut, deine Wasser kommen über mich“ – so klagt ein Mensch in Psalm 42. Daran muss ich denken, wenn ich das Wort zum Tag in Jeremia 30,12 lese: „So spricht der HERR: Dein Schaden ist verzweifelt böse, und deine Wunden sind unheilbar.“ Eine Not kommt nach der anderen. Es bleibt keine Zeit zum Aufatmen. Und nun noch die tödliche Diagnose. Jeremia hat dieses Wort des lebendigen Gottes seinem Volk übermittelt. Zu dieser Zeit war das Nordreich Israels bereits von Feinden eingenommen und das Volk in alle Winde zerstreut. Der kleinere Teil Israels bestand zwar noch, aber die Gewitterwolken drohten bereits am Horizont. Auch Juda musste den Weg in die Verbannung gehen.

Jeremia ruft im Auftrag Gottes zur Umkehr. So sehr er sich in seinem Beruf eins weiß mit Gott, so nimmt er doch Teil an der Schuld seines Volkes. Er leidet mit dessen Not. Er betet unaufhörlich für das Volk und liebt es mit blutendem Herzen. So wird er auch der „weinende“ Prophet genannt. Ihm ist die Schuld des Volkes, der Ungehorsam, der Zweifel auf sein Herz gelegt. Gottes Urteil aber ist eindeutig: „Bösartig ist dein Schaden, unheilbar deine Wunden, niemand kann dir helfen. Und die dir Freunde waren, sind alle weg!“ Ist das alles so weit weg? Bösartig und unheilbar – das sind, Worte die nur zu deutlich auch heute ihre Wirkung haben. Und ich kenne Menschen, bei denen kommt es mir vor, wie in den Trümmelbacher Wasserfällen. Immer noch mehr, keine Atempause. Eine Not nach der andern. Und dazu noch die schmerzliche Diagnose: „bösartig“. Was nun? Wirklich mitfühlen kann nur jemand, der meinen Zustand so sieht, wie er wirklich ist und nicht schnell harmonisiert. Eine ehrliche Diagnose mag schmerzen, aber sie ist besser, als die Täuschung. Und das nicht nur im Blick auf Krankheiten, sondern viel mehr im Blick auf das zerbrochene Verhältnis mit dem lebendigen Gott. Abkehr von Gott ist wie ein bösartiges Geschwür, das zunächst ohne Schmerzen wächst, aber letztlich Leben zerstört. Wie viel Zerbruch ist durch die zerbrochene Beziehung zu Gott entstanden?

Was aber ist denn angesichts einer solchen Diagnose zu tun? Was kann ich denn anderes tun, als alles letztlich Gott hinzuhalten. Und bei ihm sind wir an der richtigen Adresse. Gott selbst, der diese Diagnose gesprochen hat, spricht auch weiter: „Aber ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen.“ Ist das nicht zu einfach? Entscheidend ist, wer das sagt. Und wenn das Gott sagt, der Leben schenken, erhalten, erneuern kann, dann ist er vertrauenswürdig. Wenn er uns seine Gegenwart zusagt, dann müssen wir uns nicht mehr fürchten. Wenn er an unserer Seite steht, dann wird’s gut. Vertrauen wagen, trotz allem und in allem, das ist der Weg, auf dem ein unruhiges Herz wieder zur Ruhe findet. Vertrauen, dass er, Gott dabei ist. Vertrauen, dass er mich hält und nicht fallen lässt. Mit diesem Vertrauen löst sich nicht alles Leid in Freude auf. Aber eine tiefe Gewissheit kehrt in meinem Herzen ein. Die Gewissheit, dass er’s gut macht. Und dann sitze ich am Bett eines sterbenden Freundes. Unheilbar. Eben „bösartig“ war der Befund. Und wir sprechen über das Unfassbare, über Zweifel, über nicht erhörte Gebete, aber auch über die Ewigkeit. Kurze Zeit später stehe ich am Grab. Gott hat Gebete offenbar nicht in unserer Richtung erhört. Er hat ihn nicht geheilt. Aber hat er es nicht mit ihm gut gemacht? Sterben bedeutet doch für einen Christen Eingang in die Herrlichkeit Gottes. Ohne Leid, ohne Schmerzen, geheilt, gesund gemacht. So bleiben wir in der Spannung: „Gott kann“ und „Gott macht’s gut“. Wir bleiben in der Spannung, zitternd und manchmal verzagt, aber vertrauend. Das gibt uns Frieden ins Herz und etwas von dem, was Gott gemeint haben mag mit unserem Wort zum Tag: „Ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen!“

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