/ Wort zum Tag

Psalm 119,76

Bibelvers

Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast.

Psalm 119,76

Dieses Bibelwort ist ein Gebet. Der Beter macht drei Aussagen.
Erstens: „Deine Gnade.“
Bei uns Menschen geht es manchmal gnadenlos zu. Hier ist Gottes Gnade gemeint. Gnade können wir uns nicht verdienen, sie ist immer Geschenk, das froh macht. In der Sprache der Bibel haben Gnade und Freude den gleichen Wortstamm. Das deutsche Wort „Gnade“ hat auch den Sinn „sich neigen, herabneigen“. Wir finden Gott nicht, aber er hat sich zu uns herabgeneigt in Jesus seinem Sohn. Dass er unser Menschenbruder wurde drückt die Bibel auch so aus: „Die Gnade ist erschienen.“ Gnade hat auch einen ernsten Hintergrund. Nur wer sich zu seiner Verurteilung bekennt, kann um Gnade bitten. Sonst macht das Gnadengesuch keinen Sinn. Mir war der Bericht eines Augenzeugen sehr eindrücklich. Ein junger Soldat hatte die Nerven verloren und war vor dem Feind geflohen. Er wurde zum Tod wegen Fahnenflucht verurteilt. Er stand mit verbundenen Augen und seine Kameraden sollten Zeugen seiner Hinrichtung sein. Da kam ein Bote mit einem Begnadigungsschreiben. Als er seine Begnadigung begriffen hatte, trat er auf seine Kameraden zu und rief: „Kameraden, ich darf leben, ich darf leben!“ Das war ein ergreifender Augenblick und manche derer, die dabei waren, hatten Tränen in den Augen. Der Selbstgerechte versteht die Gnade nicht. Aber wer mit Paul Gerhardt beten kann: „Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat, gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad“, der darf als einer, der Gottes Zorn verdienet hat, leben um Jesu Willen. Gott macht die Gottlosen und Sünder gerecht.

Zweitens: „Deine Gnade ist mein Trost.“
Die Bibel sagt: „Jesus hat aus Gottes Gnade für alle den Tod geschmeckt.“ Was hat ihn das gekostet! Wer das glauben kann, hat jetzt schon reichen Trost und einmal den Eingang in Gottes Reich. Als der verlorene Sohn den Weg nach Hause zum Vater gefunden hatte, heißt es: „... sie fingen aber an fröhlich zu sein.“ Da war eine Tür zum Leben, zur Freude, zum Trost geöffnet. So darf der Christ immer neu aus der Gnade, aus dem Schenken Gottes leben. Wenn wir traurig sind, können wir versuchen, die Trauer durch Vergnügen zu vertreiben. Der Liederdichter sagt von Jesus: „... der unser traurig Herz erfreut.“ Das können wir nicht selber machen. Gott sagt durch den Propheten Jesaja: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Wie tröstet denn die Mutter? Sie nimmt das weinende Kind an ihr Herz, schenkt ihm ihre Liebe und spricht ihm zu, bis der Schmerz gestillt und die Tränen getrocknet sind. So hat der Glaubende Anschluss an die Quelle der Gnade und darf in den Alltags-, Berufs-, Familien- und Glaubensnöten immer wieder Hilfe und Trost erbitten und erfahren. Zuletzt macht uns das Bibelwort auf noch einen Zusammenhang aufmerksam.

Drittens: „... wie du deinem Knecht zugesagt hast.“
Hier hat der Glaube ein festes Fundament. Es sind die Zusagen, die Verheißungen Gottes. Der bekannte englische Prediger Spurgeon hat ein Andachtsbuch geschrieben, in dem er jeden Tag eine Zusage Gottes ausgelegt hat. Früher hieß das Buch „Scheckbuch des Glaubens“, heute: „Kleinode göttlicher Verheißungen.“ Der Glaube rechnet mit Gottes Verheißungen, die der treue Gott zu seiner Zeit alle erfüllen wird. „Das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich erquickt“ (Psalm 119). Gott nimmt nicht jede Not weg, aber er will bei uns sein in der Not. Als der Apostel Paulus Gott bat, er möge ihn eine drückende Last abnehmen, wurde ihm die Antwort gegeben: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Es gibt eine durchtragende Kraft Gottes für die, die in sich selbst schwach sind. Wollen wir es lernen, mit dem Liederdichter Spitta zu bekennen: „Er hat's gesagt, und darauf wagt mein Herz es froh und unverzagt, und lässt sich gar nicht grauen.“

Buch-Tipp:
Spurgeon, Charles Haddon
Kleinode göttlicher Verheißungen
Gebunden, 384 S., 2009 SCM Brockhaus
ISBN 9783417263046, 10.95 €
 

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