/ Wort zum Tag

Matthäus 15,28

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Jesus sprach zu der kanaanäischen Frau: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

Matthäus 15,28

Ist man nur dann wichtig, wenn man berühmt ist und einen großen Namen hat? Die Frau, von der wir im Bibelwort heute hören, ist eine von den vielen namenlosen Menschen. Einem Kometen gleich taucht sie auf, zieht ihre Bahn und verschwindet dann wieder von der Bildfläche. Nur eine unbedeutende Episode? – Wohl kaum. Dieses Ereignis ist offensichtlich so wichtig, dass man es in den Evangelien überliefert hat.
 
Ungewöhnliches, Erhellendes und Vorbildliches, das uns in dieser kurzen Geschichte begegnet. Jesus spricht mit einer Frau – das war zu seiner Zeit nicht üblich. Und es war erst recht nicht üblich, dass ein jüdischer Mann mit einer Frau sprach, die nicht zum jüdischen Volk gehörte. Er verstößt damit gegen alle Regeln, die damals galten. Und ungeheuerlich ist, dass er dieser - heidnischen - Frau bescheinigt: „Dein Glaube ist groß!“ – Wie kommt Jesus zu diesem Zeugnis? Kann man den Glauben überhaupt messen und anschließend feststellen: groß oder klein, stark oder schwach?

Wie groß ein Mensch ist – das kann man messen. Wie schwer ein Mensch ist – das lässt sich auch feststellen. Wie schnell ein Mensch laufen und wie weit er springen kann – all dies lässt sich messen. Aber der Glaube eines Menschen? Welchen Maßstab wollte man da anlegen? Hängt die „Größe“ des Glaubens davon ab, wie lange ich täglich in der Bibel lese oder wie oft ich täglich bete? Hängt die „Größe“ des Glaubens davon ab, dass ich regelmäßig Gottesdienste oder christliche Veranstaltungen besuche und mich als Mitarbeiter in der christlichen Gemeinde engagiere? All dies konnte die kanaanäische Frau ja nicht vorweisen. Und trotzdem bescheinigt ihr Jesus: „Dein Glaube ist groß!“ – Wie kommt er dazu? - Was hat die Frau schon Großartiges gemacht?

Zunächst einmal: sie läuft hinter Jesus und seinen Jüngern her. Und sie schreit hinter ihnen her. Sie schreit ihre ganze Not heraus. Ihre Tochter ist schwer krank. Die Frau resigniert nicht, als Jesus und seine Jünger sie anscheinend zunächst gar nicht so richtig beachten. Sie lässt sich auch nicht abweisen. Sie gibt nicht auf. Sie fällt schließlich Jesus vor die Füße und bittet ihn: „Herr, hilf mir!“ Was für eine Erwartung doch in dieser kurzen Bitte steckt?! Sie erzählt keine ausführliche Krankengeschichte, damit Jesus auch informiert ist. Sie bittet ihn, bedrängt ihn geradezu. Es wird uns nicht näher berichtet, ob sie Jesus vorher schon einmal begegnet ist, ob sie miterlebt hat, wie Jesus andere Kranke geheilt hat. Ob sie zugehört hat, wenn er predigte. Oder ob andere Menschen ihr von Jesus erzählt haben. – Aber eines wird uns berichtet: sie erwartet Hilfe von Jesus. Sie lässt sich nicht abweisen, sie bringt ihre Bitte an den Mann. Darin liegt anscheinend ihr ganzer Glaube. So hat es Jesus offenbar gesehen. Und er handelt. Er lässt sich bitten. Und es hört sich fast so an, als ob er ihr einen Blanko-Scheck ausstellt, wenn er sagt: „Dir geschehe, wie du willst!“ – Ein Blanko-Scheck, das ist ein Scheck, der unterschrieben ist und in den noch kein Betrag, keine Summe eingetragen ist. Die kann der Empfänger selbst eintragen und bestimmen. Aber es ging dieser Frau ja nur um das eine: dass ihre Tochter wieder gesund und heil wird. – Und genau das geschieht dann auch. Das Vertrauen in Jesus, das Zutrauen in das Wirken Jesu bleibt nicht ohne Folgen. Es lohnt sich – auch heute noch - zu bitten: Herr, hilf mir!

Dieses Bibelwort für heute ist von daher für mich eine Ermutigung, geduldig und ausdauernd für Menschen bei Jesus einzustehen und um Hilfe für sie zu bitten. Im Vertrauen darauf, dass er seine Hilfe schenkt. Es gibt zu viele Menschen, die niemanden haben, der für sie betet und bei Jesus einsteht. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch überlegen: für wen kann ich heute beten? Dieses Bibelwort für heute zeigt mir aber auch, dass Jesus einen ganz anderen Maßstab für den Glauben hat, als wir ihn oft haben. Ich will es darum Jesus überlassen, ob der Glaube eines Menschen „groß“ oder „klein“, „stark“ oder „schwach“ ist. Und ich bitte ihn: „Herr, hilf mir, dass ich niemanden mehr in eine „Schublade“ stecke, nur weil ich den falschen Maßstab habe.“
 


Kommentare

Von marijke am .

diese geschichte mit der kananäischen frau, als ich sie denn mal verstanden hatte, hat mich immer sehr beeindruckt. sowohl die art, wie hartnäckig, standfest und auch "demütigungsfähig" diese frau ist, also auch die liebe von Jesus, mit der Er zum schluss diese worte spricht. den kommentar mag ich auch, allerdings ist die schlussauslegung nicht so das, was ich da jetzt erwartet hätte. eher einen aufruf zum mehr glauben und im glauben durchhalten für den leser oder die leserin.

Von Raymond Schneider-Wihler am .

Danke für die Intensität dieser Botschaft! Sie hat mich berührt!


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