/ Wort zum Tag

1. Johannes 2,4

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Wer sagt: Ich kenne Gott, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.

1. Johannes 2,4

Ist Ihnen schon einmal vorgeworfen worden, ein Lügner zu sein? So etwas will verkraftet werden. Dabei ist es egal, wer einen solchen Vorwurf macht. Man müsste schon die sprichwörtliche „Elefantenhaut“ haben, wenn man in solch einem Fall einfach zur Tagesordnung übergehen würde. Wer dies sagt, meint nicht nur, dass man einmal in irgendeiner Situation nicht die Wahrheit gesagt hat, sondern die Vorhaltung „Du bist ein Lügner“ ist eine umfassende Aussage über einen Menschen. Es ist leicht zu verstehen, dass sich das Verhältnis zu einer solchen Person sehr abkühlt.

Da ist es sehr erstaunlich, wenn in der Bibel genau solch ein Satz umrahmt wird von der Anrede „Meine Kinder“ und „Ihr Lieben“. Johannes hat ein sehr inniges Verhältnis zu den Menschen, denen er schreibt. Das zeigt sich in seinem gesamten Brief. Gerade weil dies so ist, schreibt er so klar und deutlich. Er möchte nicht, dass sich die Adressaten seines Briefes etwas vormachen. Wenn wir andere Menschen belügen, ist dies schlimm. Aber viel schlimmer ist es, wenn wir uns selbst belügen. In solch einem Fall ist es nahezu unmöglich, uns selbst aus dieser Situation zu befreien.

Kennen Sie das auch? Da macht sich jemand ein völlig verkehrtes Bild von sich selbst, von seinen Möglichkeiten, vielleicht auch von seinen Grenzen. Wir können „mit Engelszungen“ auf einen solchen Menschen einreden. Er ist und bleibt von seiner falschen positiven oder negativen Selbstwahrnehmung überzeugt. Da helfen manchmal nur sehr deutliche Worte. Es ist ein Zeichen für das gute Verhältnis zwischen Johannes und den Leuten, denen er schreibt, wenn er so offen und ungeschminkt schreiben kann. Er ist sich sicher, dass sie wissen, wie lieb er sie hat. Er weiß, dass sie seine Worte vertragen können. Und so werden aus deutlichen Worten, die an einer anderen Stelle verletzend wirken können, helfende Worte.
Worum geht es? Es geht um das Verhältnis zwischen Menschen und Gott – solche Menschen, die einen guten Draht zu Gott haben wollen, die gut mit ihm stehen wollen, die ihn kennen und kennenlernen wollen. Und gerade diese Menschen sind offenbar besonders gefährdet, sich selbst etwas vorzumachen, sich in eigene Lügen zu verstricken. Wie kommt das? Gott kennen, heißt zu wissen, wie das Leben für einen selbst und für die Mitmenschen gut gelingen kann. Gott hat in seinen Geboten aufgezeigt, wie dies geht. Es scheint demnach eigentlich ganz einfach zu sein: Wer den Geboten Gottes vollständig gehorcht, kennt Gott und seinen Willen; er lebt vollkommen mit ihm in Gemeinschaft. Das Umgekehrte gilt genauso: Wer in seinem persönlichen Leben und der Art, wie er mit den anderen Menschen zusammenlebt, sich nicht danach richtet, was Gott für gut hält, hat diese enge Gemeinschaft mit Gott nicht – egal, was er nach außen behauptet. Er macht sich selbst und den anderen etwas vor. Er ist ein Lügner.

Nur Gott selbst kann solch ein Mensch nichts vormachen. Johannes weiß das. Und er weiß, dass gerade fromme Menschen besonders gefährdet sind, sich etwas vorzumachen. Sie haben viel von Gott gehört, sie bekennen, dass er die Menschen liebt. Sie stehen mit Gott „auf Du und Du“. Sie wissen natürlich auch, dass sie sich nicht durch gute Werke gerecht machen können. Das ist die alte evangelische Wahrheit, die sie immer wieder gehört haben. Und weil sie das alles wissen und sagen, dass sie Gott besonders gut kennen, werden sie nachlässig darauf zu hören, was er sagt und will. Es ist hier genauso wie in anderen Lebensbereichen auch: Derjenige, der gerade seinen Führerschein gemacht hat, fährt höchst konzentriert und vorsichtig. Mit mehr Übung kann es geschehen, dass man nachlässiger wird. Man weiß, wie es geht. Und auch in gefährlichen Situationen ist bisher alles gut gegangen. Und so ist die Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, größer als zu Beginn des Autofahrens.

Johannes will nicht sagen, dass erst diejenigen, die alle Gebote Gottes erfüllen, Gott kennen und in seine Gemeinschaft kommen können. Diese Vorstellung hat er schon vorher in seinem Brief zurückgewiesen. Aber er will seine Freunde neu zum Nachdenken bringen. Er wünscht den Lesern seines Briefes, dass die Freude daran, durch Jesus Christus in die Gemeinschaft mit Gott gekommen zu sein, bewusst eingebaut wird in die Art, wie sie ihr Leben gestalten und wie sie mit anderen Menschen zusammenleben. Da geht es nicht in erster Linie und zunächst um frommes Reden. Das hat dann zur rechten Zeit auch seinen Platz. Sondern es geht um die Frage: Kann jemand in meinem alltäglichen Leben die Ruhe erkennen, die aus meiner Gemeinschaft mit Gott entsteht? Das heftige Wort „Lügner“ ist ein Weckruf aus dem Alltagstrott. Es will nicht verletzen, sondern in Erinnerung rufen und helfen. Es ist ein Zeichen der innigen Verbundenheit mit den Lesern – damals und heute. Höre ich ihn? Hören Sie ihn? Gott möge uns Ohr und Offenheit schenken, uns erinnern zu lassen, wie seine gute Botschaft in unserm ganzen Leben ist.
 


Kommentare

Von Marcel Amrein am .

Komme erst heute früh dazu, dieses WzT zu lesen - aber ich fühle mich gedrängt, diese Rückmeldung zu geben: es ist eine wahre Freude, ein echter Quell positiver Glaubens-Energie, was einem (zumindest mir!) hier zukommt.
Ich finde es dermaßen großartig, wie Sie es verstehen, die Verantwortung des Glaubensmenschen vor Gott herauszustellen und gleichzeitig die - unverdiente und nicht zu verdienende - Gnade zu betonen! Bitte noch mehr solch gewichtiger und wirklich erbaulicher Worte zum Tag!


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