/ Wort zum Tag

Richter 6,13

Bibelvers

Gideon sprach zu dem Engel des HERRN: Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren?

Richter 6,13

Wenn sie ein schweres Schicksal erleiden, fragen viele Menschen: Warum gerade ich? Was habe ich denn Böses getan? Warum? Oder: Wie konnte Gott dieses oder jenes Leid zulassen, wenn es ihn denn gibt? Hinter diesen Fragen steht das Unbegreifliche, das nicht Erklärbare, die Ratlosigkeit, aber auch die Absicht, einen Schuldigen, einen Verursacher für das Leid zu finden. Warum hat Gott das zugelassen? Mit dieser Frage wird Gott angeklagt. Dabei ist viel Leid auf dieser Erde nicht von Gott geschickt, sondern von uns Menschen verursacht. Trotzdem bleibt die Frage: Warum lässt Gott das zu?

Im Alten Testament wird erzählt, dass das Volk Israel sieben Jahre lang von seinen Erzfeinden, den Medianitern drangsaliert wurde, ohne dass Gott eingegriffen hätte. Zur Begründung wird angeben: Das Volk habe nicht auf Gott gehört; deswegen die schweren Zeiten. Gott wollte diese aber beenden und sein Volk retten. Er stellte aber eine Bedingung: Lasst die fremden Götter los! Und dann berief Gott einen starken Mann, der die Tyrannei beenden sollte – Gideon. Ein Engel erschien ihm und begrüßte ihn mit den Worten: „Gott mit dir, du tapferer Krieger.“ Ich stelle mir vor, wie Gideon in diesem Augenblick aufschaute und sich verwundert fragte: „Gott mit mir? Gibt es ihn überhaupt noch? Wenn es ihn wirklich gäbe, warum ist uns all das Leid widerfahren? Wo sind denn die Wunder Gottes?“

Solche Fragen und Zweifel sind hoch aktuell. Die meisten von uns kennen sie und haben sie schon einmal gestellt. Wie oft habe ich sie schon gehört, oft dann, wenn Menschen von einem schweren Schicksalsschlag oder einer Katastrophe heimgesucht wurden. Mir ist noch ein Ehepaar in Erinnerung, das durch einen Verkehrsunfall seine zweijährige Tochter verloren hat. Die Kleine hatte sich von der Hand der Mutter losgerissen und war auf die Mitte der Straße gelaufen. Ein Kleinlaster mit überhöhter Geschwindigkeit, gesteuert von einem angetrunkenen Fahrer, raste heran. Das kleine Mädchen hatte keine Chance. Es starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Eltern, die zu unserer Gemeinde gehörten und die Christen waren, waren verzweifelt. Immer wieder hörte ich sie fragen: Warum? Warum? Wie konnte unser Gott das zulassen? Jemand, der es gut meinte und trösten wollte, sagte: „Gott weiß schon, warum. Sein Wille soll geschehen.“ Das war kein Trost für sie. Ich habe mich gefragt: Das kann doch wohl nicht Gottes Wille sein, dass ein kleines Mädchen von einem Lastwagen, der von einem betrunkenen Fahrer gesteuert wurde, überfahren wird und stirbt. Welches Bild nur haben Sie von Gott? Wäre der Tod der Kleinen Gottes Wille gewesen, dann könnten wir ihn wirklich anklagen und fragen: Warum hast du, Gott, der du ein Gott der Liebe bist, das gewollt? Im Fall des kleinen Mädchens gehört nicht Gott auf die Anklagebank, sondern ein verantwortungsloser Mensch.

Natürlich gibt es einige Bibelstellen, die manches Leid und Unglück auf Gott zurück führen. Dennoch ist es wahr, was Gott uns durch den Propheten Jeremia sagen lässt: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung (Jer 29,11). Es gibt so viele Fragen, wenn uns Leid und Unglück überfällt. Ich glaube, dass es nicht verboten ist, sie zu stellen. Auch Gideon, dieser starke Mann aus der Bibel, hat gefragt: „Ach, mein Herr, ist der Herr mit uns, warum ist uns das alles widerfahren?“ Dieses Wort begleitet uns durch den heutigen Tag. Unsere Fragen sind verständlich angesichts der dunklen Täler, durch die wir immer wieder mal gehen. Aber wichtig finde ich, dass wir trotzdem von der Gewissheit getragen werden, die der König David hatte, als er betete: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du, Gott, bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Und deshalb unsere Fragen wie Gideon Gott selbst stellen.
 

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