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Sprüche 20,12

Bibelvers

Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR.

Sprüche 20,12

„Ich bin ganz Ohr“ – sagt der Volksmund; Sie sind es vielleicht auch, wenn Sie nun zuhören. Ganz Ohr. Oder ganz Auge, wenn Sie lesen. Und da der Volksmund ganz gut beobachtet, kennen wir auch die Redewendung: „Der sieht und hört nichts.“ Und jeder weiß, es geht weder um die Blinden noch um die Tauben. Aber da prallt etwas ab, was andere offensichtlich sehen oder hören. Unsere Sprache ist voll von solchen Anspielungen: ich richte mein Auge auf etwas, behalte es im Auge, kann etwas aus den Augen verlieren – und mir kann auch Hören und Sehen vergehen. Diese Sinne sind fast ganztägig wach, die Augen können wir schließen, abends fallen sie uns oft von alleine zu, die Ohren müssen wir uns schon verstopfen, sonst sind die ganztags auf Empfang. Gut für unsere Wahrnehmung, gut, dass uns nichts entgeht, gut fürs Aufpassen – aber wir haben so viel um die Ohren, dass wir schon filtern müssen, was wichtig ist und was nicht.

Im Wort für heute aus den Sprüchen Salomos heißt es entsprechend (Spr. Sal. 20, 12): „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR.“ Ein hörendes Ohr. Ein sehendes Auge. Wo wir denken, dass sind doch Selbstverständlichkeiten, werden wir in der Bibel auf zwei Fährten geschickt: einmal, dass Menschen Augen haben und nicht sehen – und entsprechend Ohren haben und nicht hören – und dass es Menschen gibt, die eben taub sind und blind. Wer die Evangelien aufmerksam liest, entdeckt, dass Jesus Christus beiden auf der Spur ist. Er macht die Blinden sehend und die Tauben hörend. Und er trifft auf die, die wissen müssten, wer er ist – und erntet Ablehnung. Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR. Und selbst da, wo Jesus einen Blinden heilen will, verstehen viele erst nicht, dass in Jesus das ganze Heil Gottes in Person gekommen ist. Ja, es ist wohl doppeldeutig gemeint, was hier in den Sprüchen Salomos steht: Gott macht die hörend und sehend, die nicht in der Lage dazu sind, und er schenkt, dass die hören und sehen, die nicht verstehen, dass er am Werk ist. Ein Lied Johann Heermanns drückt es so aus:

„Den Tauben öffne das Gehör,
die Stummen richtig reden lehr,
die nicht bekennen wollen frei,
was ihres Herzens Glaube sei.
Erleuchte, die da sind verblend't,
bring her, die sich von uns getrennt,
versammle, die zerstreuet gehn,
mach feste, die im Zweifel stehn.“
(Johann Heermann , EG 72, 4+5)

Dazu gilt, was Matthias Claudius sagt: „Was du sehen kannst, das siehe und brauche deine Augen, und über das Unsichtbarte und Ewige halte dich an Gottes Wort.“
 

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