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Hebräer 13,20-21

Bibelvers

Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen.

Hebräer 13,20-21

Haben Sie schon einmal einen sehr wichtigen Brief geschrieben? Ich meine einen, der an einen oder mehrere Menschen gegangen ist, die Ihnen sehr nahe stehen, einen Brief, in dem es um grundsätzliche und tiefgründige Dinge ging. Mir geht es so, dass mir dann oftmals der Briefanfang und das Briefende besonders schwer fallen. „So einfach los schreiben“ - das geht nicht. Und das Ende bringt dem Leser einen letzten Eindruck. Es entscheidet meist darüber, wie der Kontakt weitergeht.

Heute geht es auch um ein Briefende. Inwieweit es sich um einen Brief oder eher um eine theologisch-geistliche Abhandlung dreht – darüber streiten sich die Gelehrten. Die persönliche Ansprache am Ende des Hebräerbriefes lässt an einen wirklichen Brief denken. Wer hat ihn geschrieben? Wir wissen es genauso wenig, wie wir die Empfänger genau bestimmen können. Wichtiger ist aber, wie der Schreiber „den Sack zubindet“, wie er das Briefende formuliert. Der Satz, der der heutigen Andacht zugrunde liegt, ist nur ein Teil des Schlussabschnittes. Er hebt sich dadurch hervor, dass er fast wie ein Gedicht oder wie ein Teil der Liturgie im Gottesdienst wirkt. Damit wird die Bedeutung deutlich, die der Schreiber seinem ganzen Brief beimisst.

Was wünscht der Schreiber seinen Lesern – auch uns heute? Dass wir tüchtig sind, alles nur erdenklich Gute zu tun und so zu leben. Aber wir kommen dabei an ganz enorme Hürden. Was ist das Gute? Wie können wir das Gute von dem weniger Guten unterscheiden? Ich muss gestehen: Es ist mir schon häufig passiert, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen irgendetwas getan habe, was ich für gut gehalten habe. Aber hinterher hat sich herausgestellt, dass etwas anderes besser gewesen wäre.

Unser Briefschreiber erläutert, was das Gute ist: der Wille Gottes. Ist das die Lösung? Vermutlich würden die meisten zustimmen; aber genauso viele seufzen: „Ja, und wie weiß ich, was der Wille Gottes ist?“ Es kommt kein Zettel vom Himmel geflogen, auf dem uns ohne Wenn und Aber gesagt wird, was wir da und dort tun sollen, wie wir uns entscheiden sollen. Belässt uns also der Briefschreiber trotz seiner guten Absichten und seiner guten Worte in dieser Sackgasse? Mein Blick fällt zurück auf den Anfang des Satzes: Hier wird vom „Gott des Friedens“ gesprochen. Friede bedeutet, nicht dauernd hin und her geworfen zu sein und Angst davor zu haben, irgendetwas falsch zu machen. Friede heißt, Vertrauen zu haben, dass ich auf einem bestimmten Weg und in einer besonderen Lebenslage nicht verloren gehe. Es kann durchaus sein, dass irgendetwas schwierig wird in meinem Leben, dass ich Entscheidungen getroffen habe, von denen ich im Nachhinein sage, dass sie nicht so gut waren. Es gehört zu unserem Leben, immer wieder einmal Angst zu haben und auch etwas zu tun, was wir besser hätten nicht tun sollen.

Aber hier will nun der „Gott des Friedens“ bei uns sein. Es ist ein bekanntes biblisches Bild, das aufgenommen wird. Vom „großen Hirten“ ist die Rede, den dieser Gott des Friedens uns geschickt hat: Jesus Christus. Der Hirte ist da, auch wenn es auf Leben und Tod geht. So umfassend kann der Gott des Friedens helfen; sogar den größten Unruhestifter, den größten Verderber des Friedens, nämlich den Tod, hat er überwunden. Vielleicht geht es bei Ihnen nicht einmal um Leben und Tod, sondern die kleineren und größeren Dinge des Alltags machen Ihnen zu schaffen – Unruhe hier, Unsicherheit dort. Wie gehe ich am besten mit meinen Arbeitskollegen um? Wie verhalte ich mich gegenüber einem Nachbarn? Was ist das Rechte, das ich tun soll? Dies alles kann einem sehr wohl den Frieden rauben und an die Grenzen der Belastbarkeit gehen! Versuchen Sie, Ihre Gedanken auf diesen Gott des Friedens zu lenken, von dem der Hebräerbriefschreiber schreibt. Vorher hat er in langen Kapiteln ausführlich behandelt, wie Gott uns Menschen nahe gekommen ist. Hier am Ende des Briefes wird wie in einem Brennpunkt alles zusammengefasst: Alles, was uns den Frieden rauben will, ist gut bei ihm aufgehoben. In den vielen kleinen Entscheidungen und Dingen des Alltags können wir nicht für uns selbst garantieren, können wir nicht sicher sein, dass wir mit dem, was uns begegnen wird, immer im Einklang und Frieden sind. Aber er ist es, der uns Ruhe und Frieden schenken will, obwohl es um uns herum und in uns stürmt. Und das Gute: Manchmal gelingt es mir gar nicht, mich daran zu erinnern, dass der Gott des Friedens bei mir ist! Macht nichts! Dann ist er doch da! Auch wenn diese Andacht viel kürzer war als das Schreiben an die Hebräer. Die Schlussworte bleiben die gleichen: Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen.
 

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