/ Wort zum Tag

Psalm 60,4

Bibelvers

Gott, der du die Erde erschüttert und zerrissen hast, heile ihre Risse; denn sie wankt.

Psalm 60,4

Da ist einer bis ins Mark erschüttert. Er steht in einer massiven Auseinandersetzung. Der Ausgang ist offen. Es herrschte Krieg, als König David die Worte der heutigen Losung aussprach. Dieser Krieg ging nach verlustreichem Hin und Her für David siegreich zu Ende. Der 60. Psalm aber ist in einer Zeit entstanden, als Sieg oder Niederlage noch nicht feststanden.

Stehen Sie zurzeit in einem Konflikt, dessen Ausgang noch offen ist? In einem Rechtsstreit? In einem Nachbarschafts- oder Verwandtschaftskonflikt? In einer Reiberei am Arbeitsplatz? Die Überschrift zu unserem heutigen Psalm heißt „zum Lehren“. Offenbar will der Psalm uns genau in solchen Situationen helfen.

„Du hast die Erde erschüttert, hast sie gespalten.“ Den Boden, auf dem wir stehen, empfinden wir in unserem Alltag als etwas Zuverlässiges. Sie kennen die bildhaften Aussagen „Boden unter den Füßen haben“ oder „auf einem guten Lebensfundament stehen“. Damit sagen wir für uns selber oder für jemanden in unserer Umgebung: Wir stehen sicher im Leben, wir sind standfest.

Und wenn diese Lebensgrundlage erschüttert oder gar gespalten, zerrissen ist? Wenn bisher Selbstverständliches nicht mehr trägt? Haben Sie so etwas schon erlebt? Eine Beziehung zerbricht. Die Arbeitsstelle geht verloren. Ein naher Angehöriger stirbt. Da kann schon das Gefühl entstehen, dass sich im bisherigen Lebensfundament ein Riss aufgetan hat, der uns zu verschlingen droht.

Der Psalm soll uns lehren. Was lehrt er denn? Der erste Teil der heutigen Lektion will uns sagen: Wir dürfen unsere Klagen vor Gott bringen. Der Beter klagt vor Gott: „Du hast die Erde erschüttert, hast sie gespalten, sie wankt.“ Meine bisherigen Lebenssicherheiten sind ins Wanken geraten. Das, worauf ich mich verlassen habe, ist unsicher, wankend geworden. Diese Not vor Gott bringen, dazu lädt der Psalm ein. Zwei Psalmen später hören wir dann den Rat: „Vertraut auf Gott zu jeder Zeit. Schüttet euer Herz vor ihm aus. Gott ist unsere Zuflucht“ (Psalm 62,9).

Aus dem, was uns beunruhigt, ein Gebet machen und so vertrauensvoll zu Gott gehen, das hat eine ungemein entlastende Wirkung. Wenn Sie sich dazu imstande fühlen, dann schreiben Sie doch dieses Gebet auf. Das hilft, die Gedanken zu sammeln und auf den Punkt zu bringen. Wenn Sie das eine Weile lang tun, ergibt sich daraus eine Art geistliches Tagebuch. Es erlaubt Ihnen, Bilanz zu ziehen: Was habe ich vor Gott gebracht? Was ist daraus geworden? Vielleicht können Sie dann noch mehr staunen über die Güte Gottes.

Der zweite Teil der heutigen Lektion fordert uns auf, Gott um Heilung zu bitten. „Heile ihre Risse!“ Das Klagen ist der erste, wichtige Schritt. Aber wir dürfen nicht dabei stehen bleiben. Der zweite Schritt ist, Gott um konkrete Hilfe zu bitten. Das ist weniger selbstverständlich als es zunächst den Anschein macht. Es kann bequem sein, nur zu klagen, ohne eine Lösung ins Auge zu fassen. Wer ein Problem los wird, kann, ja muss wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen. Wer krank ist, wird bemitleidet und umsorgt. Wer gesund wird, muss wieder auf den eigenen Beinen stehen. Kann und will ich aus vollem Herzen bitten: „Heile meine Risse“?

Jesus hat beim Anblick eines Kranken eine Frage gestellt, die zunächst eigenartig wirkt: „Willst du gesund werden?“ Diese Frage hat aber therapeutische Qualität: Bist du bereit, dein Leben neu anzupacken?

In der deutschen Sprache wird Jesus manchmal als „Heiland“ bezeichnet. Er ist der Heilende. Er war es zu Lebzeiten. Die vielen Heilungsgeschichten zeugen davon. Und er ist es bis heute. Als Auferstandener lebt er unter uns. Ich habe es an mir selber und an Menschen in meiner Umgebung erfahren, dass der Heiland tatsächlich heilt. Aber ich musste auch schon das Gegenteil erleben, nämlich dass Gebete um Heilung unerhört blieben. Die Art und der Zeitpunkt der Heilung liegen in Gottes Hand.

„Du hast die Erde erschüttert, hast sie gespalten. Heile ihre Risse, denn sie wankt.“ Die Diagnose stimmt: Unsere Erde ist erschüttert, gespalten, zerrissen. Aber bleiben wir nicht dabei stehen. Richten wir unsere Bitte an Gott, den großen Therapeuten: „Heile ihre Risse.“
 

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