/ Wort zum Tag

Lukas 1,54

Bibelvers

Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf.

Lukas 1,54

Nicht jeden Tag erscheinen uns Engel. Das war auch im Alten Testament nicht anders. Deshalb erschrak Maria auch ziemlich, als plötzlich ein Engel zu ihr kam. Und was der Engel Maria angekündigte, sprengte ihre Vorstellungskraft in jeder Hinsicht. Sie sollte die Mutter des Sohnes Gottes werden? Und das, obwohl sie noch völlig jungfräulich und mit Josef lediglich verlobt war? Um diese Nachricht richtig zu erfassen und um allen unangenehmen Fragen erst einmal aus dem Weg zu gehen, zieht sich Maria zurück in die Berge. Sie besucht ihre Verwandte Elisabeth. Als sie sich gegenüberstehen, realisiert Elisabeth, dass sie der Mutter des Messias gegenübersteht. Und Maria erfährt, dass Elisabeth wirklich schwanger ist – sie, die Unfruchtbare! Genau so, wie es der Engel zu Maria gesagt hatte. In diesem Moment kann Maria nicht anders, sie fängt an, Gott laut zu loben. Den Psalm, den sie betet, finden wir im ersten Kapitel des Lukasevangeliums.

Der Lobgesang der Maria ist ein prophetisches Gebet von unglaublicher Dichte und Kraft. Maria beschreibt in Bildern die Zukunft Israels, ja die Zukunft der ganzen Welt. Und beim Beten wird die Zukunft zur Gegenwart, und Gegenwart wird zur Gottesgegenwart. Am Ende ihres Gebets bekennt Maria: „Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf.“ Dieser Satz bringt mich ins Nachdenken:

Gott ist doch nicht vergesslich, oder? Wenn es heißt, er „gedenkt der Barmherzigkeit“, dann steht hier ein Ausdruck, der bedeutet: „sich erinnern.“ Muss sich Gott etwas in Erinnerung rufen? Hatte er das Schicksal Israels etwa vergessen? Und plötzlich, nach ein paar Jahrhunderten, fällt ihm siedend heiß ein: „Ach, da war doch noch etwas! Ich sollte mal wieder an Israels Zukunft denken!“ Das wäre in der Tat eine Karikatur Gottes!

Etwas anderes ist gemeint: Gott hält seine Versprechen! Diese Versprechen waren schon ganz alt, er hatte schon Abraham versprochen, dass er durch Israel die ganze Welt segnen wird. Und Maria bekennt in ihrem Gebet: Gott ist treu! Er steht zu seinem Wort! So sehr die Menschen sich auch anstrengen mögen, Gottes Pläne zu vereiteln – er wird seine Absichten ausführen. So sehr wir durch unseren Ungehorsam Gott immer wieder einen Strich durch die Rechnung zu machen scheinen – Gott wird sich nicht von guten Vorsätzen abbringen lassen. Es mag wohl lange Zeit so aussehen, als ob das Böse siegt – aber Gott wird zum richtigen Zeitpunkt eingreifen.

„Er gedenkt der Barmherzigkeit.“ Das heißt: Gott bleibt sich treu. Von Anfang an war die Geschichte Gottes mit uns ein einziges Erbarmen. Es war nie anders, als dass auf uns Menschen kein Verlass war und Gott die Dinge alleine richten musste. Gott bleibt sich selbst treu in seinem Handeln an uns. Er ändert nicht seine Laune. Er ändert nicht plötzlich die Geschäftsbedingungen. Nein, es bleibt dabei, wie es Philipp Friedrich Hiller ausgedrückt hat: „Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert. Das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hats nie begehrt.“

Gnade und Erbarmen – das ist das Herz Gottes, das Zentrum seines Handelns, der innerste Kern seines Wesens. Das hat er in Jesus Christus bewiesen. Der Sohn der Maria ist der Retter der Welt. In Jesus trägt Gott meine Sünde, räumt meinen Schutt weg, heilt meine Wunden, stellt mich neu in seinen Dienst. Aber dies gilt nicht nur für mich, das gilt erst recht für das Volk Israel. Auch dieses Volk, das seinen Messias größtenteils noch nicht erkannt hat, hat Jesus versöhnt. Noch hat sich die Prophetie der Maria an Israel nicht erfüllt. Noch sieht es so aus, als ob Israel sich im Nahostkonflikt aufreibt und als säkularer Staat immer mehr in Schwierigkeiten stecken bleibt. Doch so wie sich die Versprechungen Gottes bisher stets erfüllt haben, so werden sich auch die Verheißungen Gottes an Israel noch erfüllen.

Maria macht mir Mut. Von Gottes Zukunft hat sie nur die Anfänge geahnt. Sie verlässt sich auf die Zusagen Gottes, obwohl die Gegenwart so oft dagegen spricht. Ob wir uns wohl trauen, heute in den Lobgesang der Maria einzustimmen?
 

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