/ Wort zum Tag

2. Korinther 6,4.10

Bibelvers

In allem erweisen wir uns als Diener Gottes; als die Armen, aber die doch viele reich machen;als die nichts haben und doch alles haben.

2. Korinther 6,4.10

Das Wort für den heutigen Tag aus dem 2. Korintherbrief will uns in Bedrängnis, Not und Ängsten Trost und Halt geben. Es geht aber nicht einfach über diese Schwierigkeiten hinweg, es spricht ausdrücklich davon und zeigt, welche Bedeutung Bedrängnis, Not und Ängste in unserm Leben haben können.

Wer sein Leben in den Dienst Gottes stellt, wird rasch erfahren, dass dieser Dienst kein reines Honigschlecken ist. Wir wissen viel über das Leben des Apostels Paulus, der den heutigen Text geschrieben hat. Sein Leben war oft hart. Im selben 2. Korintherbrief schreibt er weiter hinten: „Dreimal bekam ich die Prügelstrafe, einmal wurde ich gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf offener See. Oft war ich auf Reisen, oft war ich Gefahren ausgesetzt durch Flüsse, durch Wegelagerer, durch Volksgenossen und Fremde; in der Stadt, in der Einöde, auf dem Meer, durch falsche Brüder.“

Wäre Paulus Pharisäer geblieben, hätte er ein weit bequemeres Leben führen können. Aber er entschied sich, Gott ohne Vorbehalte zu dienen. Dabei erlebte er Gegensätzliches:
- Ausdauer trotz Bedrängnis, Not und Ängsten,
- Freude trotz Trauer,
- inneren Reichtum trotz äußerer Armut und
- beschenkt werden trotz Mangel.

Ich verbringe jährlich einmal eine persönliche Retraite im Haus einer evangelischen Schwesternschaft. Die Schwestern haben sich ganz dem Gebet und dem Dienst am Mitmenschen verschrieben und sich zusätzlich zur Armut und Ehelosigkeit verpflichtet. Sie verbringen ein äußerlich gesehen einfaches Leben. Aber ich spüre immer wieder die große Zufriedenheit und innere Ruhe, die diese Menschen ausstrahlen.

Was heißt dieser Tageslehrtext für uns? Für Menschen also, die wir weder Missionare im Stil des Paulus noch Ordensleute sind? Das Evangelium bringt eine Umkehr vieler in der Welt gängiger Werte. Erste werden Letzte sein und umgekehrt. Beim Arbeiten im Weinberg bekommen diejenigen, die nur von fünf bis sechs Uhr gearbeitet haben, denselben Lohn wie diejenigen, die den ganzen Tag im Weinberg waren, so sagt es Jesus in einem Gleichnis.

Der Neuen Zürcher Zeitung liegt jeweils einige Male im Jahr ein auf Hochglanzpapier gedrucktes Heft bei. Es trägt den schlichten Namen „Z“. Untertitel: „Die schönen Seiten des Lebens“. Es ist ja nichts einzuwenden gegen eine Veröffentlichung, die nur Positives darstellt. „Z“ aber zelebriert die Welt der Schönen und der Reichen, des Pomp und des Glamour. Mich beschleicht jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn ich dieses Heft durchblättere.

Wenn wir uns in den Dienst Gottes stellen, werden uns vielleicht viele Z-Seiten des Lebens entgehen. Aber was soll’s? Entscheidend ist doch, dass wir mit Gott, mit der Quelle des Lebens, verbunden sind. Die Orientierung an ihm lässt uns hoffnungsfroh wissen, dass unser Leben in ihm geborgen ist und von ihm her seinen Sinn bekommt.

Ich habe einen lieben Bekannten. Er ist erklärter Atheist. Er ist so atheistisch, dass er sogar das Wort Atheist ablehnt, weil darin „Theos“ vorkommt, was ja „Gott“ heißt. Er ist aber sehr hilfsbereit. Ich hätte (warum hast du es nicht getan?) ihm meine Tochter ohne weiteres für eine Woche in die Ferien gegeben, als sie noch fünf Jahre alt war. Hilfsbereit und vertrauenswürdig sein, das können nicht nur Christen.

Das, was einen Christen, eine Christin wirklich auszeichnet, zeigt sich wohl erst bei
Verrücktheiten wie
- der Bereitschaft, siebenundsiebzig Mal zu vergeben,
- dem Bewahren der Hoffnung auch in hoffnungslosen Fällen oder
- dem tiefen Getragensein und dem Ausstrahlen von Freude auch in der Trauer.

Als mein Schwager mit dreiundzwanzig Jahren an einer seltenen Blutkrankheit starb, verloren meine Schwiegereltern, die Christen sind, ihre Fassung nicht, sie waren trotz allem zutiefst getröstet. Dies wiederum brachte eine Nachbarin völlig aus der Fassung, als sie ihnen tränenüberströmt kondolierte.

All das, was ich eben aufgezählt habe, ist nicht machbar. Auch wenn wir – wie gesagt – weder Ordensleute noch Missionare sind: Beten wir dafür, dass Gott es uns schenkt:
- Ausdauer trotz Bedrängnis, Not und Ängsten,
- Freude trotz Trauer,
- inneren Reichtum trotz äusserer Armut und
- beschenkt werden trotz Mangel.
 

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