/ Wort zum Tag

Johannes 5,5.8-9

Bibelvers

Ein Mensch lag achtunddreißig Jahre krank. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.

Johannes 5,5.8-9

Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen.

Psalm 30,2

„Das ist ja nicht zum Hinsehen – da muss man einfach weggucken“ - wie oft denken wir das, wenn wir mit der Not und dem Elend unserer Zeit durch die Nachrichten im Fernsehen konfrontiert werden, wenn große Kinderaugen aus ausgemergelten Gesichtern schauen, wenn Tote und Verstümmelte an Straßenrändern liegen. Das ist ja nicht zum Aushalten. Wenn wir spüren, eigentlich müssten wir dem alten Mann in unsrem Zug helfen, der gerade von randalierenden Jugendlichen bedrängt wird, die ihm die Geldbörse abnehmen wollen, dann denken wir oft: nur nicht einmischen, sonst bekomme ich auch noch Prügel ab, einfach nicht hinsehen. Es macht mir zu schaffen, wie oft ich mich an Not und Elend vorbeidrücke, wie oft ich einen Schwerkranken nicht besuche, weil ich an seinem Leid nicht schon wieder Anteil nehmen will.

In unserem neutestamentlichen Wort für heute schaut einer nicht weg. Jesus hat einen Blick für den Kranken, der zu ihm sagt: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich Betesda bringt. In unserem Gotteswort heißt es: „Ein Mensch lag achtunddreißig Jahre krank. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin“ (Johannes 5,5.8-9). Jesus klammert den Schmerz, klammert das Leid nicht aus, er geht auf den Kranken zu, fragt ihn: „Willst du gesund werden?“ und heilt ihn dann. Jesus klammert auch die dunklen Zeiten in meinem und Ihrem Leben nicht aus. Er wendet sich uns zu – wie er sich dem Kranken zuwendet. Er kann auch unsere Krankheiten heilen. Wir dürfen ihn darum bitten und können ihm von Herzen danken, wenn wir nach schwerer Krankheit spüren, dass die Kräfte wiederkommen und wir schließlich ganz gesund sind. Wir erleben es ja immer wieder, dass viele für einen Krebskranken beten, zu dem die Ärzte gesagt haben, sie könnten nichts mehr für ihn tun – und dass dann bei der nächsten Untersuchung festgestellt wurde: Der Tumor ist nicht mehr da.

Er bleibt uns aber auch zugewandt, wenn Gott einen anderen Weg für uns hat. Ich habe das persönlich erfahren als vor einem Jahr meine Frau an Krebs starb und mein Leben sich schlagartig änderte. Wir hatten noch viel gemeinsam vor, wir hatten noch viele Pläne, Menschen Gottes Liebe zu bezeugen. Aber dann kam es ganz anders. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Jesus an meiner Frau solch ein Wunder wie damals am Teich Betesda getan hätte. Aber wir mussten lernen, dass Gott es anders wollte. Trotzdem spürten wir, Jesus bleibt uns zugewandt – und so konnte meine Frau ihre eigene Beerdigung selbst vorbereiten. Nach ihrem Heimgang, in der Zeit der Trauer, wurde mir immer wieder neu die Gewissheit geschenkt: Jesus Christus sieht dich, er ist dir nahe, er wendet sich nicht ab. Aus der Bibel wissen wir: Christus wendet sich denen zu, die gemieden werden, er setzt sich der Verachtung und Verleumdung aus, er leidet selbst bis zu seinem Tod am Kreuz. Seine Liebe, seine Zuwendung gilt uns auch in unseren Leiden. Jesus fragt im Zusammenhang unseres Gotteswortes den Kranken: „Willst du gesund werden?“ Er fragt auch uns: Willst du meine Zuwendung, willst du mein Heil? Der Heiland wendet sich uns zu; wir müssen auf seine Frage nur mit „Ja“ antworten. Er kann unsere Krankheit von uns nehmen – wie damals, er bleibt uns aber auch zugewandt, wenn die Kräfte immer mehr abnehmen und der Tod nahe ist, der Auferstandene bleibt uns zugewandt auch bei unserem Sterben und führt uns zum ewigen Leben. Er will auch unsere inneren Wunden und Verletzungen heilen, uns auch durch das dunkle Tal des Todes und der Trauer führen.

Das alttestamentliche Wort für heute ist Psalm 30,2. Da lobt einer Gott, weil er seine Hilfe erfahren hat: „Ich preise dich Herr: denn du hast mich aus der Tiefe gezogen“. Er ist dankbar, dass er Gottes Hilfe ganz konkret erfahren hat. Wir wissen: Gott ist uns nahe in guten und schweren Zeiten, er ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag (D. Bonhoeffer). Wir können ihm vertrauen – und dann auch ihn loben, manchmal sogar unter Tränen.
Jürgen Netz hat das in einem Lied so ausgedrückt:
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.
Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle. Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.
Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.
Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute und an jedem neuen Tag in allen Höhen und Tiefen des Lebens Gottes Nähe und die Zuwendung des auferstandenen Christus erfahren.
 

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